Auf leisen Reifen

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Eines der Dinge, die mich an der Elektromobilität faszinieren, ist ja das lautlose Fahren. Gut, bei höherer Geschwindigkeit kommt natürlich das Abrollgeräusch der Reifen hinzu, aber es ist doch wesentlich geräuschärmer im Vergleich zu den Verbrennungsmotoren. In einem Forum kam jüngst eine Diskussion darüber auf, das dieses Fußgängern, speziell Kindern gegenüber ziemlich gefährlich sein könnte.

Hersteller bieten einen sogenannten eSound als Sonderausstattung für ihre Fahrzeuge an, bzw. ab 01.07.2020 wird es gesetzlich verpflichtend. Siehe auch diesen Artikel in der ZEIT. Keine Ahnung, wie das dann klingt…

Ich denke, nicht allein das Geräusch oder aber das Fehlen ebendieses macht die Gefährlichkeit eines Autos aus, sondern die FAHRWEISE des Menschen am Steuer! Ich lasse mich lieber geräuschlos mit genügend Abstand überholen, als von einer dröhnenden Karre geschnitten zu werden! Da nützt mir das Geräusch nämlich auch nix…

Man sollte im Straßenverkehr alle Sinne benutzen, insbesondere die Augen! Vorher gucken, ob ein Auto (oder ein Radfahrer, die machen nämlich auch keine Geräusche!) kommt und nicht einfach loslaufen. In Shared Space Zonen sollten alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen. Viel gefährlicher als die leisen Elektroautos halte ich die Leute, die mit Musikstöpseln im Ohr und Blick auf dem Handy unterwegs sind. Die kriegen wirklich nichts mit; auch nicht, wenn ein V8-Motor heranprescht!

Dem Motorensound kann ich nichts abgewinnen – Lärm macht krank! Und kann bitte mal jemand einen Aufsitzrasenmäher mit Elektromotor erfinden? Kein Nachmittag im Garten, wo nicht irgendwo so ein Ding am Röhren ist…

(Foto: Kai-Uwe Knoth)

 

Freude am Fahren oder mit dem e-Virus elektrifiziert…


Beide mit rasanter Beschleunigung und ohne Emissionen unterwegs – der eine auf zwei und der andere auf vier Rädern…

Ich schrieb kürzlich über mein persönliches Dilemma mit dem Diesel. Jetzt durfte ich den neuen e-Golf probefahren. Mit dem Golf aus Fahrschultagen hat der außer dem Namen nicht mehr viel gemein. Angenehm zu sitzen, ein großes Cockpit, Bordcomputer mit allerlei Gadgets. Darauf stehe ich ja und muss natürlich erstmal überall rumdrücken und ausprobieren, was passiert… Mein Smartphone kann ich mittels Bluetooth sofort koppeln, somit waren alle meine Kontakte und meine Musik verfügbar. Freisprech mittels Sprachsteuerung klappt prima, bei der Navigation hat die Spracherkennung leichte Schwierigkeiten mit einer Örtlichkeit namens „Grasberg“. Aber vielleicht habe ich auch genuschelt… WhatsApps verschicken kann der Bordcomputer leider noch nicht, schade – wäre ein gutes Feature. Eine Kamera hilft beim Rückwärtsfahren, damit keine Hindernisse übersehen und angefahren werden. Der USB-Steckplatz zum Handyaufladen ist ebenso vorhanden, wie die Kaffeebecherhalterung (hatte ich schon mal erwähnt, dass ich ein Kaffeejunkie bin?!). Das Ausschalten der Klimaanlage wird sogleich mit 10km mehr Reichweite belohnt 😉

Fahrspaß par exellence – ohne schlechtes Gewissen!

Dann wird es ernst… Ich drehe den Schlüssel und… nichts! Total unheimlich, man ist ja förmlich auf das Anspringen des Wagens geeicht. Aber hier kommt kein Geräusch, nur ein kleines Aufleuchten des Wortes „ready“ auf dem Bildschirm. Den Automatikhebel auf „D“ legen, Strom geben und wie von Geisterhand geschoben setzt sich der e-Golf in Bewegung. Da ist das Staunen über etwas, von dem man ja eigentlich weiß, aber trotzdem überrascht wird. Dieser Moment ist absolut faszinierend und sorgt für ein breites Grinsen in meinem Gesicht! 

Mit erreichter Reisegeschwindigkeit ist nur das Abrollgeräusch der Reifen zu hören. Die Beschleunigung ist absolut SMOOTH… Sehr souverän beim Überholvorgang. Da kommt schon etwas Formel-Eins-Gefühl auf… Ein von mir überholter Radfahrer schaut allerdings etwas überrascht. Seitenabstand halte ich natürlich ausreichend 😇, aber der ist eben auch auf das nicht vorhandene Motorengeräusch eingestellt. 

Um nicht im Geschwindigkeitsrausch geblitzt zu werden, nutze ich den Tempomat. Die Funktionsweise ist anders, als die mir bekannte, erschließt sich aber schnell. Energiesparend fahren geht mit entsprechend dosierter Geschwindigkeit auch. Oder man stellt die Automatikschaltung auf „B“ – das steht für Bremsgang. Damit wird in dieser Gangstufe abgebremst und der Schwung für die Batterieaufladung genutzt. Rekuperation nennt sich das.

Das Fahrgefühl ist wirklich sehr angenehm. Alle Mitfahrer (Freude darf man teilen – sharing is caring 😉) sind auch davon begeistert. Die Reichweite ist bei meinem Test realistisch. Bin ca. 100km gefahren und der Verbrauch wird auch so angezeigt. Für normale Wege sollte das ausreichen. Die Umstellung ist wohl eher, dass vor Fahrtantritt etwas Planung erforderlich ist und man nicht einfach so ins Blaue fahren kann. Wer Urlaubsreisen mit dem Auto plant, kann sich über die Ergänzungsmobilität einen Ersatzwagen mit Verbrennungsantrieb ausleihen.

Zum Abschluss meiner Fahrt darf ich noch Laden. Der Anschluss ist an der gleichen Stelle wie die gewohnte Tanköffnung bei einem Verbrenner. Der Ladevorgang geht auch recht zügig voran, da der Akku im Vergleich zum Vorgängermodell verbessert wurde. Lädt also schneller und hält länger. Das lässt wirklich für die Zukunft hoffen. Ansonsten ist es wirklich ein schöner Wagen und nicht nur eine Übergangslösung! 

Liebe VW-Verantwortlichen, mit Sicherheit ließen sich mehr Menschen von der Elektromobilität überzeugen, wenn es mehr Testaktionen für diese Fahrzeuge geben würde und günstige Einstiegsangebote! Denn Spaß macht das Fahren damit jetzt schon.

An dieser Stelle nochmals ein großes DANKESCHÖN 💐 an das Autohaus Warncke, welches mir dieses Fahrerlebnis ermöglicht hat! Davon unabhängig ist dieser Text entstanden, der meine persönliche und subjektive Meinung wiederspiegelt.

Testfahrten


Über die tolle Testfahraktion des Landkreises Rotenburg/Wümme hatte ich schon mal berichtet. Leider gehört Grasberg ja zum Landkreis OHZ und somit konnte ich mich nicht dafür bewerben. Durch Zufall fand ich jetzt den Hinweis auf eine bundesweite Aktion. 

Okay, insgesamt werden nur zwölf Testfahrer ausgewählt, also gehört schon eine große Portion Glück dazu… Trotzdem finde ich das natürlich klasse und mich gleich an das Bewerbungsformular gemacht. Hhmmmm, die wollen schon einiges von einem wissen. Da muss man abwägen, zwischen Datenschutz oder Teilnahme. Die Angaben zur Wohn- bzw. Abstellsituation sind allerdings schon einleuchtend, wenn man bedenkt, dass eine Wallbox (Ladeeinrichtung) installiert wird.

Leider musste ich feststellen, das das Onlineformular nach dem Ausfüllen mittels Handytastatur (nett bei den Motivationsschreiben – zweimal knapp 1000 Zeichen) beim Hochladen des Fotos im Nirvana des www verschwand. Den Text schreiben und mittels iPad in die dafür vorgesehenen Felder zu kopieren klappte leider auch nicht. Gut, dass ich etwas „old fashioned“ bin und noch einen stationären PC besitze… Damit hat es nach dem zweiten Versuch (WLAN…) geklappt. 

Jetzt heißt es „Daumen drücken“, denn ich würde gerne mal einen Stromer im Alltagsbetrieb testen. Das ist schon etwas anderes als eine Probefahrt oder auch mal ein Wochenende. 

e-Mobility in Stadt & Land


Unsere Städte sind randvoll mit Autos. Alle Straßen verstopft, jede nur erdenkliche Möglichkeit zugeparkt. Das Problem gibt es schon lange und es wird immer schlimmer… 1984 (!) hat Herbert Grönemeyer darüber einen Song gemacht namens „Mambo„. Ich freue mich, wenn ich mit der Straßenbahn oder dem Rad an dem Chaos vorbeifahren kann. Mit dem Auto in die Stadt, dass ist der absolute Horror für mich! Vor allem: WOHIN mit der Kiste? Ich fahre ja leider keinen kleinen Smart, sondern einen ausgewachsenen Combi! Wie gesagt, es kommt vor, aber zum Glück nur selten. Dann schon lieber Park&Ride. An der Endhaltestelle oder z.B. bei einem Einkaufszentrum. Spart Benzin UND Nerven! 

Wenn man als Stadtbewohner mal ein Auto benötigt, weil man etwas transportieren muss, was groß und schwer ist oder aus anderen Gründen nicht auf den ÖPNV oder das Rad zurückgreifen kann, dann ist Carsharing natürlich ideal. Es gibt Anbieter mit festen Plätzen und welche, deren Wagen man einfach irgendwo abstellen kann (Freefloating). Natürlich sollte dort schon Platz sein und keine anderen Verkehrsteilnehmer damit behindert werden. Wenn nicht auf jeden Einwohner ein Auto kommt, wäre schon viel getan. Denn nur allein die Umstellung von einem mit Kraftstoff betriebenen Wagen auf ein Elektrofahrzeug bringt für die Lebensqualität in der Stadt nicht viel. Um Ressourcen zu bewahren, darf die Anzahl nicht einfach 1:1 ausgetauscht zu werden. Weniger ist in diesem Falle mehr!

Die Zukunft der Elektroautos würde ich eher auf dem Lande verorten. Das Platzproblem wie in den Städten ist nicht so akut. Dafür hakt es leider oftmals mit den Möglichkeiten des ÖPNV. In der Fläche sind Entfernungen zu überwinden, die oft mit dem Fahrrad nicht in einer adäquaten Zeit zu schaffen sind. Im Sommer hilft dabei ein Pedelec (oder wie auch immer genanntes elektrounterstütztes Fahrrad). Und im Winter möchte man sich am liebsten beamen… Wenn ein Landbewohner sein Fahrzeug vom Verbrenner auf Elektro umstellt, ist das schon eine gute Idee. Umweltschonend, da emissionslos und im besten Falle mit Ökostrom betrieben… Besser noch ist es natürlich, sein Mobilitätsverhalten generell in Frage zu stellen und zu überdenken. Muss ich mit dem Auto fahren? Oder kann ich mein Ziel auch anders (zu Fuss, mit dem Rad, mit dem ÖPNV, einer Mitfahrgelegenheit) erreichen? Brauche ich eigentlich ein eigenes Auto oder reicht Carsharing aus? Nur so viel Auto wie unbedingt nötig.

Nach dem Fasching beginnt wieder die Fastenzeit. Menschen üben freiwillig eine Zeitlang Verzicht aus. Auf bestimmtes Essen, Alkohol, Zigaretten, Facebook, Smartphones etc. Auch ein „Autofasten“ wird angeregt – Infos hier und hier. Sicherlich ein guter Ansatz – nicht nur zur Fastenzeit!

Wer das Auto relativ wenig nutzt, aber nicht ganz darauf verzichten mag, kann es natürlich anderen zur Verfügung stellen. Das mindert die eigenen Kosten und spart Ressourcen. Das Auto als Ich-Statussymbol hat doch ausgedient, oder? Es ist an der Zeit, dieses Besitzdenken (mein Haus, mein Auto, mein Boot…) zu überdenken. Das Auto ist ein Mittel zum Zweck, nämlich bequem von A nach B zu kommen. Mehr nicht! 

=> Bei den Mitstreitern der e-Carsharing Initiative SG Tarmstedt kann man testen, wie sich a) e-Mobilität und b) Carsharing anfühlen. Infos hier und bei Facebook.

(Grafik: diegocarranza89)

Haben oder Teilen?

  Einige Gedanken zum sharen von Autos und anderem

Mittlerweile empfinde ich ein Auto nicht mehr als Statussymbol, sondern als Gebrauchsgegenstand. Es spricht nichts dagegen, ihn mit anderen zu teilen, solange er im Originalzustand, nicht kaputt oder verdreckt, zurückkommt. Bei anderen Gebrauchsgegenständen greift da manchmal der persönlichen Effekt, d. h. meine Zahnbürste teile ich mit absolut NIEMANDEN! Etwas wie ein Lastenrad würde ich allerdings teilen. Es ist ebenfalls zu teuer, um es ungenutzt herumstehen zu lassen. Gleichzeitig dient es als Multiplikator und kann man andere Menschen für das Radfahren begeistern!

Bei einem Elektrowagen herrscht übrigens auch „Arbeitsteilung„: Die beiden Pedale sharen sich die Aufgaben „bremsen“ und „beschleunigen“ (Strom geben). Denn es sind Automaticwagen, die vielleicht in Zukunft ganz autonom unterwegs sind. Strompedal – tolles Wort! 😃 Sich von einem Schaltgetriebe auf einen Automaticwagen umzustellen geht übrigens sehr leicht und schnell! Wenn man sich nicht mehr mit dem lästigen Schalten herumplagen muss (gerade beim stop and go im Stadtverkehr) kann man sich auch mehr auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren. Indirekt dient es so der Verkehrssicherheit und minimiert das Unfallrisiko.

Die Rücksichtslosigkeit der stärkeren Verkehrsteilnehmer sehe ich auch als das größte Hindernis für den shared space. Die Schwächeren trauen sich nicht ihr Anrecht auf gemeinsam genutzten Platz durchzusetzen. Hier könnte das autonome Fahren regulierend eingreifen. Ein Roboter entwickelt keinen Egoismus, wenn er nicht entsprechend programmiert wurde. Und er fordert auch keine eingebaute Vorfahrt heraus, nur weil er am Kühler einen Stern trägt!

Ist es eigentlich sinnvoll, in einer Welt mit begrenzten Mitteln und endlichen Resourssen alle möglichen Dinge zu besitzen? Wäre es nicht besser, sie mit anderen zu teilen? Als Beispiel dient die berühmte Bohrmaschine, die ein Normalnutzer im Leben insgesamt nur 13 Minuten (Quelle: brandeins Magazin) lang in Betrieb hat. Dieses recht teure Gerät liegt also die meiste Zeit ungenutzt herum und verbraucht auch noch Platz. Warum also kaufen? Es ist absolut ausreichend, es für den Einsatz auszuleihen. 

Bei der Mobilität ist es ähnlich. Ein Auto steht ebenfalls viele Stunden am Tag ungenutzt herum. Es verkörpert dabei gerade das Gegenteil von Mobilität und stellt sich als Immobilie dar! So unglaublich viel Platz wird verschwendet an herumstehende Autos: Garagen und Carports auf den Grundstücken, Fuß- und Fahrradwege entlang der Straßen in den Städten. Aber auch auf den Dörfern wird der Wagen oft acht- und rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern irgendwo abgestellt.

Share & care – In einer Welt mit endlichen Ressourcen muss sich das Besitzdenken ändern. Man braucht nicht einfach alles kaufen, was zu haben ist. Wir müssen einfach weg vom Konsumismus, um unseren Kids noch eine Welt zu hinterlassen, in der man leben kann und möchte! Das „Sein“ ist wichtiger als „Haben“!

Einzigartig! So wird das was mit der Elektromobilität!

  
Der Landkreis Rotenburg stellt zwei Elektrowagen für Testfahrer bereit. Zwei Gedanken blinkten irgendwie gleichzeitig in meinem Kopf auf: 1.) Wow! Super! Großartig!… 😍2.) Mist, ich wohne im falschen Landkreis.😣

Nu aber mal ganz von vorne: Bei dem Projekt stehen ein eGolf und ein eUp zur Verfügung. Der Landkreis Rotenburg sucht dafür Testfahrer*innen, die jeweils für 10 Tage einen Wagen fahren dürfen. Das ist ein richtig tolles Projekt! Der Zeitraum ist lang genug, damit man sich ein vernünftiges Bild über den Wagen, bzw. über die Elektromobilität machen kann. Ob die Reichweite okay ist (wenn man nicht gerade Außendienstler ist oder in den Urlaub fährt, ist sie es in den meisten Fällen…), wie man mit dem Aufladen zurecht kommt, wo Ladestationen sind und wie flott der Wagen fährt! So ein richtig schöner Test unter Alltagsbedingungen eben! 

Dumm für mich ist allerdings, dass sich nur Einwohner des Landkreises Rotenburg dafür bewerben können. Und ich bin kurz hinter der Grenze, in diesem Falle wirklich ausgegrenzt im Landkreis Osterholz-Scharmbeck…

Dieses Pilotprojekt ist wirklich einmalig und ein großer Schritt, um den Leute die Elektromobilität schmackhaft zu machen! Macht Spaß und kostet nix. Und wenn man etwas schon mal selber getestet hat oder von Bekannten gutes darüber hört, dann rückt ein Elektroauto beim nächsten Autokauf auch gedanklich in greifbare Nähe! Dazu noch die staatliche Prämie und Steuerersparnis! Jetzt sind noch die Hersteller gefragt: Ihr Produkt muss attraktiv für den Käufer sein – ein Mittel dafür ist der Preis! Ein innovatives, stylisches & hippes Produkt, dass jeder will (iPhone) kann ruhig teuer sein, es wird gekauft. Wenn etwas aber nicht im Markt nicht so der Schnelldreher ist, dann macht der Preis es eventuell interessanter. Sagt sogar einer aus der VW Chefetage…(Christian Senger, Leiter der Baureihe Elektromobilität: „… Preis auf dem Niveau herkömmlicher Fahrzeuge.„)

Ich glaube, dieses Projekt ist für die Menschen in Rotenburg ein echter Gewinn und es werden sicherlich dort anschließend mehr Elektrowagen zum Einsatz kommen, als in vergleichbaren anderen Landkreisen. Wenn man nachhaltige Mobilität auf dem Lande fördern will, müssen sich die Beteiligten in der Politik etwas einfallen lassen! Hier haben sie es getan. Toll! Und nachahmenswert!

Foto: Puschert & Kruse GmbH

Niedersachsen auf dem Weg in die Zukunft

  

Bei der heutigen Zeitungslektüre lag das Thema „Elektromobilität“ wieder im Blickpunkt. Der Städte- und Gemeindebund Niedersachsen fordert den Ausbau der Elektromobilität besonders in der Fläche. Man will verhindern, dass wieder eine Zukunftstechnologie verschlafen wird. (Quelle: Weser Kurier). Die taz schreibt dazu: „Tatsächlich sieht etwa der ökologische Verkehrsclub Deutschland (VCD) für E-Autos eher eine Zukunft auf dem Land. E-Mobilität sei für Pendler interessant, die 40 bis 50 Kilometer zur Arbeitsstelle fahren müssten und ihre Strecken gut planen könnten. In der Stadt plädiert der VCD hingegen eher für „autoreduzierte Mobilität“. Und ohnehin ist man beim VCD von E-Autos nicht begeistert: Zwar helfen die Fahrzeuge bei der Luftreinhaltung, ohne Strom aus regenerativen Energien seien E-Autos den Benzinern bei der CO2-Bilanz aber keineswegs voraus.“ (Kompletter Artikel und der dazugehörige Kommentar

Schade: Man möchte die Elektromobilität fördern, aber die Negation überwiegt. Allenthalben wird wieder auf geringe Reichweiten, fehlende Ladestruktur und neuerdings auf die Notwendigkeit, dass der verwendete Strom aus erneuerbaren Energiequellen kommen müsse, hingewiesen.

Für die alltäglichen Fahrten zur Arbeit / Einkauf etc. stellen 120km Reichweite kein wirkliches Problem da. Die Ladeinfrastruktur muss weiter ausgebaut werden, dass ist klar. Aber man betrachte sich mal die Anzahl der Tankstellen nach den erhöhten Umweltauflagen in den letzten 20 Jahren. Im ländlichen Raum gibt es längst nicht mehr in jedem Dorf eine Tankstelle. In Adolphsdorf gab mal eine, in Bergedorf und Hüttenbusch auch. Viele der kleinen, freien Stationen mussten schließen. Da muss man mit dem Benziner / Diesel auch ans rechtzeitige Tanken denken (ich spreche da aus eigener Erfahrung…!). 

Dazu gehe ich davon aus, dass der Personenkreis, der bereits ein Elektroauto hat bzw. sich ernsthaft mit der Thematik beschäftigt, auch in anderen Bereichen Wert auf Nachhaltigkeit legt. Strom kommt eben nicht einfach so aus der Steckdose. Ob an den öffentlichen Ladesäulen die Herkunft des verwendeten Stroms sichtbar ist, werde ich noch recherchieren. 

Es sollten vielleicht mehr Gründe FÜR den Betrieb von Elektroautos gesucht und kommuniziert werden: keine schädlichen Abgase, kein Lärm, klar – alles bekannt. Befreiung von der Kfz-Steuer – 5 Jahre keine Steuern, danach nur der halbe Satz – das ist der Hammer! Dazu die Kaufprämie, geringe Betriebskosten durch Angebote öffentliche Ladesäulen gratis zu nutzen, z. B. in Tarmstedt. Tanken für lau also. Von Seiten der Autohersteller gibt es ebenfalls Anreize; Pannenhilfe und Ersatzfahrzeuge beispielsweise.

Eine Förderung, wenn man seinen kraftstoffbetrieben Wagen abschafft, könnte eine Idee sein. Den großen Protest über die Forderung ab 2030 keine kraftstoffbetriebenen Fahrzeuge mehr zuzulassen, kann ich nicht nachvollziehen. Das betrifft doch nur die Neuzugänge – die Wagen, die umweltverpestend auf den Straßen unterwegs sind, dürfen ja noch weiterhin genutzt werden. Ohne einen gewissen Druck von oben wird sich die Automobilindustrie nicht ins Zeug legen. Von daher bin ich natürlich auch für die blaue Plakette.

In Städten gibt es die Möglichkeit viele Wege mit dem ÖPNV, dem Rad oder zu Fuss zu erledigen. Transporte können mit Lastenrädern oder mittels Carsharing durchgeführt werden. Es ist nicht mehr notwendig, dass jeder Verkehrsteilnehmer ein eigenes Auto – egal ob mit oder ohne Elektroantrieb – besitzt. Das Platzproblem findet nur durch eine Verminderung von Fahrzeugen eine Lösung. Städte für Menschen da und nicht für Autos! Auf dem Lande ist der ÖPNV nicht flächendeckend vorhanden, viele Wege sind für Fahrräder und Fußgänger zu weit. Hier liegt die Chance beim Carsharing, optimal natürlich mit einem nachhaltigen Antrieb. 

Will man wirklich das Auto – oder möchte man eigentlich nur von A nach B kommen?! Eine Bohrmaschine brauche ich auch vielleicht einmal im Jahr, um ein Loch in die Wand zu bohren. Muss ich dafür eine besitzen? Die viel Geld kostet und nur Platz wegnimmt… Besitzen vs. Teilen…

Vor den Toren der Stadt…

  
Ich lese gerade das Buch „Landfrust“ von Axel Brüggemann. Dort heißt es: „Ein Landbewohner verbraucht wesentlich mehr Energie als ein Stadtbewohner. Oft sind es nur Kleinigkeiten … die vielen Autokilometer, die auf dem Land zurückgelegt werden. 75% der Pendler fahren täglich aus dünnbesiedelten Räumen in die Großstädte. All diese Faktoren zusammen zerstören den Mythos vom ökologischen Leben auf dem Land. … Auf dem Land wohnen, um die Schönheit der Natur zu genießen, und dann zwei Autos haben – das ist einfach verrückt.“

Die Infrastruktur hier ist dünn und dabei wohnen wir in Grasberg noch ziemlich im Speckgürtel von Bremen. Wenn ich mein Rad zur Alltagsmobilität nutze, kommen da schon einige Kilometer zusammen. Dazu benötigt man/frau eine ganz schöne Portion Idealismus, um trotzdem nachhaltig unterwegs zu sein.

Positiv betrachtet bedeutet es aber auch, dass ich beim Einkaufen und Fahrten zu irgendwelchen Terminen bereits mein sportliches Workout gleich mitmache. Die vielen dicken PKW auf dem Parkplatz des Sportstudios finde ich einfach nur lächerlich. Der Widerspruch der Leute einerseits bequem dort hinzufahren, um andererseits dann auf einem Ergometer oder Laufband zu trainieren ist doch unglaublich!

Auch hier auf dem Lande ist ein Auto die meiste Zeit des Tages nicht mobil, sondern steht statisch herum. Daher bietet es sich an, ein Auto mit mehreren zu nutzen. Das geht mit konventionellem Antrieb oder noch nachhaltiger mit Elektroautos. Die sind superleise und beschleunigen schnell! Der Spaßfaktor ist also nicht zu verachten. Dazu ist das Aufladen an öffentlichen Ladesäulen kostenlos –  sprich „Tanken“ für lau!

Wer in Tarmstedt, Wilstedt und Umgebung unterwegs ist, sollte seinen Blick auf die neuen Mitfahrerbänke richten. Diese Idee finde ich toll. Da hat sich jemand Gedanken gemacht und ist gleich ans Werk gegangen. Die soziale Komponente wird mit der nachhaltigen verknüpft. Jeder einzelne kann etwas zur Verbesserung beitragen, man muss nur einmal damit anfangen. Einmal in Gang gesetzt, beschleunigen sich positive Prozesse dann oft von selbst.

Vom ADFC gibt es eine Umfrage, die zwar mehr auf städtische Umgebung gerichtet ist, aber meiner Meinung nach sollten auch Menschen teilnehmen, die auf dem Lande wohnen! So ergibt sich die Chance, dass die hiesigen Gemeindevertreter Einblicke in die Bedürfnisse der Radfahrenden bekommen.

Das i:SY im Kidstest

Radfahren macht Spaß! So ein Lastenrad funktioniert auch als Familienkutsche für 1 bis 2 Kinder. Und die finden das megacool. Auch wenn Sie schon lange selbst radeln können. Im Vergleich zum gestrigen Megaeinkauf war die Gewichtszuladung nur gering. Den e-Antrieb habe ich allein für den Spaßfaktor verwendet. 😀 Für die Sitzbank sollte man ein Kissen oder Polster besorgen, bei einer längeren Fahrt wird es sonst unbequem.

Zum Kindertransport ist ein Lastenrad eine gute Alternative zum Fahrradsitz oder Anhänger. Das Kind sitzt höher als im Anhänger (dort ist es in der gleichen Höhe wie die Autoabgase!) und sieht auch etwas. Man selber hat das Kind im Blick und kann sich während der Fahrt unterhalten. Etwas Platz, um ein paar Kleinigkeiten mitzunehmen findet sich auch noch.

Meiner Meinung nach eine echte Alternative zum (Zweit-)wagen für eine Familie mit kleinen Kindern.  

Technisches:

  • Schaltung: 9 Gang Shimano Sora
  • Heckmotor
  • Gewicht: ca. 40 kg
  • Straßentauglich mit Beleuchtung und Klingel

Viele tolle Lastenräder gibt hier, auch zum ausleihen!

Im Kaufrausch – Großeinkauf mit dem Lastenrad

So rein optisch ist das i:SY ein ganz anderer Schnack als das Omnium. Es hat keine Plattform, sondern eine Mulde mit herausklappbarer Sitzbank. Damit wird ganz klar eine andere Zielgruppe angesprochen: Eltern, die ihre Kids transportieren wollen und eben auch Großeinkäufe machen müssen. Das Lastenrad erinnert ein bisschen an eine Kreuzung aus Hollandrad und Schubkarre. 😜

Für mich war zuerst einmal die Sitzposition etwas gewöhnungsbedürftig. Aufrecht, halt hollandradmäßig. Der Elektroantrieb funktioniert auch für Technikdussel denkbar einfach. Anschalten und die gewünschte Unterstützung von Stufe 1 bis 5 auswählen. 0 entspricht neutral und mit dem Minusbereich kann man Akkukapazität sparen. Um leer und ohne nennenswerte Steigungen und Gegenwind zu fahren, reicht mir „neutral“ vollkommen aus. Einen Geschwindigkeitsrekord gibt es damit natürlich nicht. Aber es muss auch nicht immer gerast werden, manchmal ist gemütliches Fahren auch sehr schön. 

Auf meinem Weg von Bremen nach Grasberg hatte ich genügend Zeit, um mein Augenmerk auf die Beschaffenheit der Radwege zu richten. Holpriges Pflaster, Baumwurzeln und zerbrochene Betonplatten steckt das i:SY nicht optimal weg, die Mulde klappert laut und die Bodenbeschaffenheit ist gut am Hintern zu spüren. Am besten kann man damit auf der Straße fahren. 

Der absolute Härtetest folgte nun beim Großeinkauf. Da mir die riesige Mulde zur Verfügung stand, habe ich bei Getränken (20,5 ltr.) so richtig zugeschlagen. Waschpulver (10 kg) war grade im Angebot und dazu noch das übliche Sammelsurium von Süsskram über Joghurt bis zu Klotzfisch. Der Einkaufswagen liess sich nur noch schwer steuern. 

Der Megaeinkauf passte perfekt in die Mulde! Puuh, gutes Augenmaß gehabt. So um die vierzig Kilo plus Radgewicht wollte ich mir dann nicht antun. Jetzt war ich bereit für den E-Antrieb.

Sehr angenehm, das Fahren war überhaupt nicht anstrengend, lockeres Pedalieren wie mit Rückenwind bergab. Nur im Lenkverhalten macht sich die Zuladung bemerkbar. Abrupte Bewegungen sollte man tunlichst vermeiden! Beim Anfahren hat man den gleichen Effekt, als würde man angeschoben bzw. wie ein „Kickdown“ in PKWs mit Automaticgetriebe. Coole Sache, das! Damit kann man auch ’ne Waschmaschine den Weyerberg hochbringen, oder so…

Morgen mehr zu: Kids an Bord und Technik