The first, the last…

„“

Die erste Gruppenfahrt habe ich mitgemacht, heute wird es für die 2017er Saison wohl die letzte gewesen sein. Dazwischen war ich nicht oft dabei. Schlechtes Wetter und Arbeit haben die Fahrmöglichkeiten dezimiert, Lauftraining oder bereits verabredet sein auch. Und wenn es doch ging, bin ich oft direkt hier auf die Piste. Umso schöner, dass heute alles perfekt war. Ein goldener Oktobertag, wie man nicht schöner wünschen kann! Eine schöne Runde, in heimatliche Gefilde mit dem Ummel und einem Schlenker über Bockel und Mulmshorn. Schön, mal wieder mit Leuten zu quatschen, die man lange nicht gesehen hat. Die Ersten planen bereits ihre Termine für 2018. 

Planung?!

Momentan habe ich noch keine rechte Meinung dazu. Gut, es gibt schon Dinge, die ich gerne machen möchte. Der Köhlbrandtbrückenlauf ist einer davon. Sinnigerweise ist er am gleichen Termin, wie das zweite Münsteraner Lastenradrennen. Ungeclont muss ich mich wohl für eines entscheiden.😟Wenn schon Lastenräder, dann hoffe ich, dass es auch in Bremen ein Rennen geben wird. Einige kleinere Läufe – Wilstedt, SottrumKatzenöhrchenlauf – sind auf jeden Fall geplant. Aber da gibt es auch keinen Stress mit ausgebuchten Startplätzen etc. Was die Radtermine angeht – mmmh, mal sehen. In Nortorf war ich schon 2016 und 2017 dabei. Ohne größeren Aufwand mit Anreise etc. macht Radfahren auch Spaß. Und darum sollte es doch hauptsächlich gehen. Die Superrennfahrerin werde ich in diesem Leben sowieso nicht mehr.

Kilometerfressen ist nicht alles

8.000 km Frau, das war einmal. 5.500 sind es jetzt, vielleicht komme ich noch auf 6.000. Notfalls muss halt die Festive 500 her. Ohne Tacho am Rad zu fahren hat so etwas befreiendes. Und das Smartphone lasse ich bei Alltagsfahrten schon lange nicht mehr mitlaufen, um den Akku zu schonen. Wenn ich Schätzungen abgebe, orientiere ich mich eher am unteren Ende. Lieber tiefstapeln, als zu hoch. Das ist nur peinlich!

Da wir Wilstedt auf der Runde nur gestreift haben, gab es für mich auf dem Heimweg noch einen kleinen Abstecher mit zwei Kugeln Kaf-Ca. Das gehört an so einem Tag einfach dazu! 🍦
(Foto: Olaf Hess)

Nimmt mich wer mit…?

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Mobilität auf dem Lande hat viele Facetten. Einige habe ich in diesem Blog schon aufgezeigt. So eine Mitfahrerbank ist ein wirklich niedrigschwelliges Angebot zur nachhaltigen Mobilität. Eine Bank an der Straße, dazu ein Schild mit dem gewünschten Zielort. Sich hinsetzen und auf einen freundlichen Fahrer warten, mehr braucht es nicht. Über pauschale Voreingenommenheit (nach dem Motto „Wer hat schon Lust zwei Stunden zu warten, bis jemand anhält…“) ärgere ich mich immer sehr. Wie bei allem im Leben sollte doch vor dem Urteil der Selbsttest stehen!

Also wird aus der Radheldin eine Mitfahrheldin. Wenn schon, dann richtig: Auf zur ersten Station!

Tarmstedt – Wilstedt  

Schild mit dem Fahrziel suchen, hinsetzen und versuchen freundlich und harmlos auszusehen. Noch bevor ich ein Selfie machen kann, hält ein Auto! Nicht das erste, aber das vierte oder fünfte. Ich sitze knapp 2 min wartend da! Die Fahrerin hat vorher auch noch nie jemanden mitgenommen. Als sie mich sieht, denkt sie sich „eine Frau kann man ja mal mitnehmen“ und hat das gleich in die Tat umgesetzt. Toll!

Wilstedt in Richtung Quelkhorn

Etwas ungünstige Voraussetzungen: Neben der Straße ist ein Parkstreifen, auf dem ein VW-Bus steht. Dadurch fällt der Blick der Autofahrer erst im letzten Moment auf die Mitfahrerbank. Zu mir gesellt sich nach kurzer Zeit ein Bewohner des Pflegeheims, der dort eine Portion Süßigkeiten futtert. Auch das Buswartehäuschen wird als Raucherecke genutzt. Woran es auch gelegen haben mag – schlechte Sicht, zwei Leute auf der Bank, bei denen man den Mobilitätswunsch nicht erkennen kann oder die Unwilligkeit zwei Personen zu befördern – jedenfalls hält niemand an. Nach 15 min habe ich keine Lust mehr und gehe zur Bank auf die andere Straßenseite.

Wilstedt in Richtung Tarmstedt 

Ganz anders hier – nach 3 min hält ein Auto, dessen Fahrerin durchaus bereit ist, Menschen mitzunehmen, sofern genügend Platz im Wagen ist. Hier in Wilstedt habe ich auch einen kurzen Schnack mit einer Seniorin, welche die Mitfahrerbank auch gerne ausprobieren möchte, sich bisher aber noch nicht getraut hat. Selbstständig nach Tarmstedt zu kommen und nicht auf andere angewiesen zu sein, wäre ihr schon wichtig.

Ein Ringschluss fehlt

Leider sind noch nicht alle Ortschaften der Samtgemeinde mit Bänken ausgerüstet. Die Außendörfer, die nicht an der Busverbindung 630 (Zeven – Bremen) liegen, sind klar benachteiligt. Eine Mitfahrgelegenheit zum Bus, bzw. in das „Oberzentrum“ Tarmstedt mit seinen vielen Geschäften ist sicher hilfreich. Leider gibt es keine Verbindung in die angrenzenden Gemeinden. Das Mobilitätsbedürfnis geht über die Grenzen der (Samt)Gemeinde hinaus. Hier können die Kommunen mehr zusammenarbeiten. Auf die beiden für Grasberg Süd angekündigten Bänke warte ich noch. Sie sind geplant für Huxfeld in Richtung Wilstedt und Grasdorf in Richtung Lilienthal. Hier kann man sich mit einer Spende beteiligen.

 

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Hanebüchene Argumente

Kann so eine Mitfahrbank ein funktionierendes ÖPNV-Angebot schädigen? Weil sich keiner mehr einen Fahrschein kauft und sich die Mitfahrwilligen auf der Bank stapeln?! Abgesehen von der Unsinnigkeit dieser Annahme steht sie auch völlig konträr dazu, dass man ja soooo lange auf eine Mitfahrgelegenheit warten müsse… Die Gemeinde möchte nicht haftbar gemacht werden können, falls etwas Schlimmes passieren sollte. Ein wenig Eigenverantwortung kann man seinen Mitbürgern schon zutrauen. Im Falle eines Unfalls ist der Mitfahrer über die Haftpflichtversicherung versichert. Genauso wie ein Tramper, der im Auto mitfährt. Ansonsten kennt man sich üblicherweise auf den Dörfern. Und dann guckt man halt, bei wem man einsteigt / wen man mitnimmt, oder wen nicht. Es besteht ja schließlich kein Zwang dazu!

Wer vielleicht noch nie in seinem Leben Probleme mit der Einschränkung seiner Mobilität hatte, hat eventuell Schwierigkeiten, sich in Personen ohne Auto hineinzuversetzen. Wir wollen nicht, dass ältere Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen Kraftfahrzeuge steuern, da sie nicht nur sich selbst, sondern auch andere gefährden. Aber wie kommen diese Menschen jetzt zum Einkaufen, Terminen bei Ärzten oder nehmen am kulturellen Leben teil? Genauso möchte man weniger Autos auf den Straßen, aber den Umsteigewilligen wird keine vernünftige Alternative (mehr ÖPNV, bessere Radinfrastruktur) geboten. So eine Mitfahrbank ist nicht teuer. Billiger als jedes Bürgerbusangebot jedenfalls. Falls sie sich nicht bewähren sollte, kann sie ganz einfach zu einer normalen „Ausruhbank“ umfunktioniert werden.

Digitales Upgrade

Neulich habe ich über ein Projekt mit dem Namen fairfahrt berichtet, welches das Prinzip der Mitfahrbank mittels Technik in die digitale Neuzeit transferiert. Am Standort der Bank ist ein Terminal, auf dem die Suche nach einer Mitfahrgelegenheit eingegeben wird. Auf einem Schild wird das Fahrziel zusammen mit einem Lichtsignal angezeigt. Personen, die andere mitnehmen wollen, können sich eine App installieren. Sie bekommen auf dieser App den Fahrtwunsch angezeigt. Wenn man das gleiche Ziel hat und nicht zeitgebunden ist, kann man dann losfahren und gleichzeitig jemanden mitnehmen. Sicherheitsbedürfnisse werden über die Registrierung der Fahrer abgedeckt. Diese technische Lösung ist allerdings etwas teurer als die „analoge“ Bank.

Fazit

Die Mitfahrerbank ist eine sinnvolle Ergänzung überall dort, wo es wenig bis keinen ÖPNV gibt. Zugleich hat sie eine soziale Komponente: Man fährt nicht mehr mit Scheuklappen durch die Gegend, sondern fängt an seine Mitmenschen wahrzunehmen.

Sunday is Runday 

 
Bei meinen Bloggerkollegen von Coffee&Chainrings heißt es öfters mal #raceday. Von raceday kann angesichts meines Lauftempos nicht die Rede sein. Nenn ich es halt #runday. Läufer ist man, wenn man läuft. Ohne Tempovorgabe bitte! Ich bin schon immer deprimiert genug, wenn ich die Pace oder Zeiten von anderen Läufern höre. Manchmal möchte ich mich dann einfach nur unsichtbar machen oder in ein Schneckenhaus verkriechen… Dieser Körper hat einfach einen Großteil seines Lebens gar keinen Sport gemacht! Der Wille ist zwar da, aber die Selbstoptimierung stößt auf natürliche Grenzen.

Ausdauersport

Dann eben eher auf Ausdauer gesetzt, als auf Geschwindigkeit. Der geneigte Blogleser weiß von meiner Entdeckung des Laufsports als Ausgleich zum Radfahren und Wintertraining. Wenig Zeit und zwei Sportarten auszuüben passt leider nicht wirklich gut zusammen. Aber eine gewisse Grundkondition ist wohl vorhanden. Laufen hat dem (Renn-)Radfahren gegenüber einen Riesenvorteil: Läuft auch bei Nässe! 

Ziel: Halbmarathon

Nach einigen 10 km Laufveranstaltungen geht es jetzt aufs Ganze äh nee, Halbe: Den AOK Halbmarathon in Bremen. Mit einigen Tausend Läufern will ich mich an die 21,0975 km wagen. Hatte ich schon mal gesagt, dass ich Menschenmengen verabscheue?! Aber so ist meine Chance größer, nicht als Letzte ins Ziel zu kommen. 

Vorbereitung 

Strategie habe ich keine, nehme vorsichtshalber etwas zu Essen mit. Die üblichen Powerriegel oder -gels sind nicht so mein Ding. Dann schon lieber Datteln oder Bliss Balls. Mein Vorbereitungstraining ist als moderat zu bezeichnen. 2 seltener 3x die Woche einen 5er. Am Sonntag dann entweder einen 10er bei einer Veranstaltung oder einen längeren Lauf. Oder doch wieder Rennrad gefahren. Weil das Wetter schön war…

Laufkilometer:

Dezember – Gesamt: 48,54 km, längste Strecke: 9,73
Januar – Gesamt: 40,11 km, längste Strecke: 10
Februar – Gesamt: 66,32 km, längste Strecke: 14,17
März – Gesamt: 81,01 km, längste Strecke: 17,97
April – Gesamt: 79,47 km, längste Strecke: 14,85
Mai – Gesamt: 50,9 km, längste Strecke: 10,0
Juni – Gesamt 71,53 km, längste Strecke: 13,63
Juli – Gesamt 72,33 km, längste Strecke: 16,78
August – Gesamt 74,14 km, längste Strecke: 14,39
September- Gesamt 76,16, längste Strecke: 18,55

Der beste Motivationsspruch: „Wenn Du 10 km laufen kannst, kannst Du auch 20 km laufen!“ 

Der Lauf

Fast 3.700 Läufer sind für den Halbmarathon gemeldet. Eine unglaubliche Menschenmenge! Es dauert fast vier Minuten, bis ich zur Startzeitnahme gelange. Die Laufstrecke führt vom Marktplatz über die Obernstraße, danach die Parkallee entlang. Nach der Unterführung bei der Waldbühne auf der Gegenseite zurück, hier ist nochmal schön zu sehen, wie groß das Feld ist. Ein kurzes Stück durch den Bürgerpark, leider auf Asphalt. Überhaupt ist das Ganze ein Citylauf und durchgehend auf Asphalt (oder Pflasterung). Wo immer es möglich ist, laufe ich auf dem Grünstreifen. In Findorff sehr viele Zuschauer an der Strecke, gute Stimmung. Danach Überseestadt, sehr schön dann direkt am Wasser zu laufen. Die Gastronomie mit Sitzplätzen draußen lassen mich mit dem Gedanken spielen, einfach aufzuhören. Aber jetzt bin ich soweit gekommen, dann geht der Rest auch noch! Im Weserstadion einzulaufen, ist das absolute Highlight der Veranstaltung. Da ich ja kein Fußballfans bin, ist das gute zwanzig Jahre her, dass ich hier zuletzt war! Das gab noch mal richtig Schwung für die letzten Kilometer. Gut einen Kilometer vor dem Ziel ergattere ich einen Becher Cola! Das Zuckergesöff setzt dann die letzten Reserven frei, dass ich zum Schluss noch einen kleinen Sprint einlegen kann. Geschafft! Ohne Gehpausen angekommen. Bin wohl doch eine Läuferin.

Fazit:

Es ist falsch, mich mit Menschen zu vergleichen, die seit Jahren laufen. Die schneller und besser sind als ich. Meine Erwartungshaltung an mich selbst ist viel größer, als die von anderen Menschen. An den Halbmarathon mache ich jetzt einen Haken auf meiner imaginären Liste. Einsames Laufen auf Feldwegen ist schöner.

Foto: Man sieht mir die Nervosität vor dem Start an. * überlegt gerade, dass 10 km auch gereicht hätten *

Morning has broken


Morgens mit dem Fahrrad unterwegs sein zu können, ist ein guter Start in den Tag! Es gelingt mir leider nicht ganz so oft, wie ich das gerne möchte. Aber umso mehr kann ich den Moment ganz abseits von der üblichen morgendlichen Hektik genießen. Gerade jetzt zu Herbstbeginn zeigt sich die Landschaft oft als wirkliches Zauberland! Pastellfarbene Sonnenaufgänge, dazwischen Nebelfelder, einfach märchenhaft. „Der weiße Nebel wunderbar“ – dieser Vers stammt zwar aus dem Abendlied – aber egal, es passt trotzdem.😊 Mal abgesehen von den dahinbrausenden Autos ist alles so schön ruhig. Bis Falkenberg bin ich oft ganz allein unterwegs.

Radfahren ist Meditation

Radfahren hat so ein meditatives Element. Genau wie Laufen. Der Körper übt eine gleichbleibende, rhythmische Bewegung aus; man braucht nicht darüber nachzudenken und die Gedanken schweifen ab. Schlechte Laune, Streß, Probleme etc. fallen ab und bleiben auf dem zurückgelegten Weg liegen. Das Ganze ist oft nahe an dem als „Flow“ bezeichneten Zustand.

Überkreuzen sorgt für Balance

Die Überkreuzbewegung der Arme und Beine stimuliert die jeweils gegenüber liegende Gehirnhälfte. Dadurch wird Balance erzeugt und die Konzentrationsfähigkeit erhöht. Bei mir ist es so, dass ich bei oder nach dem Laufen / Radfahren zu neuen Texten inspiriert werde.

Wümme-Zeitung

Meine lokale Tageszeitung, die Wümme-Zeitung, hat über mich und meinen Blog berichtet! Dafür und für das nette Interview noch einmal ein ❤️liches Dankeschön! Das schöne Bild hat mir der Fotograf Hans-Henning Hasselberg zur Verfügung gestellt. Auch dafür noch einmal danke!

Von kleinen Dörfern und vom großen Ganzen 

Ich bin meinen lieben Bloglesern ja noch einen Bericht über den Werkstatttag in Jesberg schuldig. Aber die letzte Woche war irgendwie Dauer-Rushhour und das ich meinen Kopf nicht mittels ausgedehnten Radfahrten frei bekommen konnte, hat sich auch bemerkbar gemacht. 

Aber nu‘: Toll war es, sehr interessant und inspirierend! Viele verschiedene Initiativen und Projekte waren dabei. Nette Gespräche natürlich auch.

Menschen mit Visionen

Da wären…

VoJes – „Vorfahrt für Jesberg e.V. „, die mich zu diesem Tag eingeladen hatten. In diesem Dorf wurde echt schon viel auf die Beine gestellt. Das ist auch bitter nötig, denn mit dem ÖPNV sieht es traurig aus, wie ich selbst erleben konnte. Es gibt zum einen ein Carsharing-Angebot, aber auch Bikesharing mit Pedelecs und e-Cargobikes, dazu noch Mitfahrbänke. Die e-Lastenräder können ganz normal ausgeliehen werden. Möglich ist auch ein Bringservice in Zusammenarbeit mit dem örtlichen Einkaufsmarkt. Laub oder Grasschnitt wird über den Abholservice zum Bauhof gefahren. Mit diesen Fahrten wird ein Geflüchteter ins Dorfleben integriert. Viele verschiedene Institutionen und Personen haben sich hier vernetzt, um ein gemeinschaftliches Projekt auf die Beine zu stellen. Der Vorsitzende des Vereines, Michael Schramek, ist vom Fach und kümmert sich auch hauptberuflich um Mobilitätsberatung.

Durch das Carsharing in Schönstadt konnten in dem 1.600 Seelen-Ort immerhin ein Erst- und fünf Zweitwagen eingespart werden. Eine schöne Bilanz finde ich, dass gibt Hoffnung! Das Bio-Energiedorf hat von Anfang an ganz auf Elektromobilität gesetzt. Das hessische Pendant zur eCarsharing Tarmstedt. 😉 Um die Partygänger anzusprechen, haben sie sich einen vergünstigten Nachttarif ausgedacht. Fragt sich nur, wie es allgemein dort mit dem Nachtleben ausschaut. Der Ansatz ist schon mal gut.

Die Altenhilfe Treysa hat das Carsharing quasi als neues Sparte entdeckt und bietet damit Fahrten zu Arztterminen oder ermöglicht auch mal einen Stadtbummel. Junge Leute können den Siebensitzer selbstverständlich auch ausleihen. 

Das Carsharing Rauschenberg ist kein Verein engagierter Bürger, sondern eine Kooperation zwischen der Stadt und einem örtlichen Autohändler. Der Fahrzeugpool besteht aus zwei Elektroautos.

Der Verein Elektromobilität in Hessen hat sich der Förderung ebendieser verschrieben. Das Carsharing Konzept spricht hauptsächlich Touristen an, mit extra ausgearbeiteten Touren entlang der Märchenstraße.

Das Projekt fairfahrt hat sich dem Prinzip der Mitfahrbänke angenommen und versucht eventuelle Problematiken (Sicherheit, Verbesserung des Informationsflusses) mittels einer App und einem Terminal an der Bank zu lösen. Zusätzlich sollen die Benutzer Fahrten suchen und anbieten können.

Sehr ansprechend ist auch die Vorstellung des Projektes der Stadt Homberg. Sowohl die Performance des Bürgermeisters, dessen Begeisterung die Leute förmlich mitzieht, als auch das Projekt an sich. Die Stadtverwaltung, die des gesamten Landkreises sowie die Sparkasse tun sich zusammen, um den großen Fahrzeugpool besser zu nutzen. Die Wagen sollen nach Dienstschluss und am Wochenende zum Carsharing zur Verfügung stehen. Eine Grundauslastung ist durch die dienstliche Nutzung gegeben. Alles weitere kommt praktisch als i-Tüpfelchen obendrauf, die Verringerung der Autos in der historischen Altstadt inklusive. Entschlossenheit und Offenheit für neue Ideen sind so wichtig! Leider gibt es oft genug Hemmnisse durch die Bürokratie. Hier ist ein Bürgermeister die treibende Kraft zum Wohl seiner Stadt und der dort lebenden Menschen. 

Wir alle können einen Teil dazu beitragen, um unsere Welt ein kleines bisschen besser zu machen. Lebenswert für unsere Kinder. Denn in deren Zukunft wird unsere Welt nicht mehr die sein, die wir kennen. Jeder kann beitragen und die Welt retten. Nur ein klein wenig. Jeden Tag. So werden viele kleine Stückchen ein großes Ganzes.

Foto: Dieses Lastenrad musste ich natürlich testen! Es handelt sich um ein i:SY, was ich auch schon mal im Test hatte. Der Anhänger erweitert das Ladevolumen noch mal gewaltig!

Mobil ohne (eigenes) Auto


Ich wurde zu einem Werkstatttag für Engagierte und Interessierte in ländlichen Regionen eingeladen. In Jesberg haben sich einige Initiativen angekündigt, die ihre Projekte vorstellen wollen. Hier möchte ich ein wenig Netzwerken und sehen, was andere Regionen so im Bereich nachhaltiger Mobilität auf die Beine stellen.

Fängt schon mal gut an: Die ausgeklügelte Bahnverbindung zweier Regionalzüge und eines IC um ein Dorf in der hessischen Provinz zu erreichen, platzt. Der IC wird mit 15 minütiger Verspätung angekündigt, aufgrund fehlender Bereitstellung. Aha. Da ein kompletter Wagen fehlt, ist der Aufruhr groß. Fahrradreisende, die keinen Stellplatz reserviert haben, werden abgewiesen. Wahre Dramen spielen sich ab, Nervenzusammenbruch und Weinkrampf inklusive. Dadurch erhöht sich die Verspätung nur noch mehr. Mein Anschlusszug wartet nicht, das hat mir der freundliche Servicemitarbeiter schon am Bahnsteig mitgeteilt. Der nächste fährt erst zwei Stunden später. Toll. Die Freude ist grenzenlos.

Lost in Kassel-Wilhelmshöhe

Durch die Verspätung verringert sich die Wartezeit auf gute anderthalb Stunden. Ich sehe ja immer die positiven Aspekte! 😇 Check im Bahnhof: Bei Sixt steht leider kein Fahrzeug zur Verfügung. Es gibt ein „Konrad“ genanntes Leihradsystem. Vor dem Bahnhof steht auch tatsächlich ein Rad. Nach kurzer Befragung von Google Maps (und voraussichtlicher Fahrdauer von 3 Stunden) lasse ich den Konrad dort stehen. Bleibt noch Carsharing. Bisher war ich allerdings nur Nutzer der eCarsharing SG Tarmstedt. Also noch nirgends registriert.

Flink ist anders…

Der Anmeldevorgang bei Flinkster ist ein wenig unkomfortabel, da die Seite nicht für Anzeige am Smartphone optimiert ist. Dann muss ein Führerschein und Identitätscheck erfolgen. Dafür muss zuerst eine App runtergeladen werden. Heißt für mich erstmal Platz auf dem Handy freischaufeln, da mein Speicher chronisch überfüllt ist. Dafür kann der Anbieter natürlich nichts. Mittels Live-Kamera-Schaltung bin ich schließlich mit einer Mitarbeiterin verbunden, die meine Ausweise abliest und fotografiert. Schließlich überprüft sie noch, ob ich meinen Fotos halbwegs ähnlich sehe. Vermutlich habe ich nicht das optimale Smartphone für so etwas. Und die Motivation, einen solchen Job auszuführen ist auch nicht besonders ausgeprägt. Nach einiger Zeit, in der die Verbindung aufrecht gehalten wurde (inkl. Ton und Bild) bin ich registriert. Für eben schnell und ohne WLAN ist das nicht wirklich geeignet. Das tatsächlich am Bahnhof stehende Fahrzeug kann ich allerdings nicht nutzen, da mir die erforderliche Karte zum Öffnen fehlt. Den Anruf bei der Hotline gebe ich nach einigen Minuten Wartezeit auf, da das Zeitfenster eh dahin ist. Dafür ist mir die Sache schlussendlich auch zu teuer.

Die Fahrt im Regionalzug nach Zimmersrode lief ereignislos. Das Anruf-Sammel-Taxi ist positiv zu bewerten. Sowohl von der Hotline, als auch von der Fahrt mit dem Taxi selbst. Eine gute Sache! Den Werkstatttag habe ich pünktlich zur Mittagspause erreicht. Die restliche Veranstaltung habe ich als Power-Speeddating betrachtet und trotzdem Gutes mitnehmen können. Darüber demnächst noch mehr im Blog!

Mein Resümee 

Eine Tagung mit der Thematik nachhaltiger Mobilität, die nur mittels Individualverkehr zu erreichen ist, führt das Ganze ad absurdum. Nach diesem abschreckenden Erlebnis wäre es der einfachste Weg, auf Nachhaltigkeit in der Mobilität zu verzichten und nur noch das Auto zu nutzen. So leicht mache ich es aber mir nicht. Aufgeben ist keine Option! Dieses soll auch kein „Bahn-Bashing“ sein. Ich fahre nämlich ganz gerne mit der Bahn. Aber das Dilemma mit dem öffentlichen Nah- und Fernverkehr habe ich heute mal wieder am eigenen Leibe erfahren. Ländliche Kommunen sind oftmals wirklich abgehängt. Einen ÖV nur bei entsprechender Kostendeckung aufrecht zu erhalten, ist wohl der falsche Weg! Mobilität gehört zur Daseinsvorsorge der öffentlichen Hand und es muss ein Angebot für die Einwohner einer Gemeinde geben. Nur was verfügbar ist, kann von den Menschen genutzt werden.

Foto: Bahnhof Zimmersrode, Hessen

Fazit zur #EurobikeShow


Erstmal sacken lassen. Da waren so viele Eindrücke – besonders die Kapazität dieser Messe war echt beeindruckend. So etwa in der Art müssen sich die Leute nach dem Mauerfall bei ihren ersten Shoppingtouren gefühlt haben…

Im Nachhinein fällt dann auf, dass hauptsächlich der Kommerz im Vordergrund stand. Wirklich innovative Neuheiten habe ich keine gesehen. Man kann wohl doch nicht das Rad dauernd neu erfinden! Also wird überall, wo es nur geht, Scheibenbremsen und Elektroantrieb dran gebaut. e-MTB wohin das Auge blickt. Mag ja für den Forstmitarbeiter auch ein praktikabler Dienstwagenersatz sein, aber für den Hobby-MTB-Fahrer finde ich es nicht sinnvoll.

Markenware oder NoName

So einige der bekannten Marken waren nicht vertreten, sondern machen mit Hausmessen ihr eigenes Ding. Pinarello, Cannondale, Giant, um nur einige zu nennen und leider auch kein CIÖCC. Groß angekündigt wurde von der Messeleitung, dass viele (140?) neue Aussteller kommen würden. Die kamen hauptsächlich aus dem asiatischen Raum und vertrieben Zubehörteile. Hier eine Adaption von technischen Produkten statt musikalischen oder literarischen Werken… Die Onlinehändler wird es freuen.

Lastenräder gleich Mangelware

Lastenräder sind eine Leidenschaft von mir. Bei der Eurobike waren leider kaum welche vertreten. Schade eigentlich. Hier hätte man viele radaffine Menschen erreichen können, um eine Brücke vom sportlichen zum Alltagsfahren zu schlagen. Auch von Fahrradpolitik war nicht viel zu sehen. Da gab es einen Stand vom ADFC und einem von Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. Die Stände waren dazu auch ziemlich abgelegen. Der VCD war gar nicht vertreten. Vermutlich bewegen sich die Standgebühren in einer Höhe, die für NGOs nicht zu bewerkstelligen sind.

Blogosphäre

Eine großartige Sache war die Bloggerbase, initiiert vom Wriders Club um Gunnar Fehlau. DER Anlaufpunkt für alle Blogger, hier gab es alles, was das Bloggerherz begehrt: Strom, WLAN und Kaffee. Die Bloggerbase wurde von einigen Unternehmen gesponsert, die beim Frühstück oder einem Extra-Rundgang ihre Produkte vorstellten. Ob man das für den eigenen Blog aufgreift oder nicht, bleibt ja jedem selbst überlassen. Ein Blogger, der damit seinen Lebensunterhalt bestreitet arbeitet anders als reine Hobbyblogger. Ich möchte mich nicht so als Influencer für Productplacement vor den Karren spannen lassen. Wenn ich persönlich etwas gut finde und davon überzeugt bin, dann schreibe ich auch darüber. Gleiches gilt für Dinge, die mich nicht begeistern können. Nichts desto Trotz sollte Werbung IMMER für den Leser zu erkennen sein. Dito auch bei Instagram, dem neuen „heißen Scheiß“.

Zum Ende eines langen Tages wollte ich mich und meine Geräte in der Bloggerbase wieder aufladen. Es fand gerade die sogenannte Fashionshow statt. Fitnessmodels in Fahrradklamotten führen Tanzchoreographien vor. Aha, dann kann man mit Fahrradhelm und Trinkrucksack also auch Breakdance machen… sehr realitätsnah! 🤣 Wenn es doch nur nicht so brüllend laut gewesen wäre! Ich hatte das Gefühl, mir müsste jeden Moment Blut aus den Ohren laufen. Flucht war das einzig Mögliche.

Mein Fazit

Warum macht man das? Den Stress mit der weiten Anreise, Camping im Dauerregen… Einmal im Leben muss man das gesehen haben. Im Nachhinein hätte ich einiges anders gemacht. Es gab schon ein paar interessante, deutschsprachige Vorträge – leider an einem anderen Tag. Auch die Netzwerkpartys hätte ich gerne mitgemacht. Also lieber einen etwas längeren und mehr geplanten Aufenthalt. Die kostenlosen Leihräder hätte ich auch gerne genutzt, wenn ich vorher davon gewusst hätte.

Ob es mich 2018 wieder zur Eurobike führt, weiß ich ehrlich gesagt nicht. Es werden sich weitere Hersteller von der Messe verabschieden, der Termin wird vorverlegt und der Endverbraucher (zu denen ich mich schließlich auch zähle) ist nicht mehr erwünscht. Zudem möchte ich mehr Input aus dem urbanen Bereich bekommen. Lieber kleine unbekanntere Hersteller, mehr echte Typen mit dem Garagencharme des Unperfekten. Ich werde die Messen in Berlin und Hamburg ins Auge fassen, beides sind Städte mit großer Radcommunity und die Anreise ist auch nicht so weit.

Foto: Mein Herz schlägt für’s Detail: Kaffeebecherhalterung am Rad 😍