Fazit zum Pedelec-Test

Schneller als gedacht ist er da: Der Moment der Rückgabe, der Abschied also. Gewöhnt habe ich mich schon am meinen mithelfenden Untersatz. Aber nun kommt der nächste Bewerber an die Reihe. Das Mobilitätskalender ist ausgefüllt, mein Kreuzchen zu der Aussage „Ich kann mir vorstellen, auch zukünftig mit einem Pedelec zur Arbeit zu fahren.“ landet bei „ja“.

Mobilitätskalender

Die einzige Bedingung, die für die Teilnehme am Projekt „PendlerInnen auf‘s Pedelec“ gestellt wird, ist das Führen eines Mobilitätskalenders. Jeden Tag notiere ich gewissenhaft die km, die mit dem Pedelec, einem normalen Fahrrad, zu Fuß, mit dem ÖPNV und dem Auto zurückgelegt wurden. Ich versuche im Testzeitraum möglichst wenig Auto zu fahren und lieber das Pedelec einzusetzen. Bei den meisten PKW-Fahrten ist eine oder mehrere Personen (Kinder) an Bord, teilweise auch mit viel Gepäck. Diese Transport- oder auch Mama-Taxi-Fahrten finde ich zuweilen recht nervig. Aber wer im ländlichen Bereich wohnt, kommt leider nicht ganz drum herum. Ein Lastenrad steht mir zur Zeit leider nicht zur Verfügung. Und dann muss man immer noch die Beifahrer motivieren, sich ebenfalls aufs Rad zu schwingen. Das kann je nach Persönlichkeit schwierig sein…

Am Ende sind es 401 km mit dem Pedelec, 28 km mit dem Rennrad und 53 km zu Fuß (inkl. Joggingeinheiten). Der ÖPNV kommt auf 220 km und das Auto auf 666 km. Da war allerdings auch eine Ferntour mit knapp 230 km dabei.

Ich fühle mich fit genug, um auch ohne Unterstützung Rad zufahren. Trotzdem finde ich so ein Pedelec toll. Die Überwindung des inneren Schweinehundes fällt damit gleich viel leichter. Mein Traumrad ist allerdings ein Lastenrad mit Elektrounterstützung. Zum Lastentransport ergibt das wirklich Sinn. Anderen Mitmenschen kann damit auch der Umstieg auf ein nachhaltigeres Transportmittel schmackhaft gemacht werden. Leider gibt es hier draußen noch kein Lastenradsharing oder ein „freies Lastenrad“. Eine sinnvolle Ergänzung, die der Verbesserung der ländlichen Mobilität dient!

Foto: marcus schm!dt

Das Rad habe ich im Rahmen der Aktion „Pendler auf‘s Pedelec“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Monat lang gefahren. Mehr darüber ist hier nachzulesen.

Tarmstedter eCarsharing Initiative beschleunigt ins digitale Zeitalter

Elektromobilität? Mobilitätswandel auf dem platten Land? Dafür braucht man ein paar Verrückte vor Ort, die das unterstützen und beharrlich sind. Leute, die sich diese Themen zu einer Art Lebensaufgabe gemacht haben. Gut, dass es in einer Gemeinde wie Tarmstedt solche Menschen gibt! Schon seit 2015 betreiben Sie ein eCarsharing auf privater Basis. Alles allein stemmen zu müssen; die Wartung und Abrechnung der Fahrten, immer telefonisch erreichbar zu sein, dass macht man nur, wenn es sich wirklich um eine Herzensangelegenheit handelt.

Eine Mobilitätsstudie, die in Zusammenarbeit der Samtgemeinde Tarmstedt und dem Regionalmanagement entstand, zeigte den Willen der Bevölkerung: Die Nutzung soll niedrigschwellig angelegt sein, dass heißt so einfach wie möglich. Ein Onlinebuchungsprogramm, dass auch automatisch abrechnen kann, wäre die Lösung! Leider außerhalb der finanziellen Möglichkeiten unserer Protagonisten, selbst wenn man weitere Mitstreiter für einen Mobilitätsverein findet.

Da passt es wunderbar, dass es unter dem Dach des VW-Konzernes eine Carsharingsparte gibt, die zwar Greenwheels heißt, aber bislang nur Wagen mit Verbrennungsmotor vermietet. Carsharing im ländlichen Raum ist ebenso wie Carsharing mit Elektroautos Neuland für die Profis und deshalb höchst interessant. Und so wird die eher kleine Samtgemeinde Tarmstedt zum Pilotprojekt für ein Unternehmen, dass bundesweit sowie in den Niederlanden agiert. Darauf kann man mit Recht stolz sein! Zwei Jahre lang währt die Testphase, eine Zeit voller Erwartungen.

Mit dem Tarmstedter eCarsharing gibt es weiterhin die Möglichkeit, sich ehrenamtlich z. B. zu Arztbesuchen fahren zu lassen. Diese Nutzer brauchen sich natürlich nicht extra registrieren zu lassen, in einigen Fällen gibt es nicht einmal einen Führerschein. Auch diese nachbarschaftliche Komponente gefällt den Verantwortlichen bei Greenwheels und so gibt es dafür eine Sonderlösung.

Das Dorf Rhade steht ebenfalls in den Startlöchern für ein eCarsharingangebot, allein die Lademöglichkeit fehlt noch. Und auch der Dienstwagen der Samtgemeinde wird bald an den Wochenenden nicht mehr nutzlos herumstehen, sondern den Fahrzeugpool ergänzen. Weitere Ideen wie Lastenradsharing, ein Ringschluss von Mitfahrbänken und Verzahnung von Bürgerbusangeboten stehen auf der Agenda. Zur Zeit noch Utopie ist das autonome Fahren, aber wer weiss schon, was in einigen Jahren Normalität sein wird…

Um ein Fahrzeug auszuleihen, muss man sich einmalig registrieren. Die Einholung einer Schufa gehört selbstverständlich dazu. Nach dem Einscannen und Übermitteln der Vertragsunterlagen und des Führerscheines erfolgt noch ein sogenannter Ident-Check per Webcam. Das gefällt mir persönlich nicht so gut, da ich mich bei fremden Zugriff auf meine Hardware unwohl fühle. Ich favorisiere eher das Post-Ident-Verfahren, bei dem man persönlich in eine Filiale gehen kann. Nach wenigen Tagen erhält man die Kundenkarte per Post, mit der sich alle Greenwheels-Wagen öffnen lassen.

Ein paar Fakten:

Greenwheels bietet je nach Nutzungsverhalten verschiedene Tarifoptionen. Es stehen in der Samtgemeinde Tarmstedt z.Zt. sechs eGolfs zur Vergabe. Die Standorte sind: Tarmstedt, Wilstedt, Bülstedt, Vorwerk und Buchholz. Bei Rückgabe sind die Fahrzeuge an die Ladestation anzuschließen, damit auch der nächste Nutzer volles Fahrvergnügen hat. Zum Laden unterwegs ist eine Ladekarte an Bord, die Nutzung ist im Mietpreis inbegriffen. Die durchschnittliche Fahrleistung einer Carsharing-Ausleihe liegt laut Greenwheels bei 55 km; die ein eGolf mit seiner realistischen Reichweite von 200 km locker abdeckt. Dem registrierten Kunden stehen nicht nur die Wagen in der Samtgemeinde zur Verfügung, sondern der komplette Fuhrpark von Greenwheels, z.B. in Städten wie Hamburg oder Berlin.

Wie alles ganz genau funktioniert, erfahren alle Interessierten am 29.08.2018 um 19 Uhr im Tarmstedter Rathaus. Auch hochsommerliche Hitze ist kein Grund, den Termin zu versäumen, der neue Ratssaal ist hervorragend klimatisiert!

Auf dem Bild oben freuen sich (von rechts nach links): Traugott Riedesel, Günther Nase, Jochen Franke, Ulrich Kaschner, Wolf Warncke, Frank Holle und Marcel Bonse.

Bild unten: Moderner „Sesam-öffne-Dich“, über den das Auto mittels Karte oder App aufgeschlossen wird. – Fotos: Christiane Seeger

Radfahren sollte kein Nachteil mehr sein #Gastbeitrag

Der Klimawandel sorgt seit Jahren für ein langsames aber stetiges Umdenken in der Gesellschaft. Nicht ohne Grund befindet sich auch das Fahrrad mittlerweile in seinem zweiten Frühling. Nachdem es lange im Gartenhaus verstaubt gelagert wurde finden deutsche Radfahrer wieder häufiger Gefallen am Drahtesel. Und dies nicht ohne Grund. Zwar gibt es in Deutschland noch immer einige Hindernisse für Menschen, die nur das Fahrrad zur Mobilität nutzen möchten, jedoch zeigen neue Entwicklungen in Großstädten, dass das Fahrrad bald wieder einen deutlich höheren Stellenwert einnehmen wird.

Die Entwicklung der Radfahrer in Deutschland

Eine konstante Entwicklung in eine Richtung gibt es bei dem Radfahrern in Deutschland nicht mehr. Gerade, nachdem es Deutschland nach dem zweiten Weltkrieg wieder besser ging, wussten die Menschen das Auto eher zu schätzen. Die Bequemlichkeit wurde mit der Zeit höher, sodass das Fahrrad eher ein schlechtes Image erhielt. Nur arme Leute fahren Fahrrad, die reichen fahren mit dem Auto. So war es einmal. Seither hat sich besonders in den letzten Jahren viel geändert. Der Klimawandel zwingt die gesamte Mobilitätsindustrie zum Umdenken.

Seither sind wieder deutlich mehr Radfahrer auf den deutschen Straßen zu finden. Alltagstauglich sind mittlerweile auch andere Arten von Fahrrädern. Es nutzen beispielsweise viele Menschen die Möglichkeit mit dem Faltrad zur Arbeit zu fahren, um es dort platzsparend bis zum Feierabend unterzustellen. Insgesamt besitzen mittlerweile wieder 81,4 % der deutschen Haushalte mindestens ein Fahrrad. 38 % der Deutschen nutzen das Rad täglich oder gar mehrmals in der Woche. Und der durchschnittliche Radfahrer legt pro Woche 30 Kilometer zurück. Mit diesen Zahlen wird die eigentliche Macht der Radfahrer deutlich (Quelle: ilovecycling). Bisher ist es ihnen allerdings nicht gelungen diese umsetzen.

Die Probleme als Radfahrer im Straßenverkehr

Leider gibt es noch immer einige Hindernisse, die dafür sorgen, dass es nicht immer ganz so bequem ist das Rad im Alltag zu nutzen. Eine Studie zum Thema fahrradfreundliche Städte vom ADFC besagt, dass besonders in Großstädten mit mehr als 200.000 Einwohnern nicht besonders viel für die Nutzer der Zweiräder getan wird und die Zufriedenheit mehr als miserabel ist! (Quelle: Fahrradklima Test)

Doch auch in der Gesellschaft gibt es leider noch ein paar Dinge, die verhindern, dass das Fahrrad einen größeren Stellenwert einnimmt. Eines hiervon sind die Autofahrer selbst. Häufig ist es auch heute noch der Fall, dass Radfahrer eher als störende Verkehrsteilnehmer angesehen werden. Dies liegt aber nicht immer an den Radfahrern selbst, sondern häufig an fehlenden Alternativen. Genau aus diesem Grund ist es so wichtig, dass neue Radwege entstehen. Dies würde zumindest für ein deutlich entspannteres Verhältnis zwischen Auto- und Radfahrern führen.

Vorteile durch das Fahren mit dem Fahrrad

Um mal etwas genauer aufzuzeigen, welche Vorteile das Radfahren tatsächlich hat, gibt es hier etwas Nachhilfe, für diejenigen, die das Fahrrad noch immer sehr negativ betrachten.

Einer der größten Vorteile ist sicherlich, dass jeder mit dem Fahrrad als Verkehrsmittel dazu beitragen kann, dass unsere Natur geschont wird und noch lange so bleibt wie sie ist. Auch die eigene Gesundheit wird durch das Radfahren selbstredend gefördert. Wer Sport macht, der bleibt länger fit. In Großstädten ist der Weg zur Arbeit häufig zudem nicht nur schneller, da nervige Staus im Berufsverkehr umgangen werden können, sondern auch kostengünstiger. Selbst für öffentliche Verkehrsmittel fallen mitunter hohe Beträge an.

Appell zum Umdenken

Ein absoluter Vorreiter im Punkto Umdenken ist die Hauptstadt Berlin. Bis zum Jahr 2020 sollen hier 60 neue Radwege entstehen. Bis 2025 möchte die Stadt zudem für 100.000 neue Stellplätze für das Fahrrad sorgen (Quelle: Der Standard)

Am Ende noch ein wichtiger Appell an die gesamte Gesellschaft. Das Fahrrad sollte aus diversen Gründen nicht mehr als lästiges und anstrengendes Verkehrsmittel im Alltag gesehen werden. Die Zahl und somit auch die Macht der Radfahrer muss endlich genutzt werden, um vielen Menschen bewusst zu machen, wie wichtig das Fahrrad für Umwelt und Gesundheit ist. Gerade unsere Natur ist mehr als schützenswert, daher sollte jeder für sich selbst einmal darüber nachdenken, ob bestimmte Wege nicht mal auf dem Fahrrad, statt mit dem Auto, zurückgelegt werden können.

© Philipp Waczek, fahrradtraeger-anhaengerkupplung-tests.de

Foto: Straßenschild in Baden-Baden // marcus schm!dt, hamburg

Vielen Dank, Philipp, für Deinen Gastbeitrag!

Nimmt mich wer mit…?


Mobilität auf dem Lande hat viele Facetten. Einige habe ich in diesem Blog schon aufgezeigt. So eine Mitfahrerbank ist ein wirklich niedrigschwelliges Angebot zur nachhaltigen Mobilität. Eine Bank an der Straße, dazu ein Schild mit dem gewünschten Zielort. Sich hinsetzen und auf einen freundlichen Fahrer warten, mehr braucht es nicht. Über pauschale Voreingenommenheit (nach dem Motto „Wer hat schon Lust zwei Stunden zu warten, bis jemand anhält…“) ärgere ich mich immer sehr. Wie bei allem im Leben sollte doch vor dem Urteil der Selbsttest stehen!

Also wird aus der Radheldin eine Mitfahrheldin. Wenn schon, dann richtig: Auf zur ersten Station!

Tarmstedt – Wilstedt  

Schild mit dem Fahrziel suchen, hinsetzen und versuchen freundlich und harmlos auszusehen. Noch bevor ich ein Selfie machen kann, hält ein Auto! Nicht das erste, aber das vierte oder fünfte. Ich sitze knapp 2 min wartend da! Die Fahrerin hat vorher auch noch nie jemanden mitgenommen. Als sie mich sieht, denkt sie sich „eine Frau kann man ja mal mitnehmen“ und hat das gleich in die Tat umgesetzt. Toll!

Wilstedt in Richtung Quelkhorn

Etwas ungünstige Voraussetzungen: Neben der Straße ist ein Parkstreifen, auf dem ein VW-Bus steht. Dadurch fällt der Blick der Autofahrer erst im letzten Moment auf die Mitfahrerbank. Zu mir gesellt sich nach kurzer Zeit ein Bewohner des Pflegeheims, der dort eine Portion Süßigkeiten futtert. Auch das Buswartehäuschen wird als Raucherecke genutzt. Woran es auch gelegen haben mag – schlechte Sicht, zwei Leute auf der Bank, bei denen man den Mobilitätswunsch nicht erkennen kann oder die Unwilligkeit zwei Personen zu befördern – jedenfalls hält niemand an. Nach 15 min habe ich keine Lust mehr und gehe zur Bank auf die andere Straßenseite.

Wilstedt in Richtung Tarmstedt 

Ganz anders hier – nach 3 min hält ein Auto, dessen Fahrerin durchaus bereit ist, Menschen mitzunehmen, sofern genügend Platz im Wagen ist. Hier in Wilstedt habe ich auch einen kurzen Schnack mit einer Seniorin, welche die Mitfahrerbank auch gerne ausprobieren möchte, sich bisher aber noch nicht getraut hat. Selbstständig nach Tarmstedt zu kommen und nicht auf andere angewiesen zu sein, wäre ihr schon wichtig.

Ein Ringschluss fehlt

Leider sind noch nicht alle Ortschaften der Samtgemeinde mit Bänken ausgerüstet. Die Außendörfer, die nicht an der Busverbindung 630 (Zeven – Bremen) liegen, sind klar benachteiligt. Eine Mitfahrgelegenheit zum Bus, bzw. in das „Oberzentrum“ Tarmstedt mit seinen vielen Geschäften ist sicher hilfreich. Leider gibt es keine Verbindung in die angrenzenden Gemeinden. Das Mobilitätsbedürfnis geht über die Grenzen der (Samt)Gemeinde hinaus. Hier können die Kommunen mehr zusammenarbeiten. Auf die beiden für Grasberg Süd angekündigten Bänke warte ich noch. Sie sind geplant für Huxfeld in Richtung Wilstedt und Grasdorf in Richtung Lilienthal. Hier kann man sich mit einer Spende beteiligen.

 

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Hanebüchene Argumente

Kann so eine Mitfahrbank ein funktionierendes ÖPNV-Angebot schädigen? Weil sich keiner mehr einen Fahrschein kauft und sich die Mitfahrwilligen auf der Bank stapeln?! Abgesehen von der Unsinnigkeit dieser Annahme steht sie auch völlig konträr dazu, dass man ja soooo lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten müsse… Die Gemeinde möchte nicht haftbar gemacht werden können, falls etwas Schlimmes passieren sollte. Ein wenig Eigenverantwortung kann man seinen Mitbürgern schon zutrauen. Im Falle eines Unfalls ist der Mitfahrer über die Haftpflichtversicherung versichert. Genauso wie ein Tramper, der im Auto mitfährt. Ansonsten kennt man sich üblicherweise auf den Dörfern. Und dann guckt man halt, bei wem man einsteigt / wen man mitnimmt, oder wen nicht. Es besteht ja schließlich kein Zwang dazu!

Wer vielleicht noch nie in seinem Leben Probleme mit der Einschränkung seiner Mobilität hatte, hat eventuell Schwierigkeiten, sich in Personen ohne Auto hineinzuversetzen. Wir wollen nicht, dass ältere Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen Kraftfahrzeuge steuern, da sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährden. Aber wie kommen diese Menschen jetzt zum Einkaufen, Terminen bei Ärzten oder nehmen am kulturellen Leben teil? Genauso möchte man weniger Autos auf den Straßen, aber den Umsteigewilligen wird keine vernünftige Alternative (mehr ÖPNV, bessere Radinfrastruktur) geboten. So eine Mitfahrbank ist nicht teuer. Billiger als jedes Bürgerbusangebot jedenfalls. Falls sie sich nicht bewähren sollte, kann sie ganz einfach zu einer normalen „Ausruhbank“ umfunktioniert werden.

Digitales Upgrade

Neulich habe ich über ein Projekt mit dem Namen fairfahrt berichtet, welches das Prinzip der Mitfahrbank mittels Technik in die digitale Neuzeit transferiert. Am Standort der Bank ist ein Terminal, auf dem die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit eingegeben wird. Auf einem Schild wird das Fahrziel zusammen mit einem Lichtsignal angezeigt. Personen, die andere mitnehmen wollen, können sich eine App installieren. Sie bekommen auf dieser App den Fahrtwunsch angezeigt. Wenn man das gleiche Ziel hat und nicht zeitgebunden ist, kann man dann losfahren und gleichzeitig jemanden mitnehmen. Sicherheitsbedürfnisse werden über die Registrierung der Fahrer abgedeckt. Diese technische Lösung ist allerdings etwas teurer als die „analoge“ Bank.

Fazit

Die Mitfahrerbank ist eine sinnvolle Ergänzung überall dort, wo es wenig bis keinen ÖPNV gibt. Zugleich hat sie eine soziale Komponente: Man fährt nicht mehr mit Scheuklappen durch die Gegend, sondern fängt an seine Mitmenschen wahrzunehmen.

Von kleinen Dörfern und vom großen Ganzen 

Ich bin meinen lieben Bloglesern ja noch einen Bericht über den Werkstatttag in Jesberg schuldig. Aber die letzte Woche war irgendwie Dauer-Rushhour und das ich meinen Kopf nicht mittels ausgedehnten Radfahrten frei bekommen konnte, hat sich auch bemerkbar gemacht. 

Aber nu‘: Toll war es, sehr interessant und inspirierend! Viele verschiedene Initiativen und Projekte waren dabei. Nette Gespräche natürlich auch.

Menschen mit Visionen

Da wären…

VoJes – „Vorfahrt für Jesberg e.V. „, die mich zu diesem Tag eingeladen hatten. In diesem Dorf wurde echt schon viel auf die Beine gestellt. Das ist auch bitter nötig, denn mit dem ÖPNV sieht es traurig aus, wie ich selbst erleben konnte. Es gibt zum einen ein Carsharing-Angebot, aber auch Bikesharing mit Pedelecs und e-Cargobikes, dazu noch Mitfahrbänke. Die e-Lastenräder können ganz normal ausgeliehen werden. Möglich ist auch ein Bringservice in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Einkaufsmarkt. Laub oder Grasschnitt wird über den Abholservice zum Bauhof gefahren. Mit diesen Fahrten wird ein Geflüchteter ins Dorfleben integriert. Viele verschiedene Institutionen und Personen haben sich hier vernetzt, um ein gemeinschaftliches Projekt auf die Beine zu stellen. Der Vorsitzende des Vereines, Michael Schramek, ist vom Fach und kümmert sich auch hauptberuflich um Mobilitätsberatung.

Durch das Carsharing in Schönstadt konnten in dem 1.600 Seelen-Ort immerhin ein Erst- und fünf Zweitwagen eingespart werden. Eine schöne Bilanz finde ich, dass gibt Hoffnung! Das Bio-Energiedorf hat von Anfang an ganz auf Elektromobilität gesetzt. Das hessische Pendant zur eCarsharing Tarmstedt. 😉 Um die Partygänger anzusprechen, haben sie sich einen vergünstigten Nachttarif ausgedacht. Fragt sich nur, wie es allgemein dort mit dem Nachtleben ausschaut. Der Ansatz ist schon mal gut.

Die Altenhilfe Treysa hat das Carsharing quasi als neues Sparte entdeckt und bietet damit Fahrten zu Arztterminen oder ermöglicht auch mal einen Stadtbummel. Junge Leute können den Siebensitzer selbstverständlich auch ausleihen. 

Das Carsharing Rauschenberg ist kein Verein engagierter Bürger, sondern eine Kooperation zwischen der Stadt und einem örtlichen Autohändler. Der Fahrzeugpool besteht aus zwei Elektroautos.

Der Verein Elektromobilität in Hessen hat sich der Förderung ebendieser verschrieben. Das Carsharing Konzept spricht hauptsächlich Touristen an, mit extra ausgearbeiteten Touren entlang der Märchenstraße.

Das Projekt fairfahrt hat sich dem Prinzip der Mitfahrbänke angenommen und versucht eventuelle Problematiken (Sicherheit, Verbesserung des Informationsflusses) mittels einer App und einem Terminal an der Bank zu lösen. Zusätzlich sollen die Benutzer Fahrten suchen und anbieten können.

Sehr ansprechend ist auch die Vorstellung des Projektes der Stadt Homberg. Sowohl die Performance des Bürgermeisters, dessen Begeisterung die Leute förmlich mitzieht, als auch das Projekt an sich. Die Stadtverwaltung, die des gesamten Landkreises sowie die Sparkasse tun sich zusammen, um den großen Fahrzeugpool besser zu nutzen. Die Wagen sollen nach Dienstschluss und am Wochenende zum Carsharing zur Verfügung stehen. Eine Grundauslastung ist durch die dienstliche Nutzung gegeben. Alles weitere kommt praktisch als i-Tüpfelchen obendrauf, die Verringerung der Autos in der historischen Altstadt inklusive. Entschlossenheit und Offenheit für neue Ideen sind so wichtig! Leider gibt es oft genug Hemmnisse durch die Bürokratie. Hier ist ein Bürgermeister die treibende Kraft zum Wohl seiner Stadt und der dort lebenden Menschen. 

Wir alle können einen Teil dazu beitragen, um unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Lebenswert für unsere Kinder. Denn in deren Zukunft wird unsere Welt nicht mehr die sein, die wir kennen. Jeder kann beitragen und die Welt retten. Nur ein klein wenig. Jeden Tag. So werden viele kleine Stückchen ein großes Ganzes.

Foto: Dieses Lastenrad musste ich natürlich testen! Es handelt sich um ein i:SY, was ich auch schon mal im Test hatte. Der Anhänger erweitert das Ladevolumen noch mal gewaltig!

Wie fährt die Zukunft?


Ich wollt nen Flitzer, du Caravan
Jetzt fahren wir Bahn […]
Denn das Geheimnis unseres Glücks
Sind keine Kniffe, keine Tricks
Man muss halt nur zu leben wissen
Mit Kompromissen
Vollkommenes Glück hält ewig an
Nur wenn man drauf verzichten kann
Man muss halt nur zu leben wissen
Mit Kompromissen

(Roger Cicero – Kompromiss)

Genauso wie in diesem Songtexte verhält es sich auch im richtigen Leben. Die perfekte Lösung gibt es meistens nicht, es bleibt ein Mittelweg oder die Wahl des geringeren Übels. Auch in der Frage der Mobilität!

Diesel oder Benziner, Elektroauto, Fahrrad, ÖPNV, Carsharing, Mitfahren oder per Pedes – die Möglichkeiten sind so vielfältig… Das Wichtigste ist erst einmal, dass man sich überhaupt Gedanken zu dem Thema macht! Und nicht etwas so macht, weil man es eben immer so gemacht hat. 

Diesel produzieren weniger schädliches CO2 als Benziner, aber dafür mehr Stickoxide. Bei der Herstellung von Elektroautos bzw. deren Batterien werden viele Ressourcen benötigt und um umweltfreundlich zu fahren, müssen sie mit Strom geladen werden, der aus erneuerbaren Energiequellen stammt (SZ – Wie umweltfreundlich sind Diesel-Alternativen, ZEIT – Wenn möglich, bitte wenden). Die Anzahl der Autos und damit verbunden der Platz, den sie benötigen, ist ein großes Problem. In den Städten mehr als in ländlichen Gebieten. In den Städten ist meist ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz vorhanden. Die Entfernungen, die überwunden werden müssen, lassen sich auch gut mit dem Rad fahren. Im Winter oder bei schlechtem Wetter tut man es nur meistens nicht gern.

Auf dem Land pendeln viele Menschen in die Städte zu ihrem Arbeitsplatz. Die meisten nutzen dafür ein Auto. Der ÖPNV wäre oft mehr als ausbaufähig. Die Überlegung für den Arbeitsweg ein Pedelec zu nutzen, habe ich gerade im Bekanntenkreis gehört. Fahrgemeinschaften zu bilden finde ich auch eine prima Idee. Kostengünstiger ist das allemal! Wenn man niemanden kennt, hilft eventuell eine Anfrage in einer Facebook-Ortsgruppe. Es gibt bereits Mitfahr-Apps oder Portale, aber dort finden sich meist Angebote / Gesuche für einmalige längere Strecken. Eventuell wird eine Mitfahr-App in meiner Nachbargemeinde Tarmstedt aufgebaut, das war jedenfalls das Ergebnis der dort durchgeführten Mobilitätsstudie

Fast alle Leute nutzen ihr Auto nur für wenige Stunden am Tag. Da ist doch die ökonomisch beste Lösung, es mit anderen zu teilen. Mit Carsharing beispielsweise. Wenn ein Carsharingwagen fünf Autos ersetzt, kann viel eingespart werden. Platz + Kapitaleinsatz + Ressourcen bei der Herstellung + Emissionen. Wenn ein Elektroauto geteilt wird, ist die Herstellung im Endeffekt umweltschonender, als diejenige von mehreren Wagen mit Verbrennungsmotor. Die Klimaziele sind mit weniger Kfz auf den Straßen leichter zu erreichen. Die Diesel-Stinker, die dann noch unterwegs sind, verursachen zwar immer noch schädliche Abgase, aber der Gesamtausstoß ist niedriger als bisher!

Ich denke schon, das die Zukunft elektrisch fährt. Aber eben nicht als Individualverkehr, d.h. jedem sein eigenes Auto wie bisher! Es gilt die vielen Mobilitätsmöglichkeiten intelligent miteinander zu vernetzen. Und nach dem Motto „weniger ist mehr“ zu verfahren. Außer bei den erneuerbaren Energiequellen. Da müssen die veralteten Netzleitungen erneuert und überhaupt besser ausgebaut werden, damit wir mehr Wind- und Sonnenenergie nutzen können. Dafür könnten die Batterien der Elektroautos sogar als Zwischenspeicher dienen (Lesetipp: Claudia Kemfert – Kampf um Strom). 

Das Buch auf dem Foto ist ganz neu in meinem Bücherschrank (und selbst gekauft!). Ich habe es noch nicht gelesen, aber hier ist schon mal ein kleiner Ausblick. 

#Dieselgipfel


Was da beim Dieselgipfel gelaufen ist, ist wirklich ein Grund zum Fremdschämen! Realsatire ist auch ein passendes Wort dafür! Einige Tage vorher habe ich gelesen „…die Kanzlerin wird wieder die Raute machen, sonst nichts“…  Nee, schlimmer noch – der Betrug und die Vergiftung der Bevölkerung sind noch nicht mal eine Urlaubsunterbrechung wert!!! Viele hauptberuflich schreibende Menschen haben sehr gute Kommentare dazu abgegeben; stilistisch weitaus besser, als ich es könnte. Hier ein paar wirklich lesenswerte Artikel: ZEIT, Spiegel, Süddeutsche ZeitungMeedia, taz

Wie nur soll es weitergehen? Menschen brauchen eine Mobilität, um ihren Arbeitsplatz zu erreichen. Wir wohnen heutzutage meist nicht in fußläufiger Entfernung. Über’s Pendeln kommt hier im Blog demnächst auch noch etwas. Einkaufen ist das nächste Problem. Wer in ländlichen Gegenden lebt, hat oftmals keinen Tante-Emma-Laden in der Nähe, sondern nur die Discounter am Rand der nächstgrößeren Gemeinde. 

Und: jeder ist daran gewöhnt, zu jeder Zeit ganz bequem und schnell überall hin zu kommen! Den Preis dafür zahlen nicht WIR sofort, aber unsere Kinder werden es schon zu spüren bekommen. Es muss sich etwas ändern, diese Einsicht ist oft schon da. Aber bitte nicht bei einem selber und auch nicht sofort. Später, ja wenn… 

Das alle Dieselfahrer jetzt auf ein Elektroauto umsteigen, geht zum Einen erst einmal nicht und wäre auch nicht sinnvoll! Die Anzahl aller Autos, besonders in den Städten muss reduziert werden, damit es für die Bevölkerung wieder ein Raum wird, in dem man gerne lebt! Die übrigen Autos dürfen nur möglich wenig gesundheitsschädliche Emissionen ausstoßen. Um sie wirtschaftlich zu nutzen, ist die Auslastung zu erhöhen. Der Preis, den wir für das Automobil zahlen, steht oft in keinem Verhältnis zu seiner Nutzung! Und damit meine ich jetzt nicht nur die Anschaffung und die Fixkosten. Sondern auch den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung, die dadurch verursachten Krankheitskosten und den Raum, der nicht mehr für menschliche Nutzung zur Verfügung steht!

Wo es ihn gibt, ist der ÖPNV eine tolle Sache! Ihn zu nutzen ist wichtig, nur dann wird er weiter gestärkt und ausgebaut. Fahrräder und Pedelecs sind eine gute Ergänzung, vielleicht nicht immer und für jeden, aber es gibt genügend Gelegenheiten zur Nutzung! Am besten funktioniert es, wenn alles miteinander verbunden wird!

Damit sich wirklich etwas ändert, darf man sich nicht auf die Vorgaben von Politikern verlassen! Jede Revolution geht vom Volk aus. Jeder von uns kann ganz klein anfangen. Erst mal nur mit einem Tag in der Woche, an dem das Auto stehen bleibt. Nach oben hin gibt es keine Grenze! 

(Karikatur aus dem Weser-Kurier, gezeichnet von K. Stuttmann)

La musica e la mobilità


Sonntag, trotzdem aufstehen zu werktäglich früher Stunde, denn es ist RTF in Barrien, mit dem wohl weltbesten Butterkuchen… 😍 Beim Fahren werde ich durch das Schleifgeräusch meiner Kette stark irritiert, aber da keiner Kettenöl dabei hat, muss es ignoriert werden. Cosmic fährt neben mir, sie hat schon die ganze Zeit einen Ohrwurm, den sie nicht los wird. Um das nervige Geräusch zu übertönen, fängt sie dann an „I sing a Liad für di…“ zu singen. Prompt habe ich den Ohrwurm dann auch und stimme mit ein. Danach folgt eine Hymne auf unseren Didi „di di di di…“, welche ich mit „manamana dip di di didi“ kontere.

Da wir dabei singen können, sind wir wohl im Grundlagentempo unterwegs. Vorne im Wind oder bei zügigerem Tempo lässt bekanntlich der Drang zu Unterhaltungen und ähnlichem nach. Aber diese Fahrt ist eher geselliger Natur. Ich stelle mir dann vor, wie nett es wäre, wenn alle singen würden… Die singende Radgruppe fährt im Blockland. Fußgänger und langsame Radler würden uns kommen hören und Platz machen. 😂 😂😂 Solange es kein Liedgut á la „Ja mia san‘ mit’n Radl doa…“ ist, finde ich den Einfall immer noch sehr charmant!

Überhaupt ist Musik & Mobilität ein Thema für sich! Ich finde Bewegung und Rhythmus gehören zusammen. Nicht nur beim Radfahren. Eigentlich ist es ein und dieselbe Sache, nur in unterschiedlichen Dimensionen. Ich gebe zu, dass ich bei meinen Texten gerne auf Songs zurückgreife. Musik bezieht sich ganz stark auf Emotionen. Dazu gibt es auch oftmals sehr gute Texte. Mit bestimmten Musikstücken verbindet man auch über Jahre hinweg noch Situationen. Music was my first love and will be my last…

Musik & Mobilität – das muss doch noch mehr sein als „driving home for christmas“

Mobilität hat viele Facetten: Rad- und Autofahren oder zu Fuß unterwegs sein. Sogar dem ÖPNV ist ein Song gewidmet: „Deutsche Bahn“ von den Wise Guys. Zum Laufen eignet sich „run to the hills“ oder eben Tim Bendzkos „Ich laufe“. Wer erinnert sich nicht an „I’m walking“ aus der ARAL Reklame? Oder „oh lord, would you buy me a mercedes benz“ von der genialen Janis Joplin? „I’ll like to move it move it“ 😋

Gas geben bei freier (Auto-)bahn, dazu laute Musik aus den Boxen, „Ich geb Gas, ich will Spaß“, dass gehört für viele zum Autofahren einfach dazu. Elektromobilität hingegen ist fast pure Stille „Enjoy the Silence“. Da aber auch innen der Geräuschpegel wesentlich leiser als beim Verbrennungsmotor ist, ist nicht nur eine gute Unterhaltung auch mit Leuten auf der Rückbank möglich, sondern ebenso ungestörter Musikgenuss der höheren Qualität. In den Elektrobussen der Stadt Münster wurde sogar ein Musikvideo gedreht!

Musik hören beim Autofahren – na klar! Muss man nur aufpassen, dass sich die Dynamik nicht auf die Fahrweise überträgt. Im ÖPNV bitte nur mit Kopfhörern und so, dass kein „weißes Rauschen“ die Mitfahrer stört… Auf dem Rad sind Kopfhörer für mich ein absolutes NO GO! Viel zu gefährlich! Beim Laufen wiederum okay, nur sollte die Musik nicht so laut sein, dass man Fahrradgeklingel oder von hinten heranpreschende Autos nicht hören kann. Elektroautos sind allerdings so leise, die hört man fast gar nicht, auch ohne Musik auf dem Ohr. Da muss ich mich gerade als Radfahrerin, die an uneinsehbaren Ecken gerne nach Gehör fährt, erst noch dran gewöhnen…

Hier mal eine Rad-Playlist:

Queen – Bicycle Race

Über diese Hymne schreibt Madeleine Richter im Freitag: „Wie ließe sich die Liebe zum Rad besser ausdrücken als mit einem Lied? Das dachte sich wohl auch Freddy Mercury, als er 1978 den Pulk der Tour de France an seinem Hotel vorbeirauschen sah und sich davon zum Hit Bicycle Race inspirieren ließ. Der ultimative Ohrwurm transportiert neben der geradezu naiv kindlichen Freude am Radeln noch etliche Popmotive: Religion, Drogen, „Star Wars“, Frankenstein, der „Weiße Hai“ und Watergate. Man sagt, dass Bicycle Race damals zu einem völligen Ausverkauf von Fahrradklingeln in der Nähe aller Konzerthallen führte. Während des Songs ließen die Fans sie schrillen.“

Dota – Rennrad

Laing – Zeig deine Muskeln (okay, es ist Spinning 😝)

Kraftwerk – Tour de France

Die Prinzen – Mein Fahrrad

Katie Melua – Nine Million Bicycles

Geniale Songs zum Thema, die mir jetzt irgendwie entgangen sind, könnt Ihr gerne als Kommi drunterschreiben!

Das Dilemma mit dem Diesel

Gestern lief eine wirklich sehenswerte Reportage mit dem Namen „Das Märchen vom sauberen Auto“ im TV. Hier der Link zur Mediathek, wo der Film bis zum 27.04.2017 abspielbar ist. 

Wohl jeder Autofahrer kennt die Diskrepanz zwischen dem Verbrauch, der vom Hersteller angegeben wird und dem in der Realität. Man kann natürlich durch eine vorausschauende Fahrweise, Reduzierung des Ballastes im Kofferraum, dem richtigen Reifendruck etc. etwas Sprit sparen. Aber an die Angaben kommt man nicht dran, bei aller Liebe nicht! In dem Film wird auch ganz klar erklärt, warum nicht: Auf diesen Prüfstand kommt ein Auto, das gar nicht verkehrstauglich ist! Keine Seitenspiegel, Lüftungsschächte abgeklebt, kein Gepäck, kein Beifahrer, andere Reifen mit einem so geringen Rollwiderstand, das man damit wohl am nächsten Baum landen würde, Durchschnittstempo 33 km/h und und und. 

Um diesen Unterschied weiss aber irgendwie jeder. Was bislang (vor Dieselgate) eher unbekannt war, ist das es sich so realitätsfern auch mit den Abgasen verhält. Der Besitzer des hier getesteten Wagens, einer 3 Jahre alten B-Klasse, war ehrlich entsetzt und erschüttert. Er sagte abschließend, dass er nicht mehr ruhigen Gewissens mit seinem Wagen fahren mag.

Tja, und eben diese Gewissensfrage treibt mich auch umher. Der geneigte Blogleser weiß vermutlich, dass die Radheldin nicht nur mit Rad und ÖPNV unterwegs ist. Ich habe einen 13 Jahre alten Diesel, dessen Nutzung ich weitestgehend reduziert habe. Er steht weit mehr als die üblichen 23h am Tag. Meistens fahre ich nur morgens und nachmittags bis zur Endhaltestelle der Straßenbahn, bzw. wieder zurück. Dafür braucht man wirklich keinen Diesel! Das er dazu noch die Umwelt und Menschen mit tödlichen Stickoxiden belastet, ist umso schlimmer! Also ruhigen Gewissens kann ich den schon lange nicht mehr fahren, nur so ganz ohne Auto auf dem Lande ist schwierig. Die Carsharingfahrzeuge stehen für den täglichen Arbeitsweg zu weit weg bzw. auch noch in der verkehrten Richtung. 

Ich brauche also ein Fahrzeug für kurze Strecken. Da bin ich mit einem kleinen Benziner allemal besser bedient. Ein Elektroauto ist zwar ein Traumwagen, bleibt aber z. Zt. noch ein Traum. Wenn ich mir etwas Neues zulege, ist allerdings die Frage „wohin mit dem Diesel“? Zum Verschrotten ist er zu schade. Also werde ich ihn verkaufen. Das heißt aber auch, dass er weiterhin durch die Gegend fährt und die Umwelt verpestet! Eventuell wird er auch von jemanden gekauft, der viel mehr damit fährt, als ich es tue. Höchstwahrscheinlich sogar… Da habe ich zwar für meine Person ein reines Gewissen, aber irgendwie auch doch wieder nicht. Der einzige Trost könnte sein, dass damit ein noch älteres Fahrzeug stillgelegt wird.

Für Leute, die in der gleichen Lage wie ich sind, denen die Umwelt am Herzen liegt und die gerne auf Elektromobilität umsteigen wollen, es momentan aber noch nicht können, wäre eine Diesel-Abwrackprämie eine gute Lösung. Damit würden zügig viele Dieselfahrzeuge von der Straße kommen. 

Heerscharen von Pendlern


In meiner Tageszeitung, dem Weser-Kurier, war heute ein größerer Artikel über die Pendlerströme zu lesen. Unglaublich viele Menschen fahren jeden Tag in die Stadt (in Bremen sind es 129.000!) hinein – die meisten davon alleine in einem Auto! Da ist es doch kein Wunder, dass es weder vor noch zurück geht. Jede Person nimmt doch ungefähr 8 m2 Platz für sich in Anspruch und das ist noch knapp kalkuliert (Größe eines Golfs), da die meisten Autos viel größer sind! „Stadt-Geländewagen“, die auch für „einen Kampfeinsatz in Kabul“ geeignet wären, so Harald Welzer

Und ehrlich, vor diesen Ein-Mann-Panzern habe ich auf meinem Rad (völlig egal, ob es 7,5 oder 14kg wiegt – eine Knautschzone haben alle nicht) einfach Angst! Das aggressive Motorgeräusch und der Gestank geht mir auf die Nerven und an meine Gesundheit! Wenn wenigstens jedes Auto voll besetzt wäre – dann könnte man pro Wagen vier Stück einsparen und das Stauproblem würde doch wesentlich kleiner! Oder man kombiniert wenigstens seine individuelle Mobilität mit der des ÖPNV… Also mit den PKW vom Dorf / Wohnort bis zur nächsten Haltestelle und von da aus zur Arbeit. Spart Sprit, schont die Umwelt und ich finde man kommt wesentlich entspannter an, als wenn man im Stau stehen muss. 

Ich sehe ein eigenes Auto als nicht so vorrangig an. Eigentlich möchte ich doch nur von A nach B kommen; günstig, möglichst schnell und ohne Stress! Wenn die Busanbindung in kleinen abgelegenen Dörfern so schlecht ist, das man die Strecke auch bequem in der Zeit zu Fuß bewältigen könnte, läuft was verkehrt! Aber wenn keiner mehr den ÖPNV nutzt, dann wird das Netz immer weiter ausgedünnt, so das schlussendlich nur noch der Schulbus fährt 😦 Und das kann doch wohl in niemandes Sinne sein?!
Immer mehr und immer breitere Straßen zu bauen, ist doch auch keine Lösung. Wo sollen die hin? Das kann nur zu Lasten von Wohnraum und den eventuell vorhandenen Grünstreifen gehen. Dann ist bald nur noch Platz für Autos da und nicht für Menschen! Lange würde der Effekt wohl auch nicht halten, da die Autos dann noch größer gebaut werden (ist ja Platz genug da…). 

André Fesser hat den alltäglichen Pendlerstau kommentiert. „Wer zumindest ab und zu mal umsattelt, trägt zur Problemlösung bei. Und vermeidet den Stau.“ Recht hat er!