Fazit zum Pedelec-Test

Schneller als gedacht ist er da: Der Moment der Rückgabe, der Abschied also. Gewöhnt habe ich mich schon am meinen mithelfenden Untersatz. Aber nun kommt der nächste Bewerber an die Reihe. Das Mobilitätskalender ist ausgefüllt, mein Kreuzchen zu der Aussage „Ich kann mir vorstellen, auch zukünftig mit einem Pedelec zur Arbeit zu fahren.“ landet bei „ja“.

Mobilitätskalender

Die einzige Bedingung, die für die Teilnehme am Projekt „PendlerInnen auf‘s Pedelec“ gestellt wird, ist das Führen eines Mobilitätskalenders. Jeden Tag notiere ich gewissenhaft die km, die mit dem Pedelec, einem normalen Fahrrad, zu Fuß, mit dem ÖPNV und dem Auto zurückgelegt wurden. Ich versuche im Testzeitraum möglichst wenig Auto zu fahren und lieber das Pedelec einzusetzen. Bei den meisten PKW-Fahrten ist eine oder mehrere Personen (Kinder) an Bord, teilweise auch mit viel Gepäck. Diese Transport- oder auch Mama-Taxi-Fahrten finde ich zuweilen recht nervig. Aber wer im ländlichen Bereich wohnt, kommt leider nicht ganz drum herum. Ein Lastenrad steht mir zur Zeit leider nicht zur Verfügung. Und dann muss man immer noch die Beifahrer motivieren, sich ebenfalls aufs Rad zu schwingen. Das kann je nach Persönlichkeit schwierig sein…

Am Ende sind es 401 km mit dem Pedelec, 28 km mit dem Rennrad und 53 km zu Fuß (inkl. Joggingeinheiten). Der ÖPNV kommt auf 220 km und das Auto auf 666 km. Da war allerdings auch eine Ferntour mit knapp 230 km dabei.

Ich fühle mich fit genug, um auch ohne Unterstützung Rad zufahren. Trotzdem finde ich so ein Pedelec toll. Die Überwindung des inneren Schweinehundes fällt damit gleich viel leichter. Mein Traumrad ist allerdings ein Lastenrad mit Elektrounterstützung. Zum Lastentransport ergibt das wirklich Sinn. Anderen Mitmenschen kann damit auch der Umstieg auf ein nachhaltigeres Transportmittel schmackhaft gemacht werden. Leider gibt es hier draußen noch kein Lastenradsharing oder ein „freies Lastenrad“. Eine sinnvolle Ergänzung, die der Verbesserung der ländlichen Mobilität dient!

Foto: marcus schm!dt

Das Rad habe ich im Rahmen der Aktion „Pendler auf‘s Pedelec“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Monat lang gefahren. Mehr darüber ist hier nachzulesen.

Das Rad – Elektromobilität mal anders

Neongelb leuchtend steht es da; aufsteigen, einschalten und dann ein beherzter Tritt in die Pedale: Jippie! Ein Gefühl kommt auf, als wenn mich jemand anschiebt. So wie damals mein großer Bruder beim Radfahren lernen oder in der Radgruppe, wenn jemand merkt, dass man nicht recht mitkommt und ein bisschen Unterstützung gibt. Ein tolles Gefühl! Es mag Autos geben mit eingebauter Vorfahrt, aber dieses Rad hat den Rückenwind gleich eingebaut, definitiv! Gegenwind verliert jeglichen Schrecken, voller Rucksack nach dem Einkaufen? Pah – völlig egal! Das Fahren geht zügig und ist in keinster Weise anstrengend. Vier verschiedene Modi unterstützen beim Fahren: Tour (damit bin ich meistens unterwegs), Sport und Turbo, sowie Eco, um den Akku zu schonen.

Reichweitenangst, das Schlagwort zum Thema Elektromobilität ist auch hier zu beachten: Als ich das Pedelec in Empfang nehme, zeigt mir der Akkustand nur zwei Balken an. Die komplette Heimfahrt (ca. 20 km) erscheint mir zu risikoreich. Ich kürze ab mit der Straßenbahn. Ah, es ist nur die „Borgfeld-Vier“. Bis zur Endhaltestelle Lilienthal-Falkenberg weiter mit dem Rad. In der Fahrradbox, deren Mieterin ich bin, ist eine Ladesäule. Shit, hab ganz vergessen, dass man die Nutzung der Säule vorher beantragen (und zahlen) muss. Also nur das Rad angekettet, Akku ausgebaut und mit dem Auto nach Hause. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Im weiteren Verlauf des Testmonats relativiert sich das Ganze. Dann kann ich gut abschätzen, wann ich laden muss und wie weit ich damit komme. Nur mit Licht steigert sich der Verbrauch doch erheblich.

Für die Technikverliebten:

Kalkhoff Endeavour Move B9 (Hersteller: Derby Cycle)

Motor und Ladegerät: Bosch

9 Gang Shimano Alivio

hydraulische Scheibenbremsen Tektro T285

Alu-Rahmen

blockierbare Federgabel SR Suntour Nex E25

Sattel Selle Royal Essenza mit Concept Sattelstütze

Reichweite lt. Hersteller: bis 180 km

UVP: 2.699 EUR

Weitere Details auf der Herstellerseite.

Die auffällige Farbe mag nicht jedermann gefallen. Das Rad ist auch in dunklen Tönen erhältlich. Den Sattel finde ich furchtbar unbequem. Aber die wenigsten Menschen, die ich kenne, fahren mit dem Sattel, der vom Hersteller draufgeschraubt ist. Hintern und Sattel müssen einfach zusammen passen. Die Federgabel und Scheibenbremsen gefallen mir gut. Auch wo es mal etwas holperiger zugeht, wie auf Schotter, bleibt das Fahrgefühl angenehm. Die Bremsen sind griffig und verzögern sofort. Einziges No-Go am Rad: die Klingel. Gewöhnungsbedürftige Optik gepaart mit mangelnder Funktionalität: Wenn’s drauf ankommt, verweigert sie den Dienst und klingelt nicht. Hier sollte dringend durch den Hersteller nachgebessert werden! Ansonsten ist nichts auszusetzen am Pedelec.

Fotos: marcus schm!dt

Das Rad habe ich im Rahmen der Aktion „Pendler auf‘s Pedelec“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Monat lang gefahren. Mehr darüber ist hier nachzulesen.

Pendeln mit dem Pedelec

Anfang des Jahres las ich einen interessanten Aufruf in meinem Lokalblatt, der Wümme-Zeitung: Gesucht wurden Menschen, die einen Monat lang ihren Arbeitsweg (oder einen Teil davon) mit einem Pedelec zurücklegen wollten. Der BUND stellt dafür insgesamt sieben Pedelecs zur Verfügung. 70 glückliche Teilnehmer werden aus rund 120 Bewerbern ausgelöst, die Radheldin ist eine davon.

Ein Pedelec unterstützt nur die Tretbewegung, ganz ohne Pedalieren fährt es nicht! Dieses Fahrgefühl lässt sich am besten mit „eingebautem Rückenwind“ beschreiben. Auch Menschen, die sonst eher weniger Radfahren, können so ohne größere Kraftanstrengung weite Strecken zurückzulegen. Gegenwind und Steigungen verlieren ihren Schrecken. Auch für alle diejenigen, die zwar gerne mit dem Rad zur Arbeit fahren möchten, aber dort nicht verschwitzt ankommen wollen, ist es eine gute Lösung.

Ich fahre meist den kürzeren Teil meines Arbeitsweges mit dem Auto und steige dann in Lilienthal-Falkenberg in die Straßenbahn. Um vor Diebstahl und Vandalismus geschützt zu sein, habe ich einen Stellplatz in der abschließbaren Fahrradbox gemietet. Die Pendelfahrten zum Arbeitsplatz bin ich teils bis zur Haltestelle der Straßenbahn oder auch komplett mit dem Pedelec gefahren. Bei dem hochsommerlichen Wetter ist das Fahren auf dem Rad (Fahrtwind) wesentlich angenehmer als im ÖPNV (viele Menschen, denen heiß ist…). In meinen Testzeitraum fallen zwei Wochen Urlaub. Ich habe ersatzhalber versucht, die meisten Alltagswege mit dem Pedelec zu fahren. Beim Transport von Menschen oder sperrigen Sachen ging es leider nicht ohne Auto.

Für die Aktion des BUND muss ein Mobilitätskalender geführt werden. Kein großer Aufwand und die einzige Auflage, die zur Nutzung des Pedelec gemacht wird. Dabei erhält man einen Einblick in das eigene Mobilitätsverhalten. Viele PKW-Fahrten sind einem sonst im Alltag gar nicht recht bewusst. Nur mal eben schnell… Das eigene Verhalten zu reflektieren, ist der erste Schritt zur Änderung!

Foto: marcus schm!dt

Ein paar Gedanken zu Pedelecs

  
Da liest man in der letzten Zeit immer öfter über die hohe Unfallgefahr für e-Bikes. Ist da was dran? Und woran liegt es? 

Eigentlich sind im Straßenverkehr viel mehr Pedelecs als e-Bikes unterwegs. Fahrräder mit elektrischer Unterstützung werden im Sprachgebrauch als e-Bikes bezeichnet, aber eigentlich handelt es sich um Pedelecs. Die Unterscheidung zwischen beiden besteht hauptsächlich in der erreichbaren Geschwindigkeit (Pedelec: Tretunterstützung bis max. 25 km/h, e-Bike: bis 45 km/h). Ein Pedelec ist also mit einem schnellen Radfahrer gleichzusetzen und ein e-Bike mit einem Moped. Das Fahrverhalten des Rades verändert sich natürlich mit der gefahrenen Geschwindigkeit. Beispielsweise die Fliehkraft beim Kurvenfahren oder der Bremsweg.

Aber liegt die Unfallhäufigkeit eher an den Pedelecnutzern oder an den anderen Verkehrsteilnehmern? Ich glaube nicht, dass mit Elektrounterstützung mehr Kamikazefahrer unterwegs sind. Ein gewisser Anteil von Verkehrsteilnehmern fährt unvorsichtig und rücksichtslos, egal ob mit dem Auto oder dem Rad. Das ist eher eine Problematik der Persönlichkeit und nicht des genutzten Verkehrsmittels (Idioten gibt es überall ;)).

Es den Pedelecfahrern anzukreiden, dass die Autofahrer deren Geschwindigkeit falsch einschätzen, macht mich echt wütend! 👿 Ein Autofahrer macht einen Fehler – und wer hat schuld: Der Radfahrer natürlich… Das kann ja wohl nicht sein! Wenn man etwas schlecht einschätzen kann, dann muss man halt warten und im Zweifelsfall zweimal gucken. Der Stärkere muss doch Rücksicht auf den Schwächeren nehmen und nicht etwa umgekehrt! Als Radfahrer habe ich nun mal nicht 2 t Stahl als Schutzpanzer um mich umzu, da bin ich eh in der Denfensive. Und mal ’ne andere Frage: die Geschwindigkeit von Mofas schätzen Autofahrer doch auch meistens korrekt ein, oder?

Das Problem mit der Rücksichtnahme sehe ich auch als Hindernis beim Shared Space. Von der Idee her finde ich es gut, die Straße unter allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt zu teilen. Dann kommt auch z.B. nicht die Frage auf, für wen jetzt welche Ampel eigentlich gilt und für wen nicht… Andererseits würde ich mich von Autos oder mehr noch von LKW oder Bussen bedrängt fühlen. Oder Monstertreckern mit Arbeitsmaschinen hintendran… Ich bin schon relativ abgebrüht und fahre oft auf der Straße (weil kein Radweg oder nur ein sehr schlechter / schmaler zur Verfügung steht). Trotzdem gibt es da so gewisse Angstmomente. Menschen, die nicht oft mit dem Rad unterwegs sind oder Eltern mit Kindern können sich leicht überfordert fühlen und dann lieber gar nicht mit dem Rad fahren. Shared Space nur mit Tempolimit und genügend Abstand!

Ein Pedelec würde ich auf jeden Fall beim Fachhandel kaufen und nicht im Netz oder beim Baumarkt. Ganz wichtig ist es, damit Probe zufahren. Nicht nur eine kleine Runde im Kreis. Wenn Senioren sich eines anschaffen, um mobil zu bleiben, finde ich das generell gut. Von den Familienangehörigen würde ich mir wünschen, dass sie mal zu Anfang eine Tour begleiten, um sich ein Bild zu machen. Vielleicht können sie ja auch zur Benutzung eines Helmes gut zureden… Und wenn es mit der Reaktionsfähigkeit, der Seh- und / oder Hörstärke nicht mehr gut bestellt ist, dann ist das Fahren mit dem Pedelec vielleicht wirklich gefährlich. In diesem Falle ist gerade für Senioren davon abzuraten.

Wer jetzt einmal ganz in Ruhe ein Pedelec oder Liegefahrrad ausprobieren möchte, kann das im Rahmen der e-mobilen Landpartie, dem neuen Wellnesswochenende in Tarmstedt tun. Außerdem beinhaltet das Angebot noch einen eGolf zum ausgiebigen Testen.

Das i:SY im Kidstest

Radfahren macht Spaß! So ein Lastenrad funktioniert auch als Familienkutsche für 1 bis 2 Kinder. Und die finden das megacool. Auch wenn Sie schon lange selbst radeln können. Im Vergleich zum gestrigen Megaeinkauf war die Gewichtszuladung nur gering. Den e-Antrieb habe ich allein für den Spaßfaktor verwendet. 😀 Für die Sitzbank sollte man ein Kissen oder Polster besorgen, bei einer längeren Fahrt wird es sonst unbequem.

Zum Kindertransport ist ein Lastenrad eine gute Alternative zum Fahrradsitz oder Anhänger. Das Kind sitzt höher als im Anhänger (dort ist es in der gleichen Höhe wie die Autoabgase!) und sieht auch etwas. Man selber hat das Kind im Blick und kann sich während der Fahrt unterhalten. Etwas Platz, um ein paar Kleinigkeiten mitzunehmen findet sich auch noch.

Meiner Meinung nach eine echte Alternative zum (Zweit-)wagen für eine Familie mit kleinen Kindern.  

Technisches:

  • Schaltung: 9 Gang Shimano Sora
  • Heckmotor
  • Gewicht: ca. 40 kg
  • Straßentauglich mit Beleuchtung und Klingel

Viele tolle Lastenräder gibt hier, auch zum ausleihen!

Im Kaufrausch – Großeinkauf mit dem Lastenrad

So rein optisch ist das i:SY ein ganz anderer Schnack als das Omnium. Es hat keine Plattform, sondern eine Mulde mit herausklappbarer Sitzbank. Damit wird ganz klar eine andere Zielgruppe angesprochen: Eltern, die ihre Kids transportieren wollen und eben auch Großeinkäufe machen müssen. Das Lastenrad erinnert ein bisschen an eine Kreuzung aus Hollandrad und Schubkarre. 😜

Für mich war zuerst einmal die Sitzposition etwas gewöhnungsbedürftig. Aufrecht, halt hollandradmäßig. Der Elektroantrieb funktioniert auch für Technikdussel denkbar einfach. Anschalten und die gewünschte Unterstützung von Stufe 1 bis 5 auswählen. 0 entspricht neutral und mit dem Minusbereich kann man Akkukapazität sparen. Um leer und ohne nennenswerte Steigungen und Gegenwind zu fahren, reicht mir „neutral“ vollkommen aus. Einen Geschwindigkeitsrekord gibt es damit natürlich nicht. Aber es muss auch nicht immer gerast werden, manchmal ist gemütliches Fahren auch sehr schön. 

Auf meinem Weg von Bremen nach Grasberg hatte ich genügend Zeit, um mein Augenmerk auf die Beschaffenheit der Radwege zu richten. Holpriges Pflaster, Baumwurzeln und zerbrochene Betonplatten steckt das i:SY nicht optimal weg, die Mulde klappert laut und die Bodenbeschaffenheit ist gut am Hintern zu spüren. Am besten kann man damit auf der Straße fahren. 

Der absolute Härtetest folgte nun beim Großeinkauf. Da mir die riesige Mulde zur Verfügung stand, habe ich bei Getränken (20,5 ltr.) so richtig zugeschlagen. Waschpulver (10 kg) war grade im Angebot und dazu noch das übliche Sammelsurium von Süsskram über Joghurt bis zu Klotzfisch. Der Einkaufswagen liess sich nur noch schwer steuern. 

Der Megaeinkauf passte perfekt in die Mulde! Puuh, gutes Augenmaß gehabt. So um die vierzig Kilo plus Radgewicht wollte ich mir dann nicht antun. Jetzt war ich bereit für den E-Antrieb.

Sehr angenehm, das Fahren war überhaupt nicht anstrengend, lockeres Pedalieren wie mit Rückenwind bergab. Nur im Lenkverhalten macht sich die Zuladung bemerkbar. Abrupte Bewegungen sollte man tunlichst vermeiden! Beim Anfahren hat man den gleichen Effekt, als würde man angeschoben bzw. wie ein „Kickdown“ in PKWs mit Automaticgetriebe. Coole Sache, das! Damit kann man auch ’ne Waschmaschine den Weyerberg hochbringen, oder so…

Morgen mehr zu: Kids an Bord und Technik

Die Radheldin goes e-Bike oder mein Wochenende als i:SY Rider

E-Bikes sind was für Rentner. Die meisten Radleute die ich kenne, nehmen e-Bike-Fahrer nicht ganz für voll. Wenn ich mich einen Berg Hügel hochquäle und so ein motorisiertes Etwas flitzt an mir vorbei, dann finde ich das auch nicht so toll. Aber für Leute, die nicht verschwitzt irgendwo ankommen (Arbeit, Date) und aufs Auto verzichten wollen, ist es doch die Lösung. 

An diesem Wochenende testet die Radheldin das i:SY Lastenrad mit e-Unterstützung. Und es ist ein Pedelec, kein e-Bike. Denn so schnell fährt es nun auch wieder nicht. Das Bullitt teste ich ein anderes Mal, es wird noch in der Werkstatt bei Sønsteby’s aufgehübscht.  

Morgen gibt’s den ersten Testbericht – über alle Follower freue ich mich und übers liken und teilen natürlich auch!