Urban life upp’n dörp…


Das ist ungerecht: in der Stadt gibt es vielfältige Mobilität – an jeder Ecke ÖPNV, Car-Sharing-Angebote, Fahrradkuriere und coole Lastenräder… Den Landbewohnern bleiben Diesel-PKWs und Traktoren?! Den Umstieg auf so ein Cargobike macht man ja nicht nur, weil es umweltfreundlich, vernünftig und kostengünstig ist; das Emotionale, also der Spaßfaktor spielt auch eine Rolle. Grade so ein Rad, was schon optisch etwas hermacht, vertritt ein bestimmtes Lebensgefühl. Das trifft zu 100% auch auf das Bullitt zu. Jenen quietschgrünen Traum, den ich ein Wochenende lang fahren durfte!

Nach diesem wirklich wunderschönen Bike haben sich echt die Leute den Kopf verdreht 🙂 Das Bullitt ist eine der bekanntesten Lastenradmarken. Und das vollkommen zu Recht. Es fährt sich angenehm leicht, wie ein Trekkingrad. Vorne wurde bei meinem Testrad eine Transportmulde auf der Ladeplattform installiert. Darin ein zusammenklappbarer Kindersitz – in Luxusausführung mit weichem Polster und Anschnallgurt. Dazu gab es für Schmuddelwetter noch eine Abdeckhaube.

Auch ohne Elektrounterstützung lässt sich das Bullitt mit Gewichtszuladung gut fahren. Die Lenkung reagiert recht feinfühlig, beim Signalgeben sollte man mit der anderen Hand gut festhalten, um den Lenker nicht zu verreissen. Auch Wiegetrittfahren ist etwas gewöhnungsbedürftig, werden aber die meisten Fahrer eh nicht machen. Die Scheibenbremsen sind sehr effektvoll und griffig, das Rad steht fast sofort.

Ein gemütlicher Sitz!


Meine Jungs waren von dem Kindersitz absolut begeistert! Bei ihnen ist das Bullitt der klare Testsieger, auch wenn die Mulde in der Breite schmaler als beim i:SY ausfällt. Die Vorteile des Kindertransportes mit dem Lastenrad hatte ich bereits im vorherigen Testbericht geschildert. Auch das Fahren an sich ist angenehmer, als mit einem Anhänger hinten dran. 

An den großen Wendekreis gewöhnt man sich und die Begegnungen mit anderen Lastenrädern auf schmalen Bürgersteigen sind im dörflichen Umfeld eher selten. Hier hat man doch Platz – Bahn frei für’s Lastenrad!

Noch hat ein Lastenrad hier auf dem Lande Exotenstatus, aber wird sich ändern: Spätestens wenn beim sonntäglichen Tatort eine Leiche darin beiseite geschafft wird, ist das Lastenrad im Bewusstsein der Bevölkerung angekommen.

Technik:
Shimano Deore 2×10 Gang Schaltung
Scheibenbremsen
Gewicht ca. 25kg

Für das Bullitt gibt es viele verschiedene Antriebsgruppen und Aufbauten. Man kann das Rad ganz nach seinen Wünschen und Ansprüchen gestalten. Hier gibt es einen Überblick.

Vor den Toren der Stadt…

  
Ich lese gerade das Buch „Landfrust“ von Axel Brüggemann. Dort heißt es: „Ein Landbewohner verbraucht wesentlich mehr Energie als ein Stadtbewohner. Oft sind es nur Kleinigkeiten … die vielen Autokilometer, die auf dem Land zurückgelegt werden. 75% der Pendler fahren täglich aus dünnbesiedelten Räumen in die Großstädte. All diese Faktoren zusammen zerstören den Mythos vom ökologischen Leben auf dem Land. … Auf dem Land wohnen, um die Schönheit der Natur zu genießen, und dann zwei Autos haben – das ist einfach verrückt.“

Die Infrastruktur hier ist dünn und dabei wohnen wir in Grasberg noch ziemlich im Speckgürtel von Bremen. Wenn ich mein Rad zur Alltagsmobilität nutze, kommen da schon einige Kilometer zusammen. Dazu benötigt man/frau eine ganz schöne Portion Idealismus, um trotzdem nachhaltig unterwegs zu sein.

Positiv betrachtet bedeutet es aber auch, dass ich beim Einkaufen und Fahrten zu irgendwelchen Terminen bereits mein sportliches Workout gleich mitmache. Die vielen dicken PKW auf dem Parkplatz des Sportstudios finde ich einfach nur lächerlich. Der Widerspruch der Leute einerseits bequem dort hinzufahren, um andererseits dann auf einem Ergometer oder Laufband zu trainieren ist doch unglaublich!

Auch hier auf dem Lande ist ein Auto die meiste Zeit des Tages nicht mobil, sondern steht statisch herum. Daher bietet es sich an, ein Auto mit mehreren zu nutzen. Das geht mit konventionellem Antrieb oder noch nachhaltiger mit Elektroautos. Die sind superleise und beschleunigen schnell! Der Spaßfaktor ist also nicht zu verachten. Dazu ist das Aufladen an öffentlichen Ladesäulen kostenlos –  sprich „Tanken“ für lau!

Wer in Tarmstedt, Wilstedt und Umgebung unterwegs ist, sollte seinen Blick auf die neuen Mitfahrerbänke richten. Diese Idee finde ich toll. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und ist gleich ans Werk gegangen. Die soziale Komponente wird mit der nachhaltigen verknüpft. Jeder einzelne kann etwas zur Verbesserung beitragen, man muss nur einmal damit anfangen. Einmal in Gang gesetzt, beschleunigen sich positive Prozesse dann oft von selbst.

Vom ADFC gibt es eine Umfrage, die zwar mehr auf städtische Umgebung gerichtet ist, aber meiner Meinung nach sollten auch Menschen teilnehmen, die auf dem Lande wohnen! So ergibt sich die Chance, dass die hiesigen Gemeindevertreter Einblicke in die Bedürfnisse der Radfahrenden bekommen.

Mehr Platz für’s Rad!

Im Rahmen der Mobilitätswoche fand heute in Bremen die Hochstraßentour und ein Fahrradfestival statt. Die Hochstraße ist sonst für Radfahrer tabu. Da hatte ich schon immer mal gedacht, dass müsse krass sein, dort fahren zu können. 

Die heutige Tour war auch „Critical Mass“. Radfahrer erobern sich ihren Platz auf den Straßen zurück. Kritisch anzumerken ist von meiner Seite höchstens, dass das Durchschnittstempo ziemlich langsam war, mit einigem „Stop and Go“. Viele Leute sind es nicht gewohnt, in größeren Gruppen zu fahren, da kann es zu gefährlichen Situationen kommen. 

Leider sind nicht viele Teilnehmer zum anschließenden Fahrradfestival gekommen. Hier hätte ich auf mehr Stände gehofft. Die Band machte leider grade eine Pause, als ich mich dazu gesellen wollte. Schade, es sollte plattdeutschen Rock’n Roll geben, bestimmt eine interessante Mischung!

Alles wird aus Holz gemacht…

  

Mal andere Räder zu fahren ist schon arg geil! Zum meinem Fuhrpark gehört ja ein Rennrad, ein Cyclecrosser und ein Trekkingrad. Die Chancen, dass ein Lastenrad dazu kommt, stehen recht hoch. Aber es gibt noch viele chice Räder, die ich noch gar nicht gefahren bin: ein Klapprad beispielsweise. Nun habe ich das hier im Netz entdeckt: ein super nachhaltiges Rad aus Holz. Ja, richtig gelesen: Holz! 

Von Rennrädern mit Rahmen aus Bambus hatte ich schon mal gehört; klar, der ist hohl und leicht, passt also. Aber ist Holz nicht viel zu schwer für so ein Rad? Oder nicht stabil, wenn es so ’ne Art Presspappe ist, wie wir es doch alle von Billigmöbeln her kennen? Das hier soll ein spezielles Eichenholz sein, welches auch beim Schiffsbau verwendet wird, weil es so leicht ist. 

  

Die Möglichkeit, so ein Rad mal zu testen, wird im Rahmen einer Charity-Tour angeboten. Das Ganze ist kostenlos und anmelden kann man sich hier

Das i:SY im Kidstest

Radfahren macht Spaß! So ein Lastenrad funktioniert auch als Familienkutsche für 1 bis 2 Kinder. Und die finden das megacool. Auch wenn Sie schon lange selbst radeln können. Im Vergleich zum gestrigen Megaeinkauf war die Gewichtszuladung nur gering. Den e-Antrieb habe ich allein für den Spaßfaktor verwendet. 😀 Für die Sitzbank sollte man ein Kissen oder Polster besorgen, bei einer längeren Fahrt wird es sonst unbequem.

Zum Kindertransport ist ein Lastenrad eine gute Alternative zum Fahrradsitz oder Anhänger. Das Kind sitzt höher als im Anhänger (dort ist es in der gleichen Höhe wie die Autoabgase!) und sieht auch etwas. Man selber hat das Kind im Blick und kann sich während der Fahrt unterhalten. Etwas Platz, um ein paar Kleinigkeiten mitzunehmen findet sich auch noch.

Meiner Meinung nach eine echte Alternative zum (Zweit-)wagen für eine Familie mit kleinen Kindern.  

Technisches:

  • Schaltung: 9 Gang Shimano Sora
  • Heckmotor
  • Gewicht: ca. 40 kg
  • Straßentauglich mit Beleuchtung und Klingel

Viele tolle Lastenräder gibt hier, auch zum ausleihen!

Im Kaufrausch – Großeinkauf mit dem Lastenrad

So rein optisch ist das i:SY ein ganz anderer Schnack als das Omnium. Es hat keine Plattform, sondern eine Mulde mit herausklappbarer Sitzbank. Damit wird ganz klar eine andere Zielgruppe angesprochen: Eltern, die ihre Kids transportieren wollen und eben auch Großeinkäufe machen müssen. Das Lastenrad erinnert ein bisschen an eine Kreuzung aus Hollandrad und Schubkarre. 😜

Für mich war zuerst einmal die Sitzposition etwas gewöhnungsbedürftig. Aufrecht, halt hollandradmäßig. Der Elektroantrieb funktioniert auch für Technikdussel denkbar einfach. Anschalten und die gewünschte Unterstützung von Stufe 1 bis 5 auswählen. 0 entspricht neutral und mit dem Minusbereich kann man Akkukapazität sparen. Um leer und ohne nennenswerte Steigungen und Gegenwind zu fahren, reicht mir „neutral“ vollkommen aus. Einen Geschwindigkeitsrekord gibt es damit natürlich nicht. Aber es muss auch nicht immer gerast werden, manchmal ist gemütliches Fahren auch sehr schön. 

Auf meinem Weg von Bremen nach Grasberg hatte ich genügend Zeit, um mein Augenmerk auf die Beschaffenheit der Radwege zu richten. Holpriges Pflaster, Baumwurzeln und zerbrochene Betonplatten steckt das i:SY nicht optimal weg, die Mulde klappert laut und die Bodenbeschaffenheit ist gut am Hintern zu spüren. Am besten kann man damit auf der Straße fahren. 

Der absolute Härtetest folgte nun beim Großeinkauf. Da mir die riesige Mulde zur Verfügung stand, habe ich bei Getränken (20,5 ltr.) so richtig zugeschlagen. Waschpulver (10 kg) war grade im Angebot und dazu noch das übliche Sammelsurium von Süsskram über Joghurt bis zu Klotzfisch. Der Einkaufswagen liess sich nur noch schwer steuern. 

Der Megaeinkauf passte perfekt in die Mulde! Puuh, gutes Augenmaß gehabt. So um die vierzig Kilo plus Radgewicht wollte ich mir dann nicht antun. Jetzt war ich bereit für den E-Antrieb.

Sehr angenehm, das Fahren war überhaupt nicht anstrengend, lockeres Pedalieren wie mit Rückenwind bergab. Nur im Lenkverhalten macht sich die Zuladung bemerkbar. Abrupte Bewegungen sollte man tunlichst vermeiden! Beim Anfahren hat man den gleichen Effekt, als würde man angeschoben bzw. wie ein „Kickdown“ in PKWs mit Automaticgetriebe. Coole Sache, das! Damit kann man auch ’ne Waschmaschine den Weyerberg hochbringen, oder so…

Morgen mehr zu: Kids an Bord und Technik

Die Radheldin goes e-Bike oder mein Wochenende als i:SY Rider

E-Bikes sind was für Rentner. Die meisten Radleute die ich kenne, nehmen e-Bike-Fahrer nicht ganz für voll. Wenn ich mich einen Berg Hügel hochquäle und so ein motorisiertes Etwas flitzt an mir vorbei, dann finde ich das auch nicht so toll. Aber für Leute, die nicht verschwitzt irgendwo ankommen (Arbeit, Date) und aufs Auto verzichten wollen, ist es doch die Lösung. 

An diesem Wochenende testet die Radheldin das i:SY Lastenrad mit e-Unterstützung. Und es ist ein Pedelec, kein e-Bike. Denn so schnell fährt es nun auch wieder nicht. Das Bullitt teste ich ein anderes Mal, es wird noch in der Werkstatt bei Sønsteby’s aufgehübscht.  

Morgen gibt’s den ersten Testbericht – über alle Follower freue ich mich und übers liken und teilen natürlich auch!