Pendeln mit dem Pedelec

Anfang des Jahres las ich einen interessanten Aufruf in meinem Lokalblatt, der Wümme-Zeitung: Gesucht wurden Menschen, die einen Monat lang ihren Arbeitsweg (oder einen Teil davon) mit einem Pedelec zurücklegen wollten. Der BUND stellt dafür insgesamt sieben Pedelecs zur Verfügung. 70 glückliche Teilnehmer werden aus rund 120 Bewerbern ausgelöst, die Radheldin ist eine davon.

Ein Pedelec unterstützt nur die Tretbewegung, ganz ohne Pedalieren fährt es nicht! Dieses Fahrgefühl lässt sich am besten mit „eingebautem Rückenwind“ beschreiben. Auch Menschen, die sonst eher weniger Radfahren, können so ohne größere Kraftanstrengung weite Strecken zurückzulegen. Gegenwind und Steigungen verlieren ihren Schrecken. Auch für alle diejenigen, die zwar gerne mit dem Rad zur Arbeit fahren möchten, aber dort nicht verschwitzt ankommen wollen, ist es eine gute Lösung.

Ich fahre meist den kürzeren Teil meines Arbeitsweges mit dem Auto und steige dann in Lilienthal-Falkenberg in die Straßenbahn. Um vor Diebstahl und Vandalismus geschützt zu sein, habe ich einen Stellplatz in der abschließbaren Fahrradbox gemietet. Die Pendelfahrten zum Arbeitsplatz bin ich teils bis zur Haltestelle der Straßenbahn oder auch komplett mit dem Pedelec gefahren. Bei dem hochsommerlichen Wetter ist das Fahren auf dem Rad (Fahrtwind) wesentlich angenehmer als im ÖPNV (viele Menschen, denen heiß ist…). In meinen Testzeitraum fallen zwei Wochen Urlaub. Ich habe ersatzhalber versucht, die meisten Alltagswege mit dem Pedelec zu fahren. Beim Transport von Menschen oder sperrigen Sachen ging es leider nicht ohne Auto.

Für die Aktion des BUND muss ein Mobilitätskalender geführt werden. Kein großer Aufwand und die einzige Auflage, die zur Nutzung des Pedelec gemacht wird. Dabei erhält man einen Einblick in das eigene Mobilitätsverhalten. Viele PKW-Fahrten sind einem sonst im Alltag gar nicht recht bewusst. Nur mal eben schnell… Das eigene Verhalten zu reflektieren, ist der erste Schritt zur Änderung!

Foto: marcus schm!dt

On the road: Mit dem eGolf bis zum Bodensee!

Wenn das Thema Elektromobilität zur Sprache kommt, ist ein Argument nicht weit: REICHWEITE!

Heute früh schreiben mir Freunde der eCarsharing-Gruppe, dass sie mit dem eGolf an den Bodensee fahren. Nach Wolfegg, um genau zu sein. Bei dieser Tour kann ich mittels WhatsApp dabei sein. Sie hoffen auf eine gute Ladeinfrastruktur entlang der Autobahnen. Volles Risiko – ohne Sicherheit, was das CSS-Laden angeht…

6 Uhr: Start in Tarmstedt – mit 280 km Anzeige. Ziel: Wolfegg am Bodensee. Frage: Ist das mit einem heutigen eAuto (eGolf) zu schaffen? – In Verden erstes Hindernis: Stau Warnung. Wir verlassen BAB und fahren Bundesstraße, in Walsrode wieder auf die BAB. Kurz vor Hannover noch 90 km Reichweite (RW). Unser Ziel: Rasthof Hildesheimer Börde!

8 Uhr Zwischenstopp zum Laden in Wüferode

In Wülferode vollgeladen – der CCS Lader hat so schnell geladen, dass wir kaum den ersten Kaffee in Ruhe austrinken haben können – wieder 280 km im Tank!

9 Uhr gestartet in Wülferode bei Hannover.

9:45 Uhr Aktuelle Grüße aus Seesen am Harz! Durchschnittlicher Verbrauch 19,1 kWh und Praxis-Reichweite 190 km bei Autobahnfahrt!

10:15 Uhr: Jetzt etwas sinnigere Fahrweise – Verbrauch auf 17,6 kWh gesunken! Es regnet noch! – Unser Ziel: Raststätte Kassel Ost!

11 Uhr: Guxhagen, gerade noch erreicht, war knapp. 10 km Rest

12 Uhr: Aufgeladen, 280 km RW und Punkt 12 Uhr nach Mittagspause in Guxhagen gestartet, Richtung Süden. Nächstes Ziel Raststätte Fulda zum Zwischenladen

Kurzer Zwischenstopp um 13 Uhr am Autohof Fulda! Haben jetzt wieder 146 km auf dem Buckel an RW! Durchschnittsverbrauch in den Kasseler Bergen 17,5 kWh – ganz passabel, oder? Nächstes Etappenziel Riedener Wald bei Würzburg!

Von wegen Schneckentempo und Schnarchlader: eAutos sind nicht nur für Kurzstrecke und als Zweitwagen geeignet: Mit dem eGolf um 6 Uhr in Tarmstedt gestartet – um 13:30 Uhr schon munter und pausenerholt in Bayern auf eSurvival-Tour unterwegs.

14:15 Uhr: Zwischenziel erreicht Raststätte Riedener Wald bei Würzburg. In Bayern scheint die Sonne – der Verbrauch runter auf 16,5 kWh, dank Claus Wahlers sparsamen Stromfuss.

15.10 Uhr. Raststätte Riedeler Wald. Laden hat geklappt an der Innogy Säule. Aber mit Anlaufschwierigkeiten, weil an verborgener Stelle ein QR Code erst eingelesen werden musste. Durch Probieren und Mit Hilfe EWE Stromtankkarte und Ladeverbund klappte es doch noch! Weiterfahrt nun aus nahe Würzburg, Bayern, Richtung Ellwangen/Jagst. Entfernung rund 130 km. Müsste machbar sein, wenn nichts dazwischen kommt. Stau etc. – Die Sonne scheint bei uns noch. Wie ist es bei Euch in Norddeutschland?

Raststätte Ellwangen an der Jagst erreicht. 16.30 Uhr. Mit 20 km Rest. Puuuh, das Laden klappt ohne Probleme.ABB Säule, Verbund mit EWE Roaming Partner.

26 Prozent Batterie Ladung, kurz nach dem Start.

Schon 3,5 kWh geladen, innerhalb weniger Minuten-35 % Ladestatus

Beim E-Golf mit Strompedal, im Imbiss in Ellwangen auch per Fusspedal die Mayo-Betätigung für Claus‘ Pommes.

Pause mit Cappu und Edel Vollmilch in Ellwangen angestoßen auf Christianes Wohl.

17:15 Uhr: Nach 45 Minuten fast 15 kWh geladen. Angesichts von „max 50 kW“ ein halber Schnarchlader! Eindeutig zuviel versprochen, liebes Duo „EnBW und Tank &. Rast“ – Das lockt keine E-Auto Kunden! Immerhin können wir nun weiterfahren mit Reichweite 156 km. Nächstes Ziel Raststätte Illertal! Oder Aichstetten.

Nach dem Laden wieder 80 km Reichweite – das sollte locker reichen für die restlichen 34 km bis zu unserem Zielort Wolfegg am Bodensee. Kurz vor dem Ziel werden wir kurzzeitig sogar über die österreichische Grenze kommen. Watch out! Wir hoffen uns in einer halben Stunde vom Zielort zu melden. Mit Erfolg!

Mit 40 km Rest-RW angekommen am Autohof Aichstetten- Auch hier funktioniert das CCS Schnell-Laden. Aber vermutlich auch statt mit 50 nur mit gut 20 kW.

Und zwei Teslas, einer aus der Schweiz, einer aus Memmingen, am Laden. Egoistisch allerdings, dass Tesla die anderen eAutos diskriminiert und nicht mal gegen Geld laden lässt.

Ein echter Ladepark im Autohof Aichstetten – 700 m über Normal Null – auch den Höhenunterschied mussten wir überwinden!

Angekommen nach etwa 14 Stunden und 750 km um 19:40 Uhr in Wolfegg am Bodensee.

Im Hintergrund die Alpen zu sehen, unglaublich, an einem Tag mit dem eGolf von Tarmstedt bis an die Alpen!

Das Ladekabel lag schon zum Willkommen bereit!

O-Ton Claus: „Es war echt ein tolles Abenteuer und ohne Stress. Wenn man die App beherrscht, kann man ohne Angst die Strecke fahren.“

Noch ein wichtiger Hinweis von Wolf: „Ideal ist, die App „Punktlandung“ von der EWE zu nutzen, falls man die „große“ EWE Stromtankkarte hat, weil an vielen Ladestationen dadurch eine Abrechnung über den Ladeverbund der Energieversorger und damit problemloser Zugang zu den Schnellladern möglich ist. Und zusätzlich kann sogar im Voraus geschaut werden, ob die Säule belegt (rot) oder frei (grün) oder defekt ist (verfügbar).“

Fazit: Es hat wirklich Spaß gemacht, diese Abenteuertour mit zu verfolgen! Es ist schon ein Unterschied, ob man nur darüber liest, oder man via WhatsApp förmlich mit im Auto sitzt. Das Allerwichtigste aber: sie haben es geschafft! Ohne irgendwo zu stranden und in der Wallachei liegen zu bleiben! Die Reichweitenängste sind ja DAS Argument von Elektromobilitätsskeptikern. Unsere beiden Probanden haben diese auf das Schönste widerlegt und gezeigt, wie es geht! Eine Tour zum Bodensee ist auch keine Alltagsmobilität. Ich kenne jedenfalls niemanden, der diese Strecke mehrmals wöchentlich mit dem Auto zurücklegt. Stimmt, es hat etwas länger gedauert und man ist bemüht, sparsam zu fahren. Regelmäßige Pausen sollte man bei einer langen Strecke eigentlich einplanen, denn die Konzentrationsfähigkeit des Fahrers entspricht nicht unbedingt der Reichweite eines modernen Dieselmotors. Nur weil das Auto vielleicht 1.000 km am Stück durchhält, tut es der Fahrer noch lange nicht. Ein Mensch ist keine Maschine! Die langen Autofahrten ohne Pausen (nur wenn getankt werden muss) aus meiner Kindheit sind mir eher ungut in Erinnerung geblieben… Eine ressourcenschonende Fahrweise finde ich auch gerade als Gegenpol zu den ganzen Formel-Eins-Hobbypiloten auf der Autobahn wichtig. Die schädigen die Umwelt, ihren Geldbeutel und leider viel zu oft auch der Gesundheit von Unbeteiligten! Sich Gedanken über das eigene Tun (in unserem Beispiel eine Reiseplanung) zu machen, sollte der Normalfall sein.

Einen sehr schönen Kommentar haben wir auf unserer Facebook-Seite bekommen, ich zitiere: „Wer es mit E-Fahrzeug eilig hat, kann auch Rotwein mit Strohhalm trinken. – Entschleunigung ist das neue Narrativ… ;-)“

Fotos: Wolf Warncke, Bild an der Ladesäule Guxhagen: Claus Wahlers

Fußgänger first!

Es gibt Autofahrer. Und Radfahrer. Dazu noch diverse andere: Nutzer der öffentlichen Verkehrsmittel – egal ob Nah- oder Fernverkehr: Straßenbahn, Bus und U-Bahn; Motorrad-, Moped- oder Mofafahrer. Aber egal, welches Verkehrsmittel gewählt wird und ob man mehrere verschiedene nutzt: Zuallererst ist JEDER Verkehrsteilnehmer ein Fußgänger. Und wenn es nur für die Distanz zwischen Haustür und Garage ist..

Krieg auf den Straßen

Ich finde die ständigen Konflikte zwischen den verschiedenen Gruppen von Verkehrsteilnehmern furchtbar! Autofahrer hacken auf Radfahrern herum, bedrängen und gefährden diese. Wenn auf einer Straße neue Infrastruktur für Radler eingerichtet wird und der Platz dafür den Autos weggenommen wird, ist das Geschrei groß. Wer sich benachteiligt fühlt, wird gerne mal zum Jäger. 😡 Radler sind dem Autoverkehr körperlich unterlegen, machen dies durch Wendigkeit und manchmal durch individuelle Auslegung der Verkehrsregeln wett. Die einzigen, die von allen Seiten bedrängt werden und diesen Druck nicht weitergeben können, sind die Fußgänger. Gegenseitige Rücksichtnahme ist eine tolle Sache! Nicht nur im Straßenverkehr.

Infrastruktur

Für den Straßenbau wird viel Geld verwendet. Mehr Straßen bringen immer mehr Autos hervor. Die Infrastruktur für Radler ist an vielen Orten verbesserungswürdig. Ein auf die Straße gemalter Radfahrerschutzstreifen ist kostengünstig, aber für ungeübte Radfahrer wirkt er eher abschreckend. Da gibt es wesentlich bessere Lösungen. Man benötigt Platz zur räumlichen Trennung und Geld. Beides mag ein Hinderungsgrund sein. Auf schmalen, unbeleuchteten Fußwegen mag niemand gerne gehen. Man fühlt sich unsicher und wird eher zur Nutzung des Autos animiert. Fußgängerampeln mit einer Taktung, die Joggertempo entspricht, setzen alte Menschen, Kinder oder Gehbeeinträchtigte unnötig unter Druck.

Wir brauchen eine Lobby für Fußgänger!

Die Autolobby ist stark in Deutschland. Radfahrer haben auch Verbände und Menschen, die sich für Ihre Interessen einsetzen. Nur Fußgänger haben keine Lobby. Warum eigentlich nicht?!

Celina Bostic singt: ‚Die Bahn ist überfüllt / Das Auto steckt im Stau / Dein Fahrrad hat ‘n Platten / Der Busfahrer ist schlecht drauf / Oh oh / Geh doch einfach zu Fuß

Wie fährt die Zukunft?


Ich wollt nen Flitzer, du Caravan
Jetzt fahren wir Bahn […]
Denn das Geheimnis unseres Glücks
Sind keine Kniffe, keine Tricks
Man muss halt nur zu leben wissen
Mit Kompromissen
Vollkommenes Glück hält ewig an
Nur wenn man drauf verzichten kann
Man muss halt nur zu leben wissen
Mit Kompromissen

(Roger Cicero – Kompromiss)

Genauso wie in diesem Songtexte verhält es sich auch im richtigen Leben. Die perfekte Lösung gibt es meistens nicht, es bleibt ein Mittelweg oder die Wahl des geringeren Übels. Auch in der Frage der Mobilität!

Diesel oder Benziner, Elektroauto, Fahrrad, ÖPNV, Carsharing, Mitfahren oder per Pedes – die Möglichkeiten sind so vielfältig… Das Wichtigste ist erst einmal, dass man sich überhaupt Gedanken zu dem Thema macht! Und nicht etwas so macht, weil man es eben immer so gemacht hat. 

Diesel produzieren weniger schädliches CO2 als Benziner, aber dafür mehr Stickoxide. Bei der Herstellung von Elektroautos bzw. deren Batterien werden viele Ressourcen benötigt und um umweltfreundlich zu fahren, müssen sie mit Strom geladen werden, der aus erneuerbaren Energiequellen stammt (SZ – Wie umweltfreundlich sind Diesel-Alternativen, ZEIT – Wenn möglich, bitte wenden). Die Anzahl der Autos und damit verbunden der Platz, den sie benötigen, ist ein großes Problem. In den Städten mehr als in ländlichen Gebieten. In den Städten ist meist ein gut ausgebautes ÖPNV-Netz vorhanden. Die Entfernungen, die überwunden werden müssen, lassen sich auch gut mit dem Rad fahren. Im Winter oder bei schlechtem Wetter tut man es nur meistens nicht gern.

Auf dem Land pendeln viele Menschen in die Städte zu ihrem Arbeitsplatz. Die meisten nutzen dafür ein Auto. Der ÖPNV wäre oft mehr als ausbaufähig. Die Überlegung für den Arbeitsweg ein Pedelec zu nutzen, habe ich gerade im Bekanntenkreis gehört. Fahrgemeinschaften zu bilden finde ich auch eine prima Idee. Kostengünstiger ist das allemal! Wenn man niemanden kennt, hilft eventuell eine Anfrage in einer Facebook-Ortsgruppe. Es gibt bereits Mitfahr-Apps oder Portale, aber dort finden sich meist Angebote / Gesuche für einmalige längere Strecken. Eventuell wird eine Mitfahr-App in meiner Nachbargemeinde Tarmstedt aufgebaut, das war jedenfalls das Ergebnis der dort durchgeführten Mobilitätsstudie

Fast alle Leute nutzen ihr Auto nur für wenige Stunden am Tag. Da ist doch die ökonomisch beste Lösung, es mit anderen zu teilen. Mit Carsharing beispielsweise. Wenn ein Carsharingwagen fünf Autos ersetzt, kann viel eingespart werden. Platz + Kapitaleinsatz + Ressourcen bei der Herstellung + Emissionen. Wenn ein Elektroauto geteilt wird, ist die Herstellung im Endeffekt umweltschonender, als diejenige von mehreren Wagen mit Verbrennungsmotor. Die Klimaziele sind mit weniger Kfz auf den Straßen leichter zu erreichen. Die Diesel-Stinker, die dann noch unterwegs sind, verursachen zwar immer noch schädliche Abgase, aber der Gesamtausstoß ist niedriger als bisher!

Ich denke schon, das die Zukunft elektrisch fährt. Aber eben nicht als Individualverkehr, d.h. jedem sein eigenes Auto wie bisher! Es gilt die vielen Mobilitätsmöglichkeiten intelligent miteinander zu vernetzen. Und nach dem Motto „weniger ist mehr“ zu verfahren. Außer bei den erneuerbaren Energiequellen. Da müssen die veralteten Netzleitungen erneuert und überhaupt besser ausgebaut werden, damit wir mehr Wind- und Sonnenenergie nutzen können. Dafür könnten die Batterien der Elektroautos sogar als Zwischenspeicher dienen (Lesetipp: Claudia Kemfert – Kampf um Strom). 

Das Buch auf dem Foto ist ganz neu in meinem Bücherschrank (und selbst gekauft!). Ich habe es noch nicht gelesen, aber hier ist schon mal ein kleiner Ausblick. 

So viel Auto braucht kein Mensch…

  
Hinter mir liegt ein sonniges, schönes und km-reiches Wochenende. 3 Tage mit herrlichen Radtouren. Den Wind auf der Haut spüren (obwohl ich ihn ja am liebsten von hinten mag), die ersten warmen Sonnenstrahlen (am Sonntag sogar in kurz-kurz), das Zwitschern der Vögel – einfach herrlich! Nur wenn man dann mal ein Stück so einer Haupt-, Bundes- oder Sonstwas-Strasse folgen muss, ist es vorbei mit der Ruhe. Man wird angehupt, geschnitten und mit stinkenden Abgasen vollgequalmt. Die Autos werden immer größer und größer und überall hockt nur einer drinnen. Was für ein Wahnsinn. Besonders liebe ich ja die Herren der Schöpfung, die meinen, sie müssten einer Radfahrerin ihre Männlichkeit beweisen, indem sie an ihr mit möglichst laut aufheulendem Motor vorbeipreschen…

Leute, nützlich ist ein Auto doch eigentlich nur, wenn man darin ein Fahrrad transportieren kann!

Foto: Let’s bike it

Was sagt eine Studie zur Mobilität in (Klein-)städten über unsere Gesellschaft aus?

Habe die Ergebnisse einer Umfrage zum Fahrverhalten von Bewohnern einer kleineren Stadt gelesen. Es ist interessant zu sehen, aus welchen Gründen welche Verkehrsmittel gewählt werden. 

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Aufgefallen ist mir dabei, dass die meisten mit dem ÖPNV genutzten Wege die zur Schule bzw. Ausbildung sind, danach diejenigen zum Arbeitsplatz. Bei den PKWs steht an erster Stelle die Arbeit, dann Einkaufen bzw. Dienstleistungen und drittens Freizeit. Nach Aufteilung der Bevölkerung in männliche und weibliche Personen ist der Anteil der Wege zum Arbeitsplatz bei den Frauen geringer, der Einkauf dafür größer. Hieraus lässt sich das in der Gesellschaft immer noch vorhandene Hausfrauenmodell herauslesen. Das Fahrverhalten von Frauen ist anders aufgrund halbtägiger Berufstätigkeit, Kindertransporten (Kiga / Schule / nachmittags), Einkaufen. Wenn der Mann den Familienpart übernimmt, würde es ähnlich aussehen.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, wieviele Frauen doch gerade am Nachmittag mit Chauffeurdiensten für ihre Kinder beschäftigt sind. Gerade im ländlichen Bereich sind Freunde (soziale Kontakte), kulturelle und sportliche Begegnungsstätten, Ärzte und andere Dienstleister (Nachhilfe) nicht in unmittelbarer Nähe der eigenen Wohnung zu finden. Diese Ziele sind meist im Nahbereich < 10km. Eine Strecke, die das Kind (noch) nicht selbständig zurücklegen kann. ÖPNV findet oft nur vormittags im Rahmen der Schulbuslinien statt. Als Mutter hat frau oft den Spagat zwischen Unterstützung des Kindes einerseits und mangelnder Zeit + Benzinkosten andererseits. Hier kommt es auch auf das Organisationstalent an: Kann man die Fahrten mit anderen Einsatzzwecken (Einkauf etc.) verbinden? Flexible Termine an regelmäßige anlehnen, Fahrgemeinschaften bilden, Besuchskinder gleich mit dem Schulbus mitfahren lassen, damit die Hintour entfällt – sind da nur einige Ideen. Angebote kann man auch im Hinblick auf (selbständige) Erreichbarkeit auswählen.

Die befragten Personen geben bei Umfragen gerne an, das sie Wege zum Einkaufen mit dem Rad zurücklegen würden. Das wollen sie vielleicht zu dem Zeitpunkt auch wirklich. Es mangelt aber an der Umsetzung. Im Endeffekt wird sich dann doch wieder hinter das Steuer gesetzt, da es bequemer ist. Man braucht seinen Konsum nicht auf die Transportfähigkeit zu überprüfen. Man braucht sich nicht bewegen. Das Wetter ist vielleicht schlecht. Es gibt ausreichend Parkplätze in annehmbarer Entfernung.

Ich gehöre nicht zu den Menschen, die einfach so weitermachen können wie bisher, wenn sie erfahren, wieviele Menschen tagtäglich an den Abgasen aus unseren Autos sterben. Es gibt eine sehr schöne Textzeile von Sarah Connor: „…und was soll ich eines Tages meinen Kindern erzählen?“ Soll ich etwa sagen, klar ich weiss das Leute daran elendig verrecken, aber es war mir wichtiger 5 km im Auto zum Aldi zu fahren?!

Das Auto hat für mich seinen Statuscharakter verloren. Es ist ein Transportmittel von A nach B. Genauso wie der Bus und die Bahn oder ein Fahrrad. 

Durchschnittlich ist ein PKW mit 1,3 Personen pro Fahrt besetzt. Da frag ich mich doch, warum unsere PKW-Modelle immer größer, breiter und schwerer werden, wenn eh nur einer drin sitzt?!

http://www.sueddeutsche.de/auto/design-autos-mit-fettsucht-1.2860340?reduced=true