Tarmstedt – ein Vorbild für die ganze Region

Hier draußen auf dem Lande dauert es ja immer etwas, bis die urbanen Trends ankommen…

Umso beachtenswerter ist es, dass ganz in der Nähe, meiner Nachbargemeinde Tarmstedt nämlich,  eine der ersten Schnellladesäulen für Elektroautos in Betrieb genommen wurde! Tarmstedt sieht sich sonst eher als das Mekka des Nordens, wenn es um Landwirtschaft geht (und die jährliche Messe dazu).

Nun allerdings spielt Tarmstedt (3.500 Einwohner) mit der CCS-Schnellladesäule in einer Liga mit Städten wie Bremen und Oldenburg. Leider ist Deutschland im Bezug auf Ladeinfrastruktur noch tiefste Provinz. Selbst in der Metropole Berlin sind es nur ca. 200. Ein bundesweites Verzeichnis von Säulen ist hier zu finden. 

Mit der neuen Säule geht das Aufladen wesentlich schneller. In nur 20 Minuten ist der Akku zu 80% geladen,  an den herkömmlichen Säulen dauert der Ladevorgang 4 – 6 Stunden. Also ideal, wenn man etwas vor Ort zu erledigen hat, Einkäufe etc.

Der Anstoß zur Tarmstedter Innovation stammt von einer kleinen, privaten e-Carsharing Initiative. Ganz nach dem Motto: Wer die Welt verändern will, muss im Kleinen anfangen.

Der Beginn ist gemacht, wer weiss, was die Zukunft bringt… Lastenräder  & Pedelecs zum Ausleihen, vernetzter ÖPNV, Mobilitätsstationen…

Mit dem Rad zur Arbeit

  

Bestes Wetter, es gibt (kaum) Ausreden, um nicht mit dem Rad zur Arbeit zu fahren! Das MdRzA-Programm hat in diesem Monat wieder begonnen. Habe mich natürlich gleich angemeldet. Es gibt sogar Betriebe, welche diejenigen ihrer Mitarbeiter, die an diesem Programm teilnehmen, mit einem Essen auf Firmenkosten belohnen. Ob das in Hinsicht auf den BMI nicht etwa kontraproduktiv ist, sei dahingestellt.

Auf jeden Fall tut die körperliche Bewegung den – in den meisten Fällen zur sitzenden Tätigkeit neigenden – Berufstätigen gut. Dieses war kürzlich auch Thema einer Masterarbeit. Radpendler sind ein Drittel weniger krank als andere!

Am Falkenberger Kreuz gibt es in geschlossene Abstellbox für Räder. Bei so einem Wetter wie in den letzten Tagen würde ich mit dem Crosser zur Haltestelle fahren. Aber auch wenn es „nur“ der Crosser ist, habe ich doch etwas Angst ihn dort – auch abgeschlossen – stehenzulassen. Ich habe mich heute erkundigt, ob auch eine kürzere Mietdauer als ein ganzes Jahr möglich ist. Ist es leider nicht! Zudem ist es in Lilienthal teurer als in Grasberg (49,-€ / 20,-€). Eine Kaution in unbekannter Höhe kommt noch hinzu. Sehr schade, dass die Gemeinde Lilienthal da so unflexibel ist!

Ich werde einfach mal prüfen, ob die Busverbindung via Grasberg Mitte mit meinen Arbeitszeiten kompatibel ist. Leider kann ich mit der BOB-Karte ja nicht VBN fahren… Ein Traum wäre eine flexible Mobilität – egal ob VBN oder BSAG – mit einer Karte alles fahren können! Und damit auch die Abstellstation zu nutzen oder ein Leihrad…

UPDATE: Ich bleibe bei der BSAG (fährt ofter) und miete einen Platz in der Abstellstation. Die vielen Kommis über Vandalismus an Rädern grade in Lilienthal geben mir zu denken.

Elektromobilität

  
Die Förderprämie für Elektroautos wird mit Sicherheit zur Steigerung der Verkaufszahlen beitragen. Die durch die Abgasbetrügereien angeschlagene Automobilindustrie wird es freuen. Da sitzen die Lobbyisten auf den richtigen Plätzen… 

Ein Elektroauto ist auf jeden Fall besser als eines, was mit Unmengen von giftigen Abgasen die Welt verpestet. Stau wird es auf unseren Straßen weiterhin geben, egal ob es Benziner, Diesel oder eben Elektroautos sind, wenn überall nur einer drinnen sitzt. Also kann das noch nicht die ideale Lösung sein.

Die kleine Version von Elektromobilität, die Pedelecs – im Volksmund e-Bike genannt – werden nicht gefördert. Wieso auch, deren Verkaufszahlen sind top. Diese Räder sind in Mode, nicht mehr nur als „Seniorenfahrzeug“, sondern auch in sportlichen Versionen für alle Bevölkerungsgruppen. Die Fahrradindustrie freut sich, hat aber keine Lobby und erhält daher auch keine besondere Unterstützung.

Alles, was ohne sämtliche Emissionen auskommt – Fußgänger und konventionelle Radfahrer – bekommt auch keine Förderung. Wenn ich z.B. meinen älteren Diesel abschaffe, mit dem ich höchstens Kurzstrecken fahre und aufs Rad und den ÖPNV umsteige, ist das doch ein wünschenswertes Verhalten, was eigentlich eine Unterstützung verdient, oder? 

Eine Belohnung bekomme ich dann höchstens von mir selber, durch eine bessere Gesundheit und Einsparung von Kraftstoff, Steuern und KFZ-Versicherung. Ein Anreiz „von oben“ könnte bestimmt Menschen bewegen, über ihre Situation nachzudenken. Wird der PKW wirklich gebraucht? Könnte man vielleicht auch ohne? Braucht man einen Zweitwagen? Ist Car-Sharing eventuell eine Alternative? Nur wenn so ein Denkprozess erstmal stattfindet, können entsprechende Handlungen folgen.

Dazu habe ich neulich das hier gelesen: „Um eine neue Meinung und ein neues Paradigma zu etablieren, reicht eine verhältnismäßig kleine Gruppe von Menschen – eine „kritische Masse“, die nach dem heutigen Stand der Wissenschaft bei etwa 5-10 Prozent zu liegen scheint.“ Dieses Forschungsgebiet wird als Schwarmtheorie bezeichnet. Ursprünglich ging es von Bewegungsmustern aus. Mittlerweile werden die Ergebnisse auch auf andere Gebiete angewandt. Das finde ich sehr spannend und werde weiter darüber recherchieren.

5 – 10% von Menschen zu überzeugen, ihre Handlungsmuster im Mobilitätsbereich zu verändern, sollte doch nicht so schwer sein. Keiner kann alleine die Welt retten. Aber jeder von uns kann (s)einen Teil dazu beitragen!

  
News der Woche:
Ich schreibe ja nicht nur diesen Blog, sondern lese auch andere gerne. Da kann man immer wieder tolle, interessante Dinge entdecken. So auch in diesem Fahrradblog:

http://dasfahrradblog.blogspot.de/2016/04/radfahren-schafft-mehr-jobs.html#more

In dem Artikel werden die positiven Aspekte des Radfahrens aus einem anderen Blickwinkel beleuchtet.

Die zugrunde gelegten Studien findet man unter:

Klicke, um auf Fahrrad_in_Zahlen.pdf zuzugreifen

Die Fahrradstadt Bremen wird übrigens in diesem 1,1 Mio in die Instandhaltung der Radverkehrsinfrastruktur investieren. 

http://www.weser-kurier.de/bremen_artikel,-Stadt-setzt-Radwege-instand-_arid,1361725.html

Fahrradstadt… Entwicklungspotenzial auch auf dem Land!

 In Bremen fand kürzlich ein Mobilitätskongress statt,
http://www.senatspressestelle.bremen.de/sixcms/detail.php?id=168250.
bei dem sich die Stadt Bremen als Fahrradstadt gut darstellen konnte. In Stuttgart passiert auch gerade ganz viel, siehe
http://www.r-n-m.net
Hamburg, Berlin, alles Städte, in denen viel Interessantes auf dem Weg zu mehr Radkultur getan wird. Und hier auf dem Land? In den Kleinstädten und dörflichen Kommunen? Hier könnte mit vergleichsweise geringen Fördermitteln viel erreicht werden! Viele Menschen ziehen aus der Stadt hierher, gerade weil sie Interesse an einer ländlichen, grünen Umgebung und/oder Kinder haben. Etwas Umweltbewusstsein und Sinn für eine enkeltaugliche Zukunft sollte da doch vorhanden sein! Städte werden zu Fahrradstädten; auf dem Lande entstehen Fahrradgemeinden!

Zudem wird durch einen attraktiven Radverkehr gleichzeitig auch der Tourismus gefördert. Es gibt viele Menschen, die mittlerweile Fahrradurlaub machen und unsere schönen Landschaften erfahren. Der sogenannte „leise Tourismus“ boomt und sorgt gleichzeitig für Geld in den Gemeindekassen.

Gerade weil der ÖPNV in den kleineren Kommunen nicht flächendeckend verfügbar ist, stellt das Fahrrad eine gute Alternative dar. Kleine Städte bedeuten oft auch kurze Wege, so dass die Gemeindevertreter mit gutem Beispiel vorangehen könnten, d.h. mit einem Dienstrad. Strecken bis 5 km sind optimal für Fahrräder. Für etwas weitere Entfernungen sind Pedelecs ideal (wenn es sich nicht gerade um einen sportlich ambitionierten Fahrer handelt).

Vieles wird oft aufgrund mangelnder Kommunikation nicht gut genutzt. Moderne Fahrradstationen an (Bus-) Bahnhöfen etwa. In Lilienthal steht oft nur ein Rad im geschlossenen Bereich. Die Grasberger Station ist da besser ausgelastet, was eventuell an günstigeren Einstellbedingungen (Mietpreis und -dauer) liegt. Wenn man allerdings trotz Recherchen auf der Gemeindehomepage nichts über den Preis der Nutzung erfahren kann, ist es kein Wunder, wenn diese verweisen (Beispiel Ottersberg-Bahnhof). Über die sozialen Netzwerke (fast jedes Dorf hat „seine“ Newsgruppe) oder mittels Artikel in Magazinen lassen sich die meisten Einwohner erreichen.

In Hamburg gibt es ein flächendeckendes Leihradsystem. Die Investition ist einer großen Stadt natürlich enorm. In einer kleinen Stadt jedoch lässt sich so etwas viel leichter realisieren. Der finanzielle Aufwand ist bei weitem nicht so hoch. Und ich glaube, der Effekt, den es im Umland mit sich zieht, wäre enorm! Man könnte auch Firmen, die ja meist in Gewerbegebieten etwas außerhalb ansässig sind, in solch ein System einbinden. Oft fehlt es an Anbindungen zu Bahnhöfen und zum Busverkehr. Das Fachwort dazu heisst „Intermodale Mobilität“ und bedeutet, dass für die Zurücklegung einer Strecke verschiedene Verkehrsmittel genutzt werden. Beispielsweise vom Wohnort zu Fuss zum Busbahnhof, dann mit dem Bus und die restliche Strecke zum Arbeitsort mittels Rad. Die steuerlichen Vergünstigungen, die für Firmenwagennutzung gelten, gibt es auch für Fahrräder! Für die Gesundheit und Zufriedenheit der Mitarbeiter wird gleichzeitig auch gesorgt.

Für den Weg in eine lebenswerte Zukunft brauchen wir Vordenker und Träumer, aber auch Pragmatiker, die Dinge auf ihre Realisierbarkeit überprüfen und Menschen, die im Rahmen ihrer Möglichkeiten einfach schon mal anfangen!

Foto: Dominik Mesch

Wir zerstören den Planeten – aber wir tun es ökologisch nachhaltig!

  In der Zeit ist ein absolut lesenswerter Artikel von Harald Welzer erschienen. Wir sollten alle mal unseren Konsumismus überdenken. Nur dadurch, dass wir nachhaltige und/oder Fairtrade Produkte kaufen, verbessern wir nicht die Welt! Ein Elektroauto ist besser als ein normales, klar, aber wenn jeder statt mit einem Benziner oder Diesel mit einem E-Auto im Stau steht, haben wir immer noch Verkehrschaos. Ein Porsche Cayenne mit Hybridantrieb beruhigt nur das Gewissen. Genauso wie es Einwegpfandflaschen tun. Man denkt: „oh da ist ja Pfand drauf“, aber sie werden doch trotzdem nach Gebrauch geschreddert und nicht etwa wiederbefüllt. Oder Bio Palmfett: Um Palmplantagen nach Biorichtlinien anzulegen, wird trotzdem Regenwald gerodet. 

Am nachhaltigsten ist doch der Verzicht von überfüssigen Dingen. Tut auch dem Portemonnaie gut!
Hier geht es zu dem original Artikel: http://www.zeit.de/zeit-geschichte/2016/01/naturschutz-nachhaltigkeit-oekologie-protest-demonstrationen-protestkultur?wt_zmc=sm.ext.zonaudev.mail.ref.zeitde.dskshare.link.x&utm_medium=sm&utm_source=mail_zonaudev_ext&utm_campaign=mail_referrer&utm_content=zeitde_dskshare_link_x

Fest im Sattel – Städte rüsten sich für Radfahrer

  
Ein schöner Artikel heute morgen im Weser-Kurier! „Radfahrer erobern die Städte – Kommunen prüfen neue Verkehrskonzepte“ Fahrstrecken in den Städten sind meist nur bis 5 km lang und daher ideal fürs Radfahren. Schneller als im Stop and go des Berufsverkehrs ist man auch. In Bremen liegt der Anteil der Radler am Verkehr inzwischen bei 25%. 

Ach, davon kann man hier draußen ja nur träumen! Wenn ich 5 km fahre, bin ich ja noch nicht mal im Zentrum meiner Gemeinde (Grasberg)! Die sog. Aussendörfer sind wirklich fernab von allem Geschehen! In den Städten gibt es mittlerweile Radverkehrsbeauftragte, hier muss man aufpassen, auf dem Radweg im Sattel zu bleiben! Immerhin gibt es vernünftige Parkstationen mit Lademöglichkeit für eBikes an den ZOBs. Der nächste Schritt wäre ein Verleihsystem für Pedelecs und / oder Lastenräder. Aber hier auf dem Lande ticken die Uhren ja etwas langsamer…

Hier gehts zum Artikel:

http://www.weser-kurier.de/startseite_artikel,-Fest-im-Sattel-_arid,1339528.html

Was sagt eine Studie zur Mobilität in (Klein-)städten über unsere Gesellschaft aus?

Habe die Ergebnisse einer Umfrage zum Fahrverhalten von Bewohnern einer kleineren Stadt gelesen. Es ist interessant zu sehen, aus welchen Gründen welche Verkehrsmittel gewählt werden. 

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Aufgefallen ist mir dabei, dass die meisten mit dem ÖPNV genutzten Wege die zur Schule bzw. Ausbildung sind, danach diejenigen zum Arbeitsplatz. Bei den PKWs steht an erster Stelle die Arbeit, dann Einkaufen bzw. Dienstleistungen und drittens Freizeit. Nach Aufteilung der Bevölkerung in männliche und weibliche Personen ist der Anteil der Wege zum Arbeitsplatz bei den Frauen geringer, der Einkauf dafür größer. Hieraus lässt sich das in der Gesellschaft immer noch vorhandene Hausfrauenmodell herauslesen. Das Fahrverhalten von Frauen ist anders aufgrund halbtägiger Berufstätigkeit, Kindertransporten (Kiga / Schule / nachmittags), Einkaufen. Wenn der Mann den Familienpart übernimmt, würde es ähnlich aussehen.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wieviele Frauen doch gerade am Nachmittag mit Chauffeurdiensten für ihre Kinder beschäftigt sind. Gerade im ländlichen Bereich sind Freunde (soziale Kontakte), kulturelle und sportliche Begegnungsstätten, Ärzte und andere Dienstleister (Nachhilfe) nicht in unmittelbarer Nähe der eigenen Wohnung zu finden. Diese Ziele sind meist im Nahbereich < 10km. Eine Strecke, die das Kind (noch) nicht selbständig zurücklegen kann. ÖPNV findet oft nur vormittags im Rahmen der Schulbuslinien statt. Als Mutter hat frau oft den Spagat zwischen Unterstützung des Kindes einerseits und mangelnder Zeit + Benzinkosten andererseits. Hier kommt es auch auf das Organisationstalent an: Kann man die Fahrten mit anderen Einsatzzwecken (Einkauf etc.) verbinden? Flexible Termine an regelmäßige anlehnen, Fahrgemeinschaften bilden, Besuchskinder gleich mit dem Schulbus mitfahren lassen, damit die Hintour entfällt – sind da nur einige Ideen. Angebote kann man auch im Hinblick auf (selbständige) Erreichbarkeit auswählen.

Die befragten Personen geben bei Umfragen gerne an, das sie Wege zum Einkaufen mit dem Rad zurücklegen würden. Das wollen sie vielleicht zu dem Zeitpunkt auch wirklich. Es mangelt aber an der Umsetzung. Im Endeffekt wird sich dann doch wieder hinter das Steuer gesetzt, da es bequemer ist. Man braucht seinen Konsum nicht auf die Transportfähigkeit zu überprüfen. Man braucht sich nicht bewegen. Das Wetter ist vielleicht schlecht. Es gibt ausreichend Parkplätze in annehmbarer Entfernung.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die einfach so weitermachen können wie bisher, wenn sie erfahren, wieviele Menschen tagtäglich an den Abgasen aus unseren Autos sterben. Es gibt eine sehr schöne Textzeile von Sarah Connor: „…und was soll ich eines Tages meinen Kindern erzählen?“ Soll ich etwa sagen, klar ich weiss das Leute daran elendig verrecken, aber es war mir wichtiger 5 km im Auto zum Aldi zu fahren?!

Das Auto hat für mich seinen Statuscharakter verloren. Es ist ein Transportmittel von A nach B. Genauso wie der Bus und die Bahn oder ein Fahrrad. 

Durchschnittlich ist ein PKW mit 1,3 Personen pro Fahrt besetzt. Da frag ich mich doch, warum unsere PKW-Modelle immer größer, breiter und schwerer werden, wenn eh nur einer drin sitzt?!

http://www.sueddeutsche.de/auto/design-autos-mit-fettsucht-1.2860340?reduced=true

Mobilität auf dem Lande – 9 Tage ohne Auto – ein Selbstversuch

Der Beginn: Autounfall, selbst verschuldet. Auto zwar fahrtüchtig, aber kaputt. Habe es zur Werkstatt in der Nachbarschaft gebracht. Mal sehen, wie es ohne Auto klappt. Habe in der letzten Zeit schon mehr und mehr versucht, auf das Auto zu verzichten, Wege zu optimieren und mehr mit dem Fahrrad zu erledigen. Nun also der Ernstfall.

Tag 1:
Morgens zum Job mit dem Rad nach Grasberg, ca. 7 km, mittags zurück, alles top! Nachmittags zur Versicherung, wegen dem Unfall. Nach Tarmstedt ca. 9 km, die Abkürzung über Feldwege ist total verschlammt und kaputt gefahren, wäre danach komplett verdreckt, also lieber den Umweg an der Kreisstraße fahren. Danach noch eine kleine Tour zum Schwager, um etwas aus der Gefriertruhe zu holen und abends zum Fitness Studio nach Lilienthal. Gesamt gefahrene km ca. 60. Leppert sich ganz schön was zusammen.

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Tag 2:
Morgens mit dem Rad nach Lilienthal zur Straßenbahn. Da es ziemlich kalt war im Zwiebellook dick eingepackt. Mittags zurück, Gesamte km ca. 21. Die Große hatte Jugendgruppe, aber diesmal war ich bei der Fahrgemeinschaft nicht dran. Diese Fahrgemeinschaft funktioniert sehr gut und nützt gleichzeitig 3 oder mehr Familien.

Tag 3:
Einkauf für das Wochenende! Leider bei einem 5 Personenhaushalt ohne Anhänger oder Lastenrad nicht möglich, habe mich fahren lassen. Blödes Gefühl, so abhängig zu sein!

Tag 4:
War mit dem Rad zum Fitness Studio (das erste Mal durchgeregnet), dann von dort aus zum Familienkaffee – Geburtstag meines Neffen (zweites Mal durchgeregnet). Zurück nach Hause habe ich mich mitnehmen lassen (3 Autos zur Wahl). Gefahrene km: ca. 21.

Tag 5:
Heute 10 km gelaufen, um das Rad abzuholen (auf dem Rückweg wieder durchgeregnet). Der Typ von der Werkstatt meint, dass er mein Auto noch die ganze Woche dort behält. Habe die Nachhilfe vom Töchterlein abgesagt, da der Bürgerbus zwar hinfährt, aber nicht zurück (bzw. nach 1 1/2 Stunden Wartezeit).

Tag 6:
Morgens extra früher aufgestanden, da ich ja die Fahrt mit dem Rad zum Falkenberger Kreuz einplanen musste. Zwischendurch kam etwas Hektik auf, als der Bus an mir vorbeifuhr, aber es war zum Glück derjenige, der eine Taktung früher abfährt. Mittags wieder Hetze, da die Kids ja schon zuhause warteten. Dazu noch Regen- (mal wieder) und Graupelschauer. Die Kids nachmittags mit dem Rad zu ihrem Kumpel begleitet, dann beeilt, da ich ebenfalls verabredet war und die Straßenbahn erwischen musste. Da ich ohne Schauer zwischendurch anscheinend nicht radeln kann, war mein Styling anschließend für die Katz. Die abendliche Rückfahrt war langsam, entspannt und gedankenverloren. Vollmond am klaren Himmel. Gesamt ca. 42 km.

Tag 7:
Einkaufstour ohne Auto, mit zwei Satteltaschen und meinem kleinen Radrucksack. Vorher also gut überlegen, was benötigt wird. Eignet sich prima, um Spontan- und Hamsterkäufe zu vermeiden. Bei der Rücktour vom Supermarkt kam ein anhängerähnliches Fahrgefühl auf. Wenn man so etwas öfter vorhat, sollte man etwas mehr investieren als in die Satteltaschen vom Discounter! Den Termin beim Kieferorthopäden habe ich angesagt, hin mit Bus und Bahn klappt, aber der Rückweg macht Probleme. Also doch lieber verschieben. Anruf der Werkstatt: Mit GANZ VIEL Glück wird das Auto am Wochenende fertig (heute ist Mittwoch!). Abends zum Konzert nach Bremen: Musical Theater, 1. Reihe, alle Leute gut gestylt. Und ich: der Fahrradschlumpf; Jeans, dicker Pulli und zerzauste Haare. Was soll’s, da muss man drüber stehen. Nach 24 Uhr ist in unserer Gegend alles tot bzw. schläft. Einsame, aber entspannte Rückfahrt und ein fantastischer Mond. Gesamt km: ca. 33

Tag 8:
Morgens mit dem Rad zur Arbeit, eine meiner leichtesten Übungen. Alles ist okay, solange es nicht regnet! Abends zum Sportstudio, etwas auspowern beim Spinning. Werde aufgrund meines Outfits gleich als Radlerin identifiziert und ernte Erstaunen und Bewunderung (mal wieder ekliges Wetter). Gesamte km: ca. 36

Tag 9:
Einkaufstour, uups passt nicht alles in den Rucksack. Hab mich leicht verschätzt. Zum Glück gibt es beim Supermarkt Kartons. Ca. 11 gefahrene km, Gewicht des Rucksacks – unbekannt. Töchterlein hat sich zum Übernachten verabredet – nur knapp 2 km entfernt und den Schlafsack bekommt sie locker auf dem Rad mit. Kein Mama-Taxi, das Kind ist eigenständig mobil! Am Nachmittag ist Abgabetermin für einen Basar. Die drei großen Kisten kann ich beim besten Willen nicht mit dem Rad befördern. Also habe ich mich fahren lassen; und damit sich die Fahrt rentiert, noch gleich einen Stopp beim Lidl eingelegt. Jetzt haben wir genügend Vorräte (hoffe ich)! Am Abend kam der erlösende Anruf: Das Auto ist fertig!

Fazit:
9 Tage fast ganz ohne Auto mit ca. 233 km.Und: ja es geht! Aber es sind diverse Schwierigkeiten zu überwinden. Für die Wege muss mehr Zeit eingeplant werden. ÖPNV ist nicht immer eine Alternative, oft kommt man zwar irgendwohin, aber nicht adäquat zurück.

Bei nassem und kaltem Wetter ist das Radfahren nicht schön. Ich habe mich schon entsprechend gekleidet und bisher den Erkältungen getrotzt. Aber der Spaßfaktor ist doch arg begrenzt.

Das Thema Einkaufen ist auch so eine Sache. Hier würde sich natürlich Carsharing anbieten. Allerdings müsste sich dabei eine Station in nicht allzuweiter Entfernung befinden. Privates Mitfahren in der Nachbarschaft wäre eine Alternative. Hier muss man sich allerdings mit den Nachbarn abstimmen, d.h. miteinander reden!

Mama-Taxi bin ich eher seltener als andere in meinem Umfeld. Hier ist mir schon meine Zeit zu kostbar. Ich halte meine Kinder zu Verabredungen und Hobbys an, die sie selbständig zu Fuss oder mit dem Rad erreichen können. Es ist auch ein wichtiger Schritt, Wege allein meistern zu können, ein Schritt in Richtung Selbständigkeit.

Ich werde zukünftig mehr Wege mit dem Rad zurücklegen. Grade für kurze Fahrten nach Grasberg bietet es sich an. Um der Frühling muss ja irgendwann kommen, dann macht es noch mehr Spaß.

Um mehr Leute zum Umdenken und Umsteigen zu bewegen, muss noch einiges geschehen. In Zeiten der öffentlichen Finanzknappheit ist es schwierig, ein neues bzw. anderes System zu etablieren. Der Individualverkehr belastet ja jeden einzelnen Haushalt und nicht den der Gemeinde bzw. des Landkreises etc. Ohne eine funktionierende Mobilität blutet das Land noch weiter aus, es gibt weniger Zuzug von Familien, ergo weniger Steuereinnahmen usw. Scheint irgendwie ein Kreislauf ohne Ende zu sein. Und es gibt ja viele Gegenden, die noch weniger besiedelt sind, als wir hier.
 

 

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Warum Radheldin?

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Irgendeinen Namen muss das Kind ja haben. Nicht zu lang sollte er sein, gut zu merken und noch nicht vergeben. Ach und mit dem Thema sollte er auch etwas zu tun haben…

Da wären wir dann gleich mittendrin. Dieser Blog berichtet über die Erlebnisse als Radfahrerin bzw. über den Versuch nachhaltige Mobilität auf dem Lande zu leben. Dazu kommt bestimmt noch so das eine oder andere aus dem Nachhaltigkeitsbereich oder dem Radsport.

Radfahren bei Sonnenschein und Temperaturen um 25 Grad macht Spaß. Bei Eisregen, Windstärke 7 oder Hagelschauern gehört schon etwas heldenhaftes dazu. Und auch, wenn man sein Recht auf Teilhabe am Verkehr gegenüber rabiaten Autofahrern durchsetzen muss, ist das Heldentum.

Um unsere Welt ein kleines bisschen lebenswerter zu machen und für unsere Kids zu erhalten, sollte jeder ein kleiner Held sein!

Die Radheldin heißt im realen Leben Christiane Seeger, ist 44 Jahre alt und wohnt in Grasberg. Quasi als Erweiterung der Aktivität als Radsportlerin kam das Interesse an nachhaltiger Mobilität dazu.

 

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