#Eurobike – Ich seh‘ nur noch Räder (Teil 1)


Die Empfehlung des Camping war doch gut. Im Hellen betrachtet sah alles gleich freundlicher aus. Eine laaaaange heiße Dusche und literweise Kaffee später war meine Welt wieder in Ordnung. Habe sogar das klitschnasse Pop-up Zelt wieder in die Tasche gestopft bekommen. In die Messe durften nur die Aussteller rein, die Pressevertreter wurden gestoppt. Erst ab 9 Uhr!

Welcome at #Eurobike…

sagt ein Mitwartender zu mir. Die Unfreundlichkeit am Einlass ist anscheinend legendär. Ganz anders an der Garderobe: Klitschnasse Gepäckstücke wurden als ein Teil akzeptiert. Einmal quer über das ganze Gelände und dann war ich in der Bloggerbase. Hier stand Kaffee bereit und Brötchen. Einige Firmen stellten ihre Produkte in kurzen Pitches vor. Den Anfang machte ein Fahrradschloss mit lauter Alarmsirene. Die Mitarbeiter am Stand taten mir jetzt schon leid.

Räder in Hülle und Fülle

Ein Tag ist viel zu kurz, um hier alles zu sehen. Oder auch nur einiges. Ich hatte mir ein paar Firmen aus dem Katalog herausgesucht, ließ mich aber auf dem Weg dorthin treiben. Es gibt oft Dinge am Wegesrand, von denen man eben vorher nicht weiß, die interessant sind. Die Stände der großen Hersteller finde ich nicht so anziehend. Da gibt es genügend andere Blogger, die darüber berichten.

Mut zur Farbe

Mittlerweile scheint der Trend sich wieder zu bunten Rädern hin zu bewegen. Hier habe ich gleich mehrere Räder in orange oder Laubfroschgrün entdeckt. Mit Morpho falle ich zuhause überall auf, vielleicht begegnet uns bald ein zweites oranges Rad in freier Wildbahn. Orange ist eben nicht nur die Müllabfuhr!

Foto: De Rosa mit Campagnolo ❤️

In the summer of 2017…

 

Ist das schon der Klimawandel oder einfach nur Pech am Siebenschläfertag?! Heute ist wieder so ein richtiger herbstlicher Nieseltag… Kein bisschen hochsommerlich, wie es Mitte August zu erwarten wäre! Am Dienstag erst wollte ich abends zum Grillen, beim Start nur ein paar Tropfen – „geht schon“, also wie geplant mit dem Rad los. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sich einregnet… Die letzten Kilometer zogen sich und mir fiel nur der Refrain von Monty Python „Always look on the bright side of life“ ein, den ich dann sang, um die Fahrt zu verkürzen. Meine durchnässte Jeans trocknete ich vor dem Grill stehend…

 

Eigentlich habe ich ja viele Radklamotten. Eine Rennradüberjacke, nur für leichten Regen geeignet, ohne Kapuze und 0% atmungsaktiv. Aber die Farbe ist schön! 😎 Eine dünne Laufjacke, immerhin mit Kapuze. Zwei Softshelljacken, eine neonfarbige, die ich im Herbst/Winter oft trage. Beide ebenfalls ohne Kapuze und im Sommer eindeutig zu warm. Und eine Tchibo-Überhose. Die anzuziehen ist umständlich, falls man die Schuhe gerade nicht ausziehen kann. Und kann man das, wenn man in einen Regenschauer gerät? Die Saumweite lässt sich mit Klett leicht regulieren, ist mir aber trotzdem noch zu weit. Alles nicht für tüchtige Schauer geeignet und von innen her sehr schwitzig, wenn man in Bewegung ist. Bei einer Pause kühlt man dafür sehr schnell aus.

 

Im Outdoorladen haben mir die Preise einen Schock versetzt. 100,-€ für ’ne Überhose! Jacken ebenfalls. Die Regenjacke hatte immerhin Silikonränder an den Säumen und ein verlängertes Rückenteil. Der Reißverschluss war schwergängig, aber immerhin abgedeckt, also vermutlich wasserdicht. Eine Kapuze muss extra dazu gekauft werden, es war aber keine zum Anprobieren da. Wenn man mit Helm unterwegs ist, tut es wohl auch ein Helmcover. Das ist a) günstiger und b) stört es nicht das Sichtfeld. Da mich die Sachen nicht überzeugen konnten, habe ich nichts gekauft und hoffe auf besseres Wetter!

 

Lehrer, rauf auf’s Rad…

getreu dem Motto „Mens sana in corpore sano“ ein gesunder Geist wohnt in einem gesunden Körper!

In meiner Nachbargemeinde Tarmstedt tut sich so einiges in Sachen Nachhaltigkeit. Jetzt gibt es ein neues Projekt, initiert von der 16jährigen Schülerin Neele Wesseloh. Der Klimawandel ist ein Thema an der KGS Tarmstedt, es gibt sogar ein eigenes Seminarfach dazu. Diese Schule hat zwei ca. 450 m auseinanderliegende Gebäude. Die Lehrer müssen oft zwischen den Stunden die Gebäude wechseln. Schwere Taschen, knapp bemessene Zeit und manchmal schlechtes Wetter tun ihr Übriges: der Lehrkörper nutzt für den Weg das Auto. Das ist nicht nachhaltig und auch kein gutes Vorbild!

Die Neele nutzt für ihren Schulweg selbst das Fahrrad und hatte dann die Idee zu einem prima Projekt: „Umweltfreundlich mit dem Fahrrad“! Bikesharing im kleinen Rahmen an der Schule. Die Schulleitung steht dahinter und auf der Gesamtkonferenz fand es großen Beifall. 25 Lehrer*innen haben sich schon in eine Liste eingetragen und wollen mitmachen. Neele hat bereits sechs gebrauchte Fahrräder gespendet bekommen. Auch wurde schon etwas Geld gesammelt, bzw. durch Waffelverkauf in den Pausen. Davon sollen Fahrradschlösser und -körbe finanziert werden, sowie eventuelle Ersatzteile. Es wird ein Schuppen auf dem Schulgelände aufgestellt. Dort können die Räder zum Schutz vor Vandalismus nachts, am Wochenende und in den Ferien abgestellt werden. Die AG Fahrradwerkstatt soll wieder ins Leben gerufen werden, um die Pflege und Wartung der Räder zu übernehmen.

Das Thema Nachhaltigkeit hat sich Neele zu eigen gemacht. Für ihre Facharbeit im Seminarfach Klimawandel hat sie die vielen verschiedenen Aktivitäten in der Samtgemeinde Tarmstedt zusammen getragen. Von Biogasanlagen und Windparks (erneuerbare Energien) über Elektromobilität in der eCarsharing Initiative, die dazugehörigen Lademöglichkeiten, Mitfahrbänke und jüngst die Mobilitätsstudie. Es gibt so viele Aktivitäten, die Samtgemeinde ist wirklich ein Leuchtturm! Diese Facharbeit wurde dazu noch mit der Note 1+ bewertet – toll! Ich würde mich freuen, wenn das Fahrradprojekt ein ebenso großer Erfolg wird. Unterstützer dafür kann es gar nicht genug geben! 😊

Es werden gerne noch gut erhaltene Fahrräder und weitere Spenden angenommen. Der Schulverein der KGS Tarmstedt hat dafür ein Spendenkonto eingerichtet. Wer von dem Engagement genauso begeistert ist, wie ich und es ebenfalls unterstützen möchte, den vermittle ich gerne weiter. Bitte einfach über die Kommentarfunktion anschreiben oder eine E-Mail schicken. 😊

Hier geht es zu einem ausführlichen Artikel in der Wümme Zeitung.

Racing zwischen Historie und Moderne

Es gibt mittlerweile echt viele Radevents, die spannend klingen, bzw. über die man etwas Gutes gehört hat. Eine lange Anreise gehört oft dazu. Da ist es natürlich prima, wenn so ein Event unmittelbar in der Nähe stattfindet. In der Bremer Überseestadt. Also praktisch fast vor meiner Haustür startet am 9.+10. September der zweite Velotörn. Im letzten Jahr habe ich meinen Teamkollegen vom B.B.C. zugejubelt, aber das genügt irgendwie nicht. Vielmehr hat es in mir den Wunsch geweckt, selbst an diesem Rennen teilzunehmen.

Gestern also hat Bernd Rennies zum Radtraining eingeladen. Die Überseestadt hat sich in den letzten zehn Jahren unglaublich städtebaulich gewandelt. Wenn man dort eher selten ist, staunt man immer wieder! Zwischen alten Industriekomplexen wachsen ultramoderne Bürogebäude. Dieser Gegensatz hat schon etwas! Die Rennstrecke ist ein Rundkurs über fünf- bzw. neunmal 11 km. Die Strecke ist schon recht anspruchsvoll, da viele Kurven zu fahren sind und auch ein Teil über Kopfsteinpflaster führt. Dort gilt eine Pavé-Wertung, d.h. nicht der schnellste Fahrer gewinnt, sondern derjenige, der die Runden dort am konstantesten fährt. Allgemein gilt: dicken Gang rein und ruhig weiterkurbeln! Ein kleines bisschen Paris-Roubaix-Feeling für die Jedermänner und -frauen…

Ein Training auf der Originalstrecke ist eine gute Idee, um sich auf das Terrain schon einmal einzustellen. Fahrtechnik üben schadet sowieso nie! Mit einer Streckenbesichtigung ging es auch zuerst los; dazu etwas einrollen zum Warmwerden. Anschließend einige Runden mit Sprints (von hinten losspurten, am Feld vorbeiziehen und sich vorn an den Kopf der Gruppe setzen). Das ist schon etwas anderes als die übliche Sonntagsausfahrt! Ins Schwitzen zu kommen, ist ausdrücklich erlaubt. 😎 Ganz zum Schluss noch Kurventraining in einer 90 Grad Kurve. Bei Renngeschwindigkeit in der Gruppe ist es schon wichtig, die Spur halten zu können, sonst sind Unfälle vorprogrammiert. Hier muss ich noch weiter an mir arbeiten. 

Bei prima Wetter und einem alkoholfreien Weizenbier klang der Abend aus. Gastronomie zum Draußensitzen gibt es in der Überseestadt auch. Bis zum nächsten Dienstag dann!

Info: Für das Radtraining wird keine Anmeldung benötigt. Einfach hinfahren und mitmachen! Treffpunkt: Dienstags um 18 Uhr auf dem Parkplatz bei Stadler. 

(Foto: Bernd Rennies)
Dieser Text spiegelt meine Meinung nach der Teilnahme an dem Radtraining wieder. Für den Velotörn habe ich mich auf dem üblichen Weg registrieren lassen und Startgeld gezahlt.

Mit dem Lastenrad in der Bahn


Lastenräder sind toll! Man kann prima umweltverträglich diverse Sachen damit transportieren. Und an sportlichen Events damit teilzunehmen, geht auch 🙂 Aber da heißt es erst einmal hinkommen: Das Lastenrad passt nicht auf einen Fahrradträger und in meinen Kleinwagen sowieso nicht. Statt Transporter dann lieber nachhaltig mit dem ÖPNV. Beim Onlinebuchen des Bahntickets stellte sich schon raus, dass man die Fahrkarte für’s Rad nur am Schalter bekommt. Warum, ist mir leider unverständlich. Der nette Mensch hinterm Schalter beruhigte mich allerdings, mit der Größe des Rades* würde ich wohl keine Probleme bekommen. Nur an den G20 dachte im Februar noch niemand…

In Hamburg hätte ich eigentlich nur umsteigen müssen, aber nun fuhren die Züge nicht / mit viel Verspätung / ab ganz anderen Haltestellen. Ich musste von Harburg bis Altona mit der S-Bahn fahren. In den Fahrstuhl am Bremer Hauptbahnhof passt das Omnium so gerade eben rein. In Harburg muss man schon ein normales Rad hochnehmen. Wie gut, das ich mir ein „leichtes“ Lastenrad ausgeliehen habe, das sich sogar hochkant abstellen lässt. Allerdings brachte mich der Fahrstuhl nicht zum S-Bahn-Gleis. Dieses war nur über zwei Treppen zu erreichen. Kleine Krafteinheit zwischendurch… Zum Glück war die S-Bahn recht leer und es hinderte mich keiner daran, mit dem Lastenrad einzusteigen. In der Bahn wurde es immer unheimlicher, bewaffnete Bahnpolizei stieg zu und es musste immer wieder gewartet werden, bis die Gleise frei seien. In Altona wieder – oh Wunder – kein Fahrstuhl. Aber immerhin zwei Rolltreppen. Bei der ersten verkantete sich das Vorderrad, was mit „freundlichen“ Kommentaren der nachfolgenden Leute bedacht wurde. Als ob es dadurch besser gehen würde… Durch den erzielten Lerneffekt klappte die zweite Rolltreppe aber gut. Als ich dann glücklich im Regionalexpress in Richtung Flensburg sass, dachte ich nur, dass mich jetzt nichts mehr schocken könne. 

Die Rückreise zeigte dann, wie einfach es eigentlich gehen kann. Im Regionalexpress fuhren einige übermüdete Radsportler mit, der Fahrstuhl im Hamburger Hauptbahnhof hatte ausreichende Größe, nur im IC-Fahrradabteil war es etwas eng. Dumm nur, das die Ausstiegsrichtung erst im letzten Moment angesagt wurde und logischerweise entgegengesetzt meiner Annahme war.

Das Anstrengenste an der Nortorf24 war eigentlich der Rückweg von Bremen Hauptbahnhof nach Adolphsdorf. Da hatte ich keine gepolsterte Radhose mehr an, sondern eine Jeans, damit schmerzte es doch sehr…

* = Länge ca. 218 cm, Breite ca. 50 cm, Gewicht ca. 18 kg

Wer dieses oder ein anderes Lastenradmodell gerne mal testen möchte, kann es bei Sønsteby’s in Bremen ausleihen. So habe ich das auch gemacht! 😃

Just ride – 24 Stunden in Nortorf


Was macht den Reiz von Wettkämpfen und Radsportveranstaltungen aus? Zum einen natürlich der Wettstreit mit anderen, das Austesten der eigenen Grenzen, aber auch die Gewissheit dort andere Menschen zu treffen, die einen ähnlichen „Hau“ weg haben, wie man selbst.

Ähnlich ist es in jedem Sommer in dem kleinen Städtchen Nortorf, welches ganz zufällig den geografischen Mittelpunkt Schleswig-Holsteins bildet. Die RSG Mittelpunkt hat mittlerweile zum achten Male ihren 24 Stunden Radmarathon ausgerichtet. Ich kenne keine andere Veranstaltung, die so gut und liebevoll organisiert wird! Den vielen Helfern auch von meiner Seite ein ganz dickes Lob und ein ❤ liches Dankeschön! Das spricht sich natürlich bei den Teilnehmern herum, die meisten sind zum wiederholten Male dabei. Und einige haben durchaus eine längere Anreise gehabt, Radsportler vom Starnberger See etwa oder aus Köln.

Bei meinem Lastenradtest im letzten Jahr, hatte ich schon die fixe Idee, mit dem Omnium an diesem Event teilzunehmen. Dieses Cargobike ist von seiner Rahmenkonstruktion her auf schnelle Geschwindigkeiten ausgelegt. Es ist auch deutlich leichter als andere Lastenräder. Kristoffer von Sønsteby’s hat das Rad noch renntauglich ausgestattet, mit Rennlenker, einer Campagnolo Record Schaltung (!) und Rennbereifung natürlich. Die Pedale habe ich gegen meine eigenen getauscht, damit ich eingeklinkt fahren konnte.

Die Frage war, ob sich das Lastenrad nicht nur für den Alltag eignet, sondern wie es sich im sportlichen Einsatz macht.

Ein Lastenrad fiel natürlich gleich ins Auge, da fast alle anderen Teilnehmer Rennräder dabei hatten. Es gab einige Zeitmaschinen, Radonneure und ein oder zwei Trekkingräder. Die Teilnehmer fahren neutralisiert bis zum eigentlichen Start angeführt von Bernd auf seinem Klappi. Ich bin ja noch nie Klapprad gefahren, aber das hat irgendwie was…

Windschattenfahren geht mit dem Cargobike nicht wirklich, bzw. war mir zur gefährlich. So war klar, das ich einen Großteil solo fahren würde. Der Wind war ziemlich stark, was allerdings den Vorteil hatte, das die dicken Wolken schnell weitergepustet wurden. Die Nortorf „Runde“ ist eigentlich ein fast gleichschenkliges Dreieck. Es gibt einen Anstieg auf der Strecke, der gefühlt mit jeder Runde steiler wird. Ich habe mit dem Lastenrad tatsächlich einige Rennradler dort überholt, was mich doch erstaunt hat. Bergab war ich mit dem höheren Gewicht sowieso im Vorteil.

No Strava, no Garmin!

Ich habe aus grundsätzlichen Gründen kein Garmin und keinen Tacho am Rad. Üblicherweise zeichne ich meine Touren mit Runtastic über’s Handy auf. Ungefähr nach der Hälfte der ersten Runde fiel mir auf, dass ich dieses gar nicht gestartet hatte. Die Runden zählen geht ja auch so und die Bruttozeiten sind nachher in der Ergebnisübersicht zu finden. Darum bin ich einfach nach Gefühl gefahren. Der Wind kostete reichlich Kraft. Wenn er von der Seite kommt, findet er eine recht große Angriffsfläche. Meine beiden Runden mit Holger und Marc und die mit Rolf waren schneller als die Solorunden, das machte sich bemerkbar. Ich habe auf meinen Körper gehört, Pausen gemacht und bin mein Tempo gefahren.

Es gab für mich einige magische Momente: Die untergehende Sonne strahlte so durch die Wolken, als hätte jemand das Licht angeschaltet. Es sah herrlich aus, die innere Stimme fing an zu singen und ich hatte mit einem Male das beruhigende Gefühl, alles wird gut. Und so war es auch. Wir hatten Vollmond, klare Sicht und der Wind legte sich. Es war wunderschön, durch die Nacht zu fahren. Getoppt wurde das nur durch das Gefühl beim Fahren in den werdenden Tag. Allein dafür hat sich alles schon gelohnt.


Radfahren macht mir Freude und das sieht man auch. (Foto: Bernd Schmidt, RSG Mittelpunkt) #darumRad

Das Omnium und ich sind in Nortorf 11 Runden gefahren, d.h. 308 km. Das ist das gleiche Ergebnis, was ich im letzten Jahr mit dem Rennrad erzielt habe. Fazit: Das Rad ist für einen sportlichen Langstreckeneinsatz gut geeignet. Der Rest hängt vom Fahrer ab. Oder auch: Es liegt nicht am Pfeil, sondern am Indianer!

Der Gewinner Maik Tonek kommt aus Bremen. Er hat den neuen Streckenrekord mit unglaublichen 27 Runden aufgestellt. Hut ab vor Deiner Leistung und herzlichen Glückwunsch!

Ich freue mich, nette Menschen kennengelernt zu haben. Viele haben interessierte Fragen zu dem Lastenrad gestellt. Noch hat es gerade im ländlichen Bereich einen Exotenstatus. Je öfter man eines sieht, desto eher etabliert es sich als Mobilitätsalternative. Ich hoffe, das meine Aktion einen kleinen Teil dazu beigetragen hat.

Über mein Abenteuer der An- und Abreise mit der Bahn werde ich noch berichten.

Dieser Text spiegelt meine Meinung nach der Teilnahme am Radmarathon wieder. Dafür habe ich mich auf dem üblichen Weg registrieren lassen und Startgeld gezahlt. Das Lastenrad wurde mir von Sonsteby’s, Bremen kostenlos zur Verfügung gestellt.

Für ein faires Miteinander!

Mein Teamkollege Bernd hat mir gestern von der Aktion mit den Plakaten erzählt und heute wird auch in der Wümme-Zeitung darüber berichtet. Mich regt es auf, dauernd etwas über Kampfradler lesen zu müssen. Allein das Wort finde ich schon furchtbar! Für mehr Radverkehr und dafür geeignete Bedingungen (Infrastruktur) zu kämpfen ist richtig. Dann bin ich gerne eine Kampfradlerin. Wenn dieser Begriff allerdings für jemanden gebraucht wird, der sich rüpelhaft verhält, schwächere Verkehrsteilnehmer erschreckt, zur Seite drängt und sich an keine Regeln hält, dann natürlich nicht. Diese verschärfte Debatte löst keine Probleme mit der Infrastruktur. Und einige wenige bringen alle anderen in Misskredit! Warum gelten im Straßenverkehr die normal üblichen Formen der Höflichkeit nicht mehr? Klar, niemand ist fehlerfrei und passt immer auf. Aber mir geht es hier um Grundsätzliches.

Der Blocklander Deich ist kein Radschnellweg, sondern eine Anwohnerstraße. Dazu gehört der Anlieferverkehr der Gastronomie, die Fahrzeuge der landwirtschaftlichen Betriebe, sowie Ausflügler, die zu den Gaststätten fahren, Spaziergänger und Sportler (Läufer, Skater und AUCH Radsportler!). Es handelt sich also um einen shared space, der von vielen verschiedenen Parteien genutzt wird, die aufeinander Rücksicht nehmen müssen.
Ich habe selbst schön genügend unschöne Erlebnisse im Straßenverkehr gehabt, egal ob als Alltagsradlerin oder Radsportlerin. Trotzdem versuche ich , mich an die Regeln zu halten.

Wenn ich als Radfahrer von Autofahrern schlecht behandelt werde, gibt mir das kein Recht, mich gegenüber Fußgängern und langsameren Radlern ebenso zu verhalten! Niemand wird gerne knapp überholt, auch Spaziergänger nicht, die sich vielleicht gerade unterhalten und nicht so auf den Verkehr achten. Ich mag im Blockland schon gar nicht mehr fahren, vor allem bei gutem Wetter nicht, wenn dort wieder viel Betrieb ist. In Zweierreihe mit 35 auf dem Deich, dass muss doch nicht sein! Bei manchen geht anscheinend das Testosteron durch, sobald sie auf einem Sattel sitzen. Heil ankommen ist wichtiger als ein guter Schnitt. 

Wo wenig Platz ist gilt, dass alle aufeinander Rücksicht nehmen müssen. Nicht nur auf dem Blocklander Deich, sondern auch im restlichen Leben! Das Maß an Rücksichtnahme, das ich für mich einfordere, muss ich auch anderen zugestehen. Punkt.