Heerscharen von Pendlern


In meiner Tageszeitung, dem Weser-Kurier, war heute ein größerer Artikel über die Pendlerströme zu lesen. Unglaublich viele Menschen fahren jeden Tag in die Stadt (in Bremen sind es 129.000!) hinein – die meisten davon alleine in einem Auto! Da ist es doch kein Wunder, dass es weder vor noch zurück geht. Jede Person nimmt doch ungefähr 8 m2 Platz für sich in Anspruch und das ist noch knapp kalkuliert (Größe eines Golfs), da die meisten Autos viel größer sind! „Stadt-Geländewagen“, die auch für „einen Kampfeinsatz in Kabul“ geeignet wären, so Harald Welzer

Und ehrlich, vor diesen Ein-Mann-Panzern habe ich auf meinem Rad (völlig egal, ob es 7,5 oder 14kg wiegt – eine Knautschzone haben alle nicht) einfach Angst! Das aggressive Motorgeräusch und der Gestank geht mir auf die Nerven und an meine Gesundheit! Wenn wenigstens jedes Auto voll besetzt wäre – dann könnte man pro Wagen vier Stück einsparen und das Stauproblem würde doch wesentlich kleiner! Oder man kombiniert wenigstens seine individuelle Mobilität mit der des ÖPNV… Also mit den PKW vom Dorf / Wohnort bis zur nächsten Haltestelle und von da aus zur Arbeit. Spart Sprit, schont die Umwelt und ich finde man kommt wesentlich entspannter an, als wenn man im Stau stehen muss. 

Ich sehe ein eigenes Auto als nicht so vorrangig an. Eigentlich möchte ich doch nur von A nach B kommen; günstig, möglichst schnell und ohne Stress! Wenn die Busanbindung in kleinen abgelegenen Dörfern so schlecht ist, das man die Strecke auch bequem in der Zeit zu Fuß bewältigen könnte, läuft was verkehrt! Aber wenn keiner mehr den ÖPNV nutzt, dann wird das Netz immer weiter ausgedünnt, so das schlussendlich nur noch der Schulbus fährt 😦 Und das kann doch wohl in niemandes Sinne sein?!
Immer mehr und immer breitere Straßen zu bauen, ist doch auch keine Lösung. Wo sollen die hin? Das kann nur zu Lasten von Wohnraum und den eventuell vorhandenen Grünstreifen gehen. Dann ist bald nur noch Platz für Autos da und nicht für Menschen! Lange würde der Effekt wohl auch nicht halten, da die Autos dann noch größer gebaut werden (ist ja Platz genug da…). 

André Fesser hat den alltäglichen Pendlerstau kommentiert. „Wer zumindest ab und zu mal umsattelt, trägt zur Problemlösung bei. Und vermeidet den Stau.“ Recht hat er!

BBC – die Erste!


„Endlich geht es wieder los!“ Zum Saisonstart der freitäglichen BBC-Runde erfreute uns ganz standesgemäß herrlicher Sonnenschein. So fand sich eine größere Anzahl unterradelter Menschen am Treffpunkt beim Platzhirsch ein. Einige Mutige traten sogar in kurz/kurz in die Pedalen. 

Schnelle Runden, bei denen man heizen kann, gibt es in Bremen genug. Hier ist der Ansatz ein Anderer: Die BBC-Runde ist als eher gemütliches Einradeln ins Wochenende gedacht. Wenn z.B. eine RTF oder ein Rennen ansteht und man etwas die Beine auflockern möchte, ohne gleich die ganze Power ins Pedal zu geben. Oder als Treff, für all diejenigen, die „einfach nur Radfahren“ möchten, ohne jedesmal durchpowern zu müssen. Der Schnitt ist eher Nebensache und anfängertauglich. Geplant sind um die zwei Stunden Fahrzeit und 50 – 60 km. Naturgemäß wird es mit der fortschreitenden Saison etwas weiter und evtl. schneller. Die Runde ist offen für alle. Wer danach noch nicht ausgepowert genug ist, kann ja noch eine Intervallrunde hintendran hängen…😉

Wir BBCs sind kein Verein, sondern eine Truppe Leute, die gerne Radfahren – und dabei unterschiedlich ambitioniert sind. Manche von uns fahren Rennen mit, andere „nur“ einige Touren. Aber gerade das macht die Truppe aus, die Toleranz untereinander, denn uns alle verbindet die Liebe zum Rennradfahren. 🚴🚴🚴🏼

Die Runde jedenfalls war sehr entspannt, hatte viele Mitfahrer und es gab nix zu meckern. Nächsten Freitag wieder! Wer mag ist herzlich willkommen, immer Freitags um 16 Uhr beim Platzhirsch!


(Fotos: Jörg Sudmann und Andreas Schulz)

Mal schauen, was ‚Draußen‘ so los ist…

Es wird Frühling. Das merkt man schon daran,dass allerorten Fahrradmessen stattfinden. Nach Osnabrück habe ich es nicht geschafft, zur Berliner Fahrradschau leider auch nicht (wird für 2018 fest eingeplant!), aber der Termin in Bremen ist immer fest gesetzt. Leider gibt es für eine Radmesse, bei der man ja davon ausgehen kann, dass deren Klientel mit dem Rad kommt, nicht ausreichend genug Fahrradstellplätze / Möglichkeiten das Rad anzuschließen. 

(Foto: Mit dieser Schönheit habe ich noch einiges vor😉)

Warum eine Messe, die in einer Halle stattfindet, den Namen ‚Draußen‘ trägt, erschließt sich auch nicht sofort. Ich fand die alte Bezeichnung Rad+Outdoor ja sinniger. Aber gut. Ein herzlicher Dank an den TORFKURIER, bei dessen Preisausschreiben ich mein Ticket gewonnen hatte! Den üblichen Preis für ein Ticket in Höhe von 9,-€ finde ich ziemlich happig. Es gibt allerdings genügend Möglichkeiten, sich ein vergünstigtes Ticket für 6,-€ zu ergattern.

(Foto: Cargobike für das urban stylische Kind)

Im Eingangsbereich warteten zahlreiche Tourismusstände auf Radurlauber, bzw. solche, die es werden möchten. Im eigentlichen Fahrradbereich lag der Fokus klar auf Elektrorädern. Lastenräder waren auch gut vertreten, egal ob mit Unterstützung, Kindersitzen oder als fahrender Bierausschank. Mir gefiel das Coffeebike ebenso wie der Kaffeestand beim Kulturbereich mit der Jurte. Wunderschöne alte Stahlrennräder sowie Trikots und Mützen (vergilbt mit Originalschweiss) konnten bestaunt werden. Außer Klamotten und Zubehör gab es gerade für die Rennradler etwas Spezielles: einen Stand, dessen Angebot die dauerhafte Haarentfernung war…

(Foto: eine fantastische Sammlung, Kristoffer!)

Im BMX und Skaterbereich ging es dafür deutlich lauter und hektischer zu. Ich entkam nur knapp einem Hörsturz, aber dafür waren hier auch die Stände mit den geilsten Klamotten. Kleine Label, viel nachhaltiges und upcycled. Gürtel und Portemonnaies aus alten Fahrradreifen etwa, megacoole Radrucksäcke aus Plane oder Teichfolie. Und die Radheldin kauft sich erstmal ’ne Mütze. Wird ja Frühling, schon klar…

In den weiteren Bereichen präsentierten sich die verschiedensten Sportarten, bzw. das Zubehör, was dafür benötigt wird: ob Surfen, Skaten, Tauchen, Bogenschießen, Parkour oder Kistenturmklettern, so gut wie nichts, was nicht vertreten war. Im Surfbereich sah ich einen als Wohnmobil modifizierten VW Bulli und dachte nur wow, da passen ja massig Fahrräder rein!

(
Foto: Die Sinnhaftigkeit eines Automobiles lässt sich nur anhand der Transportkapazitäten für Fahrräder erklären!)

In einer Halle auf einmal starker Essensgeruch und eine megalange Schlange. Aha – ein Hersteller verteilte kostenlose Pizzaburger. Der Veganerin in mir wurde schon mal schlecht… Ich konnte einen Blick in das Innere des Lastwagens, wo eine komplette industrielle Großküche drin war, erhaschen. Es wurde gerade eine ganze Palette mit Kartons voller Pizzen abgepackt. Nee, da hole ich mir lieber was zu Essen bei einem Stand, wo es nicht so fabrikmäßig zugeht.

(Foto: Kaffee muss sein!)

Also insgesamt sehr viel zu gucken, der eigentliche Fahrradbereich könnte noch ein paar Exoten / kleinere Hersteller und gerne noch mehr Bikekultur vertragen. Es macht immer wieder Spaß Leute zu treffen, die man sonst nur auf dem Rad sieht bzw. die den gleichen „Hau“ haben, wie man selbst! 

(Foto: Cargobike für Familientouren)

Als Radpendler unterwegs 


Jupp, nun bekommt Bremen also ein Fahrrad-Modellquartier. In der Neustadt – einem Stadtteil, indem ich eher selten unterwegs bin. Ich finde das ein spannendes Projekt! Bremen bewegt sich also in Richtung Copenhagen, der Vorbildstadt für alle Radler. Klar, den Autofahrenden gefällt es natürlich nicht! Aber um die Lebensqualität in der Stadt zu erhöhen muss der Autoverkehr einfach weniger werden. Die Leute, die aufs Land gezogen sind und in der Stadt arbeiten, haben diesen Schritt ja meist um der besseren Luft, der Ruhe, dem Platzangebot getan. Als Pionier aufs Land zieht man eher nicht der Kulturangebote, der Kneipenszene und begrenzten Einkaufsmöglichkeiten wegen…

Berufspendler können Park&Ride nutzen, um die letzten Kilometer mit dem ÖPNV zurückzulegen. Dann hat man keine Parkprobleme und kommt auch wesentlich entspannter am Arbeitsplatz an. Obwohl man mitunter schon grenzwertige Begegnungen mit skurrilen Mitmenschen in Bus und Bahn haben kann… Heute z.B. wäre ich doch lieber im nicht motorisierten Individualverkehr unterwegs gewesen. 

Dafür fehlt es aber noch an Radwegen, die Pendlerströme aufnehmen können. Wer schon mal morgens zu den Stoßzeiten auf dem Jan-Reiners-Weg unterwegs war, weiß wovon ich schreibe. Also breit genug müssen die Wege sein, damit man gefahrlos überholen kann und auch Radler mit Lastenrad oder Anhängern sicher fahren können. Gut asphaltiert sowieso, keine Schlaglöcher oder von Wurzeln hochgedrückte Pflastersteine. In den Abendstunden wäre eine gute Beleuchtung auch schön. Und bitte getrennt vom Autoverkehr, damit der schöne neue Weg nicht als Parkspur oder zweite Fahrbahn genutzt wird! Wenn die Autofahrer sehen, wie fix die Radpendler ans Ziel kommen, überlegt sich ja vielleicht der/die ein oder andere auf das Rad umzusteigen!

Imagine*
Stellt Euch mal vor, der Jan-Reiners-Weg wäre so, wie eben beschrieben und würde nicht in Lilienthal enden, sondern gut ausgebaut über Grasberg, Tarmstedt und die Timkedörfer bis nach Zeven führen… Für Einpendler mit e-Unterstützung ist diese Entfernung gut zu schaffen. Also, ich hätte Lust darauf!

Artikel aus der ZEIT über Radschnellwege für Berufspendler und noch einer aus dem Spiegel.

e-Mobility in Stadt & Land


Unsere Städte sind randvoll mit Autos. Alle Straßen verstopft, jede nur erdenkliche Möglichkeit zugeparkt. Das Problem gibt es schon lange und es wird immer schlimmer… 1984 (!) hat Herbert Grönemeyer darüber einen Song gemacht namens „Mambo„. Ich freue mich, wenn ich mit der Straßenbahn oder dem Rad an dem Chaos vorbeifahren kann. Mit dem Auto in die Stadt, dass ist der absolute Horror für mich! Vor allem: WOHIN mit der Kiste? Ich fahre ja leider keinen kleinen Smart, sondern einen ausgewachsenen Combi! Wie gesagt, es kommt vor, aber zum Glück nur selten. Dann schon lieber Park&Ride. An der Endhaltestelle oder z.B. bei einem Einkaufszentrum. Spart Benzin UND Nerven! 

Wenn man als Stadtbewohner mal ein Auto benötigt, weil man etwas transportieren muss, was groß und schwer ist oder aus anderen Gründen nicht auf den ÖPNV oder das Rad zurückgreifen kann, dann ist Carsharing natürlich ideal. Es gibt Anbieter mit festen Plätzen und welche, deren Wagen man einfach irgendwo abstellen kann (Freefloating). Natürlich sollte dort schon Platz sein und keine anderen Verkehrsteilnehmer damit behindert werden. Wenn nicht auf jeden Einwohner ein Auto kommt, wäre schon viel getan. Denn nur allein die Umstellung von einem mit Kraftstoff betriebenen Wagen auf ein Elektrofahrzeug bringt für die Lebensqualität in der Stadt nicht viel. Um Ressourcen zu bewahren, darf die Anzahl nicht einfach 1:1 ausgetauscht zu werden. Weniger ist in diesem Falle mehr!

Die Zukunft der Elektroautos würde ich eher auf dem Lande verorten. Das Platzproblem wie in den Städten ist nicht so akut. Dafür hakt es leider oftmals mit den Möglichkeiten des ÖPNV. In der Fläche sind Entfernungen zu überwinden, die oft mit dem Fahrrad nicht in einer adäquaten Zeit zu schaffen sind. Im Sommer hilft dabei ein Pedelec (oder wie auch immer genanntes elektrounterstütztes Fahrrad). Und im Winter möchte man sich am liebsten beamen… Wenn ein Landbewohner sein Fahrzeug vom Verbrenner auf Elektro umstellt, ist das schon eine gute Idee. Umweltschonend, da emissionslos und im besten Falle mit Ökostrom betrieben… Besser noch ist es natürlich, sein Mobilitätsverhalten generell in Frage zu stellen und zu überdenken. Muss ich mit dem Auto fahren? Oder kann ich mein Ziel auch anders (zu Fuss, mit dem Rad, mit dem ÖPNV, einer Mitfahrgelegenheit) erreichen? Brauche ich eigentlich ein eigenes Auto oder reicht Carsharing aus? Nur so viel Auto wie unbedingt nötig.

Nach dem Fasching beginnt wieder die Fastenzeit. Menschen üben freiwillig eine Zeitlang Verzicht aus. Auf bestimmtes Essen, Alkohol, Zigaretten, Facebook, Smartphones etc. Auch ein „Autofasten“ wird angeregt – Infos hier und hier. Sicherlich ein guter Ansatz – nicht nur zur Fastenzeit!

Wer das Auto relativ wenig nutzt, aber nicht ganz darauf verzichten mag, kann es natürlich anderen zur Verfügung stellen. Das mindert die eigenen Kosten und spart Ressourcen. Das Auto als Ich-Statussymbol hat doch ausgedient, oder? Es ist an der Zeit, dieses Besitzdenken (mein Haus, mein Auto, mein Boot…) zu überdenken. Das Auto ist ein Mittel zum Zweck, nämlich bequem von A nach B zu kommen. Mehr nicht! 

=> Bei den Mitstreitern der e-Carsharing Initiative SG Tarmstedt kann man testen, wie sich a) e-Mobilität und b) Carsharing anfühlen. Infos hier und bei Facebook.

(Grafik: diegocarranza89)

Ein fast perfektes Sportwochenende

  
Hatte eine ziemlich stressige Woche, viele Termine und wenig Zeit für Sport. Freitag gegen Abend wurde es richtig schön – rosafarbene Wolken am Himmel leiteten das Wochenende ein. Viel Zeit vorm Dunkelwerden war nicht mehr – schnell rein in die Laufklamotten und los… Herrlich! Das lief 😉 wirklich richtig gut und war super entstressend. Samstag früh gleich eine Wiederholung vor dem Frühstück, dachte ich mir. 

Tja, der Blick morgens aus dem Fenster zeigte mir allerdings Raureif auf dem Rasen *brrrr* nicht wirklich verlockend. Dann doch lieber Frühstück und etwas abwarten. Gegen Mittag sah es irgendwie doch ein wenig frühlingshaft draußen aus und auf Hausputz hatte ich keinen Bock mehr. Eigentlich könnte ich auch mit dem Rad los. Endlich mal wieder – ohne Rucksack hintendrauf und mit Klickschuhen ins Pedal. Spontanentschlüsse sind nicht immer wirklich top… Ich hätte mir doch lieber eine Windweste oder Softshelljacke drüberziehen sollen. Es war nämlich ganz schön windig. Nach den ersten Kilometern kam der dann von hinten, so dass bei mir der Eindruck von vorhandener Kondition, Geschwindigkeit und Trittfrequenz aufkam. Tja, nur leider änderte sich recht schnell meine Fahrtrichtung, und der Wind kam wieder von vorn. Dazu gesellte sich auch noch Sprühregen, so dass ich meine bereits gedanklich gefasste Route etwas abkürzte. Mittlerweile war mir wirklich ganz schön kalt. Das beste an diesem Training war die heiße Dusche danach. Obwohl: Lust auf Rennradfahren hab ich schon! Die innerliche Unruhe ist da. Nur mit diesem Wetter macht es nicht wirklich Spaß. Warum bloß lebe ich hier in der norddeutschen Tief(druck)ebene? Und nicht irgendwo, wo es trocken und warm ist?!

Dann die Krönung des Wochenendes: der Sportsonntag! Morgens etwas Laufen (nach dem Frühstück). Manchmal ist gut es, Dinge nicht so zu tun, wie man sie immer getan hat. Getragen von der Euphorie einer guten Nachricht kehrte ich am Wendepunkt meiner üblichen Route nicht einfach um. Es läuft sich so gut, ich habe noch keine Lust umzukehren, warum nicht noch etwas weiter laufen?! Habe ich dann auch gemacht. Und am Ende waren es 14 Kilometer!!! Dafür, dass ich üblicherweise 5 km laufe und noch niemals mehr als 10 km, war ich dementsprechend stolz und glücklich. Nachmittags war ich zum Spinning verabredet. Die zwei Stunden waren schweißtreibend und machten jede Menge Spaß. Natürlich legte ich die 11 km Strecke bis zum Fitnessstudio bzw. nach Hause mit dem Rad zurück. Allerdings nicht im Renntempo und dafür mit Rucksack.

Schwert, Schild und Fahrrad

… so heisst ein Song von einer meiner Lieblingsgruppen – Element of Crime. Dies erinnert etwas an den gegen die Windmühlen kämpfenden Don Quijote. Aber als so ganz aussichtslos schätze ich den Kampf für ein Umdenken der Mobilität nicht ein! Es gibt immer mehr idealistische Leute mit Ideen, die andere inspirieren, so dass die Bewegung in Fahrt kommt (Mobilität halt ;)). Wenn man es dann schafft, dass darüber berichtet wird, fühlen sich andere vermeintliche Einzelkämpfer in ihrem Tun bestärkt und ermutigt.

Leute, die kreuz oder auch mal quer denken sind wichtig für unsere Gesellschaft! Das freie Denken darf von niemanden eingeschränkt werden. Gewisse populistische Strömungen machen mir echt Angst! Viele Erneuerungen sollen gestoppt, Errungenschaften rückgängig gemacht werden. Da soll z. B. der Radwegebau eingeschränkt werden, damit Mutti sich nicht allzuweit von KKK (Küche, Kinder, Kirche) entfernen kann. Der Radius der persönlichen Freiheit der Frau ohne Zweitwagen wird somit auf die fußläufige Beweglichkeit reduziert. Prima dagegen finde ich diese kirchliche Initiative, die besonders Hausfrauen zum Carsharing einlädt.

Ähnlich sieht es mit den Geflüchteten aus: Auch sie sind auf Mobilität angewiesen – insbesondere, wenn sie irgendwo auf dem Lande gelandet sind. In den Städten sind die vielen Behördengänge, Besuche von Deutschkursen etc. leichter zu organisieren. Wenn man dagegen auf den ländlichen ÖPNV angewiesen ist, wird es schwierig. Glück haben diejenigen, bei denen es das Angebot eines Bürgerbusses gibt. Kein Wunder, dass viele Familien lieber in Ballungszentren ziehen möchten. Aber mit der Akzeptanz und Aufnahme der Geflüchteten hätten viele Dörfer die Chance der Überalterung und Landflucht zu entgehen.

Zum Glück gibt es Initiativen, die z.B. Fahrräder mit UND für Flüchtlinge instandsetzen; Integration und Mobilität gleichermaßen. Nicht nur in Bremen kann man Räder und Ersatzteile spenden. Am besten einfach mal die Flüchtlingshelfer vor Ort ansprechen.

Wer sich selbst bewegt, egal ob zu Fuß oder mit dem Rad, macht sich den Kopf frei. Durch die Bewegung wird das Gehirn gewissermaßen auf Reset gesetzt. So schließt sich der Kreis von Mobilität und freiem Denken…

Video „Laufen macht den Kopf frei“ von der Tagesschau

Das Foto oben zeigt mal eine andere Möglichkeit sein Fahrrad anzuschließen ☺

frozen – not Disney!

  
Seit gestern ist es eisig kalt. Sibirische Kälte… Laut Thermometer eigentlich gar nicht so schlimm, aber durch den Wind liegt die gefühlte Temperatur bei -10 Grad – mindestens! Gestern hatte ich leider keine Zeit für Sport, mein Tag hatte nicht viele Highlights. Und ich habe die ganze Zeit über gefroren. Heute früh schon nicht besser. Volle Bahn (wieso fällt mir dabei immer „Straßenbahn des Todes“ von Sven Regener ein?!), fiese Heizungsluft und herumhustende Menschen… Alles voller Killerbakterien, igitt! 

Mir war halt kalt, ich hatte schlecht bzw. kaum geschlafen und war nicht gut gelaunt. Zulange nicht im Flow gewesen. Den inneren Schweinehund zur Seite gedrängt, megaviele Klamotten angezogen und raus, laufen! Das Gefühl ist erstmal so ähnlich, als würde man bei diesen Temperaturen in ein Wasserbecken fallen… Eisig kalt und bleischwer. Als wenn da so eine Schicht um einen rum wäre… Aber nach einigen Minuten wird es besser, der Körper überwindet den Kälteschock und kommt langsam auf Betriebstemperatur. Die Füsse fangen an, im Rhythmus zu laufen. „Mir ist kalt, so kalt…“ Vielleicht sollte ich mal was anderes beim Laufen hören als Rammstein?! Jedenfalls kommt er schnell, der Flow! Nicht denken, nicht frieren, nur ganz eins sein in der Bewegung. Auf dem Rückweg dann Intervalle. Immer von einer Auffahrt bis zur nächsten. Mein Keuchen übertönt Rammstein. Egal. Komme Zuhause an, mir ist nicht mehr kalt und gegen das Tristesse-Gefühl in der norddeutschen Provinz hat es auch irgendwie geholfen.

Plädoyer für den Sport!

  
Laufen oder Radfahren aus Freude an der Bewegung ist toll! Man sollte sich schon für eine Sportart entscheiden, die einem Spaß macht. Manches ist schön alleine, um richtig abzuschalten und den Kopf freizukriegen. Aber manchmal ist es auch super mit einem tollen Team unterwegs zu sein. 

Nicht immer ist alles einfach und im Komfortbereich. Das kann man machen, klar. Aber für mich bedeutet Sport auch an meine Grenzen zu gehen. Abzustecken, wo sie sind und Stück für Stück darüber zu gehen. Hermann Hesse hat gesagt: „Man muss das Unmögliche versuchen, um das Mögliche zu erreichen.“ Da hat er recht und zwar nicht nur auf Sport bezogen. Man sollte sich allerdings Ziele setzen, die für einen selbst erreichbar sind. Mitteilen muss man sie ja nicht jedem… Ich bin z. B. mir gegenüber immer ein viel stärkerer Kritiker, als es jemand anders sein könnte.

Wenn man dann den Grenzbereich überschritten und über sich hinausgewachsen ist, ist das ein unglaubliches Gefühl! Dieses Zusammenspiel von körperlicher Erschöpfung und gleichzeitiger Euphorie muss man selbst erlebt haben!

Langsam geht es los mit den ersten Terminen, bzw. Anmeldungen für die Startplätze. Ich bin bei dem 24h Radmarathon in Nortorf (08./09.07.17) mit dabei und freue mich schon riesig. Ein Haufen radsportverrückter Leute, Zeltlagerfeeling im Fahrerlager und Spitzenorganisation durch die RSG Mittelpunkt. Ich freue mich drauf! Und auf die anderen verrückten BBCler, die dabei sind natürlich auch! 🙂 In diesem Blog werde ich natürlich darüber berichten… 

Haben oder Teilen?

  Einige Gedanken zum sharen von Autos und anderem

Mittlerweile empfinde ich ein Auto nicht mehr als Statussymbol, sondern als Gebrauchsgegenstand. Es spricht nichts dagegen, ihn mit anderen zu teilen, solange er im Originalzustand, nicht kaputt oder verdreckt, zurückkommt. Bei anderen Gebrauchsgegenständen greift da manchmal der persönlichen Effekt, d. h. meine Zahnbürste teile ich mit absolut NIEMANDEN! Etwas wie ein Lastenrad würde ich allerdings teilen. Es ist ebenfalls zu teuer, um es ungenutzt herumstehen zu lassen. Gleichzeitig dient es als Multiplikator und kann man andere Menschen für das Radfahren begeistern!

Bei einem Elektrowagen herrscht übrigens auch „Arbeitsteilung„: Die beiden Pedale sharen sich die Aufgaben „bremsen“ und „beschleunigen“ (Strom geben). Denn es sind Automaticwagen, die vielleicht in Zukunft ganz autonom unterwegs sind. Strompedal – tolles Wort! 😃 Sich von einem Schaltgetriebe auf einen Automaticwagen umzustellen geht übrigens sehr leicht und schnell! Wenn man sich nicht mehr mit dem lästigen Schalten herumplagen muss (gerade beim stop and go im Stadtverkehr) kann man sich auch mehr auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren. Indirekt dient es so der Verkehrssicherheit und minimiert das Unfallrisiko.

Die Rücksichtslosigkeit der stärkeren Verkehrsteilnehmer sehe ich auch als das größte Hindernis für den shared space. Die Schwächeren trauen sich nicht ihr Anrecht auf gemeinsam genutzten Platz durchzusetzen. Hier könnte das autonome Fahren regulierend eingreifen. Ein Roboter entwickelt keinen Egoismus, wenn er nicht entsprechend programmiert wurde. Und er fordert auch keine eingebaute Vorfahrt heraus, nur weil er am Kühler einen Stern trägt!

Ist es eigentlich sinnvoll, in einer Welt mit begrenzten Mitteln und endlichen Resourssen alle möglichen Dinge zu besitzen? Wäre es nicht besser, sie mit anderen zu teilen? Als Beispiel dient die berühmte Bohrmaschine, die ein Normalnutzer im Leben insgesamt nur 13 Minuten (Quelle: brandeins Magazin) lang in Betrieb hat. Dieses recht teure Gerät liegt also die meiste Zeit ungenutzt herum und verbraucht auch noch Platz. Warum also kaufen? Es ist absolut ausreichend, es für den Einsatz auszuleihen. 

Bei der Mobilität ist es ähnlich. Ein Auto steht ebenfalls viele Stunden am Tag ungenutzt herum. Es verkörpert dabei gerade das Gegenteil von Mobilität und stellt sich als Immobilie dar! So unglaublich viel Platz wird verschwendet an herumstehende Autos: Garagen und Carports auf den Grundstücken, Fuß- und Fahrradwege entlang der Straßen in den Städten. Aber auch auf den Dörfern wird der Wagen oft acht- und rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern irgendwo abgestellt.

Share & care – In einer Welt mit endlichen Ressourcen muss sich das Besitzdenken ändern. Man braucht nicht einfach alles kaufen, was zu haben ist. Wir müssen einfach weg vom Konsumismus, um unseren Kids noch eine Welt zu hinterlassen, in der man leben kann und möchte! Das „Sein“ ist wichtiger als „Haben“!