Im Kaufrausch – Großeinkauf mit dem Lastenrad

So rein optisch ist das i:SY ein ganz anderer Schnack als das Omnium. Es hat keine Plattform, sondern eine Mulde mit herausklappbarer Sitzbank. Damit wird ganz klar eine andere Zielgruppe angesprochen: Eltern, die ihre Kids transportieren wollen und eben auch Großeinkäufe machen müssen. Das Lastenrad erinnert ein bisschen an eine Kreuzung aus Hollandrad und Schubkarre. 😜

Für mich war zuerst einmal die Sitzposition etwas gewöhnungsbedürftig. Aufrecht, halt hollandradmäßig. Der Elektroantrieb funktioniert auch für Technikdussel denkbar einfach. Anschalten und die gewünschte Unterstützung von Stufe 1 bis 5 auswählen. 0 entspricht neutral und mit dem Minusbereich kann man Akkukapazität sparen. Um leer und ohne nennenswerte Steigungen und Gegenwind zu fahren, reicht mir „neutral“ vollkommen aus. Einen Geschwindigkeitsrekord gibt es damit natürlich nicht. Aber es muss auch nicht immer gerast werden, manchmal ist gemütliches Fahren auch sehr schön. 

Auf meinem Weg von Bremen nach Grasberg hatte ich genügend Zeit, um mein Augenmerk auf die Beschaffenheit der Radwege zu richten. Holpriges Pflaster, Baumwurzeln und zerbrochene Betonplatten steckt das i:SY nicht optimal weg, die Mulde klappert laut und die Bodenbeschaffenheit ist gut am Hintern zu spüren. Am besten kann man damit auf der Straße fahren. 

Der absolute Härtetest folgte nun beim Großeinkauf. Da mir die riesige Mulde zur Verfügung stand, habe ich bei Getränken (20,5 ltr.) so richtig zugeschlagen. Waschpulver (10 kg) war grade im Angebot und dazu noch das übliche Sammelsurium von Süsskram über Joghurt bis zu Klotzfisch. Der Einkaufswagen liess sich nur noch schwer steuern. 

Der Megaeinkauf passte perfekt in die Mulde! Puuh, gutes Augenmaß gehabt. So um die vierzig Kilo plus Radgewicht wollte ich mir dann nicht antun. Jetzt war ich bereit für den E-Antrieb.

Sehr angenehm, das Fahren war überhaupt nicht anstrengend, lockeres Pedalieren wie mit Rückenwind bergab. Nur im Lenkverhalten macht sich die Zuladung bemerkbar. Abrupte Bewegungen sollte man tunlichst vermeiden! Beim Anfahren hat man den gleichen Effekt, als würde man angeschoben bzw. wie ein „Kickdown“ in PKWs mit Automaticgetriebe. Coole Sache, das! Damit kann man auch ’ne Waschmaschine den Weyerberg hochbringen, oder so…

Morgen mehr zu: Kids an Bord und Technik

Die Radheldin goes e-Bike oder mein Wochenende als i:SY Rider

E-Bikes sind was für Rentner. Die meisten Radleute die ich kenne, nehmen e-Bike-Fahrer nicht ganz für voll. Wenn ich mich einen Berg Hügel hochquäle und so ein motorisiertes Etwas flitzt an mir vorbei, dann finde ich das auch nicht so toll. Aber für Leute, die nicht verschwitzt irgendwo ankommen (Arbeit, Date) und aufs Auto verzichten wollen, ist es doch die Lösung. 

An diesem Wochenende testet die Radheldin das i:SY Lastenrad mit e-Unterstützung. Und es ist ein Pedelec, kein e-Bike. Denn so schnell fährt es nun auch wieder nicht. Das Bullitt teste ich ein anderes Mal, es wird noch in der Werkstatt bei Sønsteby’s aufgehübscht.  

Morgen gibt’s den ersten Testbericht – über alle Follower freue ich mich und übers liken und teilen natürlich auch!

Abschied… Omnium#3

Montag… der Bremer Sommer ist anscheinend vorbei und ich gebe das Lastenrad zurück. Schade, ich hatte mich schon richtig dran gewöhnt. 

Heute früh hatte ich allerdings das erste Mal mit etwas Wind zu tun. Und da ist so ein Cargobike schon anfälliger, da ja die Fläche, die sich dem Wind entgegenstellt, erheblich größer ist. Hier konnte ich die geniale Schaltung endlich so richtig nutzen. Beim Fahren im Wiegetritt schwankt das Rad ganz schön, aber im Alltagsgebrauch wird so wohl eher nicht gefahren.

Und: Bei Wind empfiehlt es sich, keine offene Kiste zu nehmen, bzw. leichtere Sachen etwas abzudecken oder zu befestigen. 

Wohnen auf dem Lande hat auch Vorteile, einer liegt darin, dass genügend Platz zur Verfügung steht. So ein Lastenrad benötigt natürlich eine größere Stellfläche als ein Standardrad. Aber immer noch erheblich weniger als jedes Auto. In unserem Carport stand es recht verloren herum. Das Omnium läßt sich aber platzsparend auch hochkant aufstellen. 

Das Omnium Cargobike hat ein Top-Fahrverhalten, es liegt gut auf der Straße und steckt auch Kopfsteinpflaster und Schotterstrecken ganz gut weg. Sandwege sollte man lieber meiden, da fährt es sich nicht schön. Für Langstrecke (20+ km) ist es gut geeignet. Ich könnte mir sogar vorstellen, damit eine mehrtägige Radtour zu machen. Zelt und Gepäck bekommt man prima mit. 

Technik-Gedöns:

  • Schaltung: SRAM X5 10 Gang mit 11-36 (!) Kassette
  • Kettenblatt: 130 Durchmesser 42 Zähne
  • Avid Scheibenbremsen
  • Gewicht: ca. 17kg

Fazit: tolles Rad! Das Fahren an sich hat soviel Laune gemacht, dass die Transportmöglichkeit ein angenehmer Nebeneffekt ist. Bock auf Bike! Dazu kommt der kommunikative Aspekt, ich fiel mit dem für den ländlichen Bereich ungewöhnlichen Gefährt auf und wurde oft angesprochen. Als Radfahrende kommt man wesentlich leichter in Kontakt mit anderen Menschen als Autofahrende in ihren Einzelzellen.

Um zu erreichen, dass Leute vom Auto aufs Rad umsteigen, braucht es mehrere Gründe: aus Vernunft (CO2-Fußabdruck); wenn die Nutzung praktischer und schneller (Parkplatzsuche, Stau) ist; aus Kostengründen (sowohl die Anschaffung, Nutzung als auch Ersatzteile, Wartung und Werkstattkosten sind günstiger, keine Steuer, nur geringe Versicherungskosten) und nicht zuletzt die Emotionen. Wenn das Fahren keinen Spaß macht, wird im Zweifelsfall doch eher das Auto genommen. 

Demnächst geht der Lastenradtest in die zweite Runde, voraussichtlich mit dem Bullitt. Mein Test wird freundlicherweise unterstützt von Sønsteby’s.

Omnium #2

Samstag – der Tag, an dem der Wocheneinkauf erledigt wird – Großkampftag also. So wirklich toll finde ich die Einkaufsarie ja nicht. Mal sehen, ob es mit dem Lastenrad etwas mehr Spaß macht.

Die Schaltung ist butterweich – schwupps schnell nach Worpswede geradelt. Auf der großen Plattform habe ich eine Klappkiste befestigt und meine große Radtasche ist auch dabei. Da ich die Sachen nicht wegschließen kann, muss ich mir vorher überlegen, in welcher Reihenfolge ich die Geschäfte anfahre: Zuerst Apotheke und Drogeriemarkt, dort kaufe ich nur Kleinigkeiten,  die passen in die Radtasche. Danach Supermarkt, hier sind es schon ein paar Sachen mehr, aber die Radtasche ist groß genug. Ganz zum Schluss für die restlichen Dinge zum Discounter. 

Auf dem Weg nach Hause noch kurz Eier geholt, die mag ich nicht mehr im Laden kaufen und hole sie lieber da, wo die Hühner noch im Garten laufen dürfen.

Hat alles prima geklappt. Nur Küchenrolle und Klopapier habe ich vergessen,  da ich unterwegs meinen Einkaufszettel verbummelt habe. Das hätte ich aber ohne Probleme noch verstauen können. 

Fazit: Etwas mehr Überlegung bei der Einkaufsplanung nötig, dafür aber ein sehr großer Spaßfaktor! Überraschte Blicke gab es viele und auch ein paar wohlmeinende Kommentare. Die Worpsweder Radwege sind leider ziemlich schmal; bei Begegnungen mit Fußgängern und anderen Radfahrern ist da Stress vorprogrammiert. Überbreite hat das Rad jedoch nicht, der breiteste Teil ist der Lenker. Trotzdem bin lieber auf der Straße gefahren.

Der Lastenradtest wird freundlicherweise unterstützt von Sønsteby’s

Omnium #1

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Heute ist es soweit, der Praxistest fürs Lastenrad geht in die erste Runde! Radläden haben so etwas anheimelndes. Orte zum Wohlfühlen, wo es tolle Sachen gibt und man nette Menschen trifft, die das gleiche Hobby teilen und mit denen man sofort ein Gesprächsthema findet. Sønsteby’s macht da keine Ausnahme. Sie unterstützen meine Bestrebungen, Interesse für nachhaltige Mobilität auf dem Lande zu wecken und ich darf verschiedene Cargobikes dem Praxistest unterziehen. Dafür schon einmal ein herzliches Dankeschön!

Bei schönsten Sommerwetter kann ich das Rad abholen. Die Ausfahrt mit den Rennradfreunden entfällt heute mal, ich glaube nicht, dass ich mit dem Lastenrad den Schnitt mithalten kann. Obwohl es ja ein sportliches Modell mit niedrigem Gewicht und steifem Rahmen ist. Für ein Rennen würde ich es auf jeden Fall mit einem Rennlenker und Klickpedalen pimpen… Halt stop, da gehen schon wieder die Pferde mit mir durch! Noch mal zurück auf Anfang.

Vor mir liegen knapp 25 km bis nach Hause, mit nur geringer Zulassung (ein Massenger-Bag). Eine angenehme Fahrt, mit Samba Wetter in Bremen und überall nur fröhliche,  gut gelaunte Menschen. Radfahren ist einfach kommunikativ.  Man kommt viel leichter mit anderen Leuten ins Gespräch als in einer motorisierten Einzelzelle!

Und morgen geht’s dann auf zum Wocheneinkauf!

Meine Lastenradoffensive

Fast alle Automobile sind nicht „mobil“, sondern stehen die meiste Zeit herum und beanspruchen Platz, den man auch anders nutzen könnte. Die Auslastung ist größer, umso mehr Personen sich ein Auto teilen.

Um das ganze umweltfreundlicher (für das Klima) und gesünder (für uns Menschen, die dann nicht mehr soviele Abgase einatmen müssen) zu gestalten, sind Elektroautos, sofern der dafür benötigte Strom aus regenativen Quellen gewonnen wird, ideal. Wenn man beides miteinander koppelt, landet man beim e-Carsharing.

Noch umweltfreundlicher ist die Nutzung eines Fahrrades. Leider ist hier die Transportkapazität begrenzt. Abhilfe schafft da ein Lastenrad. Um nicht immer nur im Konjunktiv darüber zu schreiben, bin ich zu Sønsteby’s nach Bremen gefahren und habe mir dort verschiedene Lastenräder angesehen.

Es gibt viele verschiedene Modelle; das klassische Bäckerrad, Dreiräder (wahlweise mit zwei Rädern vorne oder hinten) oder diverse Aufbauten mit Kisten oder Plattformen. Vorher sollte man sich also überlegen, für welchen Zweck man das Rad benötigt, ob hauptsächlich Kinder oder Einkäufe transportiert werden sollen. Man kann sich entscheiden zwischen der aufrechten Sitzposition eines Hollandrades (beim bakfiets) oder der eines Trekkingrades (Bullit). Wer mich kennt, den wundert es nicht, dass ich mich spontan für etwas sportlicheres entschieden habe (Omnium). Auch der Platzbedarf zum Abstellen unterscheidet sich erheblich. Aber damit habe ich im ländlichen Wohnbereich erfreulicherweise kein Problem!

Für einen ersten Eindruck bin ich mit dem Bullit und dem Omnium einmal um den Block gefahren. Aber das reicht mir natürlich nicht. Ich werde das Rad am kommenden Wochenende im Praxisbetrieb testen, da freue ich mich jetzt schon drauf! Dann gibt es Antworten auf Fragen wie z.B. ob das nur etwas für Fahrradkuriere ist oder auch für den Familienwochenendeinkauf taugt. Und wie der ohne abschließbaren Kofferraum funktioniert.

Lastenräder sind schwer im Trend, von Spiegel bis Bildzeitung, alle berichten darüber. Nur Stationen, die Cargobikesharing anbieten, gibt es leider noch zu wenig.

Ländlich mobil…

Nachhaltig auf dem Lande unterwegs zu sein ist schwierig, vor allem, wenn es nicht nur um eine Person geht, die von A nach B möchte (möglichst ohne Gepäck).

Ein großes Thema ist das Einkaufen, eine größere Menge Lebensmitteln (von Getränken ganz zu schweigen) auf dem Rad zu transportieren heißt: Rucksack und Gepäcktaschen. Rückenschmerzen sind vorprogrammiert (ich sag dazu nur Bibliotheksbesuch…). Die Geschwindigkeit und gute Steuermöglichkeit des Rades nimmt proportional zur Gewichtszuladung leider ab. So ein Lastenrad wäre toll. Ich bin noch nie damit gefahren und würde das gerne mal irgendwo testen. Die Anschaffungskosten sind leider hoch. Einen Standort, wo man so etwas leihen kann, gibt es in Grasberg und umzu leider nicht.

Daher finde ich den Vorschlag in die Förderung der Elektromobilität auch Räder einzubeziehen sehr gut! Hier sollte es vor allem darum gehen, die Räder zu fördern, die wirklich ein Auto ersetzen! Also E-Lastenräder und Pedelecs, die zum Pendeln eingesetzt werden. Mobilität von Senioren gehört für mich auch dazu, wenn sie sich nicht nur auf sonntägliche Ausflugstouren beschränkt.

Das andere große Thema ist der Transport von Kindern. Kleine Kinder fahren auch prima im Lastenrad mit. Es gibt spezielle Sitzsysteme, aber ich habe auch schon Leute mit umgebauten Autositzen gesehen. Bei den größeren Kids spielt leider das Mama-Taxi eine große Rolle. Dieses findet sich auch in der aktuellen Grasberger Studie über das „junge Leben im ländlichen Raum“ wieder. Die Angebotes des ÖPNV sind leider gering. Es gibt den Bürgerbus und wenn man Glück hat, Freunde und Freizeitangebote in Fahrradentfernung. Ich traue meinen Kindern eine Teilnahme am Straßenverkehr zu. Das stärkt das Selbstvertrauen, die Eigenständigkeit und das Verantwortungsbewusstsein.

Wenn Sie Pokemons jagen würden (was sie mangels Flatrate nicht tun), dann ließe ich sie das ebenfalls mit dem Fahrrad machen 😉

Die 24h von Nortorf – läuft bei mir!

 

Ich fahr ’ne Runde, und dann noch eine, und dann noch eine… und immer so weiter (frei nach Sven Regener)!

Die 24 Stunden von Nortorf – hört sich ja schon mal geil an. Bei der groben Planung der Events an denen Mitglieder des BBC Teams teilnehmen wollten, fand ich das spannend. Rad am Ring war mir ’ne Nummer zu heftig und Nortorf klang richtig gut zum Üben. Der Termin war ja auch noch lange hin.

Doch die Zeit vergeht schnell, das Datum kam nah und näher. So richtig fit fühlte ich mich noch nicht. Dann hatte mein Quantec auch noch einen Schaden und so musste ich C14 (vielleicht sollte ich meinen Räder auch Namen geben?! – Vorschläge bitte…) mitnehmen. So viel gefahren war ich damit bisher nicht, weil ich mich noch nicht so richtig darauf wohlfühlte. Aber gut, irgendwomit muss ich ja fahren. Dann muss sich der Körper halt an die Gegebenheiten anpassen! Sport findet ja nicht immer nur im Wohlfühlbereich statt, man sollte schon bereit sein, an seine Grenzen und darüber zu gehen.

Der Tag war da, Radklamotten, Rad und diverses Kleinmaterial eingepackt. Auf der Autobahn landeten wir gleich im dicksten Reiseverkehr. Na toll! Ziemlich abgespannt kamen wir endlich an. Nur gut, das die anderen zwei Wagen des Teams schon da waren und sich um einen Raum in der Schule Nortorf gekümmert hatten. Ein Fahrerlager mit Luftmatratzen (von Kingsize Größe bis Minimalistenausgabe), Schlafsäcken, Wäschetrocknern, Materialkästen und Fahrrädern entstand.

Um 10 Uhr morgens war Start; dann konnte man 24 Stunden lang fahren, so oft man konnte bzw. wollte. Runde 1 ging schon gut los! Nach ca. 5 km hatte Katja einen Plattfuß. Kurz danach eine festgeklemmte Kette und zum Schluss noch eine kaputte Speiche bei Tim. Das kostete Zeit & Nerven. Mittlerweile war von den anderen Fahrern nichts mehr zu sehen. Zum Glück ging es nicht so weiter. Da die anvisierten Ziele, Fahrstrategien, Müdigkeit etc. doch recht unterschiedlich waren, fanden sich immer wieder neue Gruppenkonstellationen. Ich habe mich hauptsächlich um Ausdauer bemüht, eine Runde fahren, kurze Pause, zweite Runde fahren, längere Pause war für mich eine gute Aufteilung. Um die Runden zu schaffen, war ich auch bereit nachts zu fahren.

(Foto: RSG Mittelpunkt)

Man glaubt es kaum, aber auch in Schleswig-Holstein gibt es Anstiege. Der eine hatte es auch ziemlich in sich, wenn man kein trainierter Bergfahrer ist. Aber je öfter man ihn fährt, desto besser wird man. Was habe ich diesen Hügel beschimpft! Langsam hoch ging gar nicht. Aber ich habe es doch jedes Mal irgendwie geschafft. Dafür war die anschließende Abfahrt top und die Kurven (wenn kein Gegenverkehr kam) schön zu nehmen! Das entschädigte auch jedes Mal dafür. Als „Bergziege“ würde ich mich trotzdem nicht bezeichnen.

Runde 5 startete ich solo, der Nieselregen ging dann leider in beständigen Landregen über, der mich völlig durchnässte. Jetzt reichte erst einmal. In unserem Hauptquartier hingen überall nasse Klamotten. Didis Schuhtrockner (was es nicht alles gibt…!) lief auf Hochtouren.

Nachts im Dunkeln zu fahren ist ebenfalls ein Erlebnis. Ich hatte das bisher nur einmal gemacht, um meine B+M Ixon IQ 80 zu testen. Aus dem Non-Food Angebot eines Kaffeerösters habe ich eine Stirnlampe (gekauft zum Laufen). Ich wollte ungern die Bänder kaputtschneiden, aber Rolf fand eine Möglichkeit, wie ich sie mit Kabelbindern an meinen Helm befestigen konnte. Einige der Fahrer hatten ihre Räder lichtmäßig ziemlich aufgepimpt, aber an unseren Mischél kam keiner ran!

Wenn man die Runden sooft fährt, kennt man sie irgendwann auswendig. Den toten Iltis am Straßenrand in Gnutz, das Hinweisschild Heuhotel vor dem Anstieg in Heinkenbostel, das Ortsausgangsschild von Bargstedt mit dem Hinweis „Nortorf 8km“. Die Gefahrenstelle in Heinkenbostel, wenn man wegen des Kopfsteinpflasters auf den Radweg wechselt (Bordsteinkante!), hatten wir schon beim Abfahren der Strecke vor dem Start in Augenschein genommen. Ich hatte Glück, nachts mit komplett wegen Nebels beschlagener Brille habe ich die Stelle im Blindflug getroffen. Und die schlechte Strecke auf dem letzten Teilstück ab Bargstedt habe ich bewusst auch erst auf unserer letzten Runde wahrgenommen. Hier bin ich in der Dunkelheit so einigen Längsrillen und Schlaglöchern entronnen. Ich muss dazu sagen, dass ich die ersten Runden im Tageslicht dort lieber auf dem Radweg gefahren bin. So etwas ist zwar selten, aber dessen Zustand ist besser als jener der Straße! Nach einigen Berichten über Platte auf dem Radweg und dem immer heftigeren Schneckenalarm bin ich dann auch auf die Straße gewechselt.

Nachts fahren ist ungewohnt, aber okay. Nachts fahren mit Regen ist doof. Nachts fahren mit Nebel ist absolut ätzend! Es ist eklig nasskalt, aber noch schlimmer finde ich, dass man als Brillenträger absolut nichts sieht! Ich bin ja leider auf eine Brille angewiesen und trage nicht nur eine Radfahrerbrille wegen der Viecher und weil es chic aussieht. Der Vorteil des Nachtfahren ist, dass man weniger von bekloppten Autofahrern belästigt wird. Da war alles dunkel und die Bürgersteige hochgeklappt. Halt stop, mitten in der Nacht waren einige Pokemonjäger mit ihren Handys unterwegs. Aber die waren auf dem Fußweg.

Als einige von uns gegen 6.40 Uhr zum vorletzten Mal starten wollten, fragte ich, ob es noch nebelig wäre – Antwort ja. Dann sagte jemand, es wäre zur Zeit noch kein Kaffee da, da war für mich klar, diese Runde fahre ich nicht mit. Kalt und nass ist das eine, aber ohne Kaffee geht gar nicht. Ansonsten habe ich einen leichten Schlaf und wenn jemand in oder aus dem Raum ging, war ich wach. Dann gab es nur einen Gedanken: Ich bin wach, also fahre ich ’ne Runde.

Ansonsten war die Verpflegung des Events wirklich grandios! Ich hatte schon im Vorfeld viel darüber gehört. Nur zum Essen wollte ich eigentlich nicht dorthin. Aber es gab wirklich ALLES! Belegte Brötchen, Pasta, in der Nacht Suppe, Müsli, Kuchen, Pudding, Obst, Frikadellen, Heringe, Schokoriegel, Kaffee, Cola, Isogetränke und und und…! Nicht nur das Essen, auch die ganze Veranstaltung war spitzenmäßig organisiert. Es gibt eine Notfallnummer, ein Werkstattwagen fährt die ganze Zeit auf der Strecke und eine Fahrradwerkstatt gab es auch. Die Mitglieder und Helfer vom RSG Mittelpunkt haben hier viele hundert Arbeitsstunden geleistet, sonst wäre so etwas gar nicht möglich, bzw. das Startgeld müsste erheblich höher sein. Noch einmal DANKE von dieser Stelle aus!

Ja und die allerletzte Runde, die wir um 8 Uhr in Angriff nahmen, fand dann doch wirklich im Sonnenschein statt! Alle waren kaputt, aber glücklich! Ich habe mein Ziel, 11 Runden (=308km) zu fahren erreicht. Die Rückfahrt war unspektakulär. Das Umschalten vom Radfahrmodus zurück in den Alltag hat zumindest bei mir etwas gedauert.

Hammer!


Im Allgemeinen ist es gut, wenn man auch mal andere Wege geht. Das betrifft nicht nur das Radfahren allein. Andere Perspektiven, Sichtweisen und Blickwinkel tragen zur Problemlösung und Gedankenvielfalt bei. 

Aber jetzt speziell zum Rad: Ich hatte heute einen Termin in Bremen-Gröpelingen. Dazu fuhr ich von Worpswede über Waakhausen und Viehland auf die K 8. 

Und hier bekommt das Wort „Grünstreifen“ im Zusammenhang mit Radwegen eine ganz neue Bedeutung! 

Auch wenn dort 2017 ein Kreisel angelegt werden soll, worüber sich die Politiker allerdings noch nicht ganz einig sind, sehe ich hier dringenden Handlungsbedarf der Kreisstraßenmeisterei! 

Tarmstedt – ein Vorbild für die ganze Region

Hier draußen auf dem Lande dauert es ja immer etwas, bis die urbanen Trends ankommen…

Umso beachtenswerter ist es, dass ganz in der Nähe, meiner Nachbargemeinde Tarmstedt nämlich,  eine der ersten Schnellladesäulen für Elektroautos in Betrieb genommen wurde! Tarmstedt sieht sich sonst eher als das Mekka des Nordens, wenn es um Landwirtschaft geht (und die jährliche Messe dazu).

Nun allerdings spielt Tarmstedt (3.500 Einwohner) mit der CCS-Schnellladesäule in einer Liga mit Städten wie Bremen und Oldenburg. Leider ist Deutschland im Bezug auf Ladeinfrastruktur noch tiefste Provinz. Selbst in der Metropole Berlin sind es nur ca. 200. Ein bundesweites Verzeichnis von Säulen ist hier zu finden. 

Mit der neuen Säule geht das Aufladen wesentlich schneller. In nur 20 Minuten ist der Akku zu 80% geladen,  an den herkömmlichen Säulen dauert der Ladevorgang 4 – 6 Stunden. Also ideal, wenn man etwas vor Ort zu erledigen hat, Einkäufe etc.

Der Anstoß zur Tarmstedter Innovation stammt von einer kleinen, privaten e-Carsharing Initiative. Ganz nach dem Motto: Wer die Welt verändern will, muss im Kleinen anfangen.

Der Beginn ist gemacht, wer weiss, was die Zukunft bringt… Lastenräder  & Pedelecs zum Ausleihen, vernetzter ÖPNV, Mobilitätsstationen…