Faire Transporte – mit Lastenrad & Kaffee unterwegs

Foto: marcus schm!dt, hamburg

Nachhaltige Mobilität meint nicht nur den Individualverkehr, obwohl der einem meist zuerst dabei einfällt, wenn man über die Thematik nachdenkt. Aber auch fast alle Güter, die zum täglichen Leben dazugehören, werden von A nach B transportiert. Völlig egal, ob es sich dabei um Zahncreme, Tiefkühlpizzen, Garnelen oder Blumen handelt.

Logistische Irrwege

Ist es sinnvoll, Krabben in der Nordsee zu fangen, um sie dann zum Auspulen nach Afrika zu transportieren und anschließend wieder zu uns nach Norddeutschland zurück?! Dieses ist ein Worst-Case-Beispiel der schlimmeren Art. Auch werden Tiere nicht etwa zum nächstgelegenen Schlachthof befördert (furchtbar genug!) – nein, oft werden sie unter entsetzlichen Bedingungen durch halb Europa gekarrt. Es handelt sich immerhin um lebendige Wesen! Sie leiden unter Hitze, Durst, qualvoller Enge und haben Todesangst. Einer Erdbeere hingegen macht es weniger aus, wenn sie zunächst gekühlt Ländergrenzen überschreitet und dann als verarbeitete Fruchtmischung zurückkommt, bevor sie in unserem Joghurt verarbeitet wird. Aber muss das denn sein?! Ich finde Waren, die nicht so lange auf der Straße unterwegs sind, bekömmlicher. Sie bleiben länger frisch und schmecken besser! Lieber saisonal und regional kaufen, ist meine Devise.

Nachhaltige Logistik

Jeder kann darauf achten, woher seine Lebensmittel und Verbrauchsgüter kommen und unter welchen Bedingungen sie produziert wurden. Gerade regionale Transporte lassen sich leichter nachhaltig gestalten: Lebensmittel- und andere Märkte können ihre Waren mit Lastenrädern ausliefern. Der Bäckerfahrrad erlebt in der urbanen Gesellschaft seine Renaissance. Posträder gibt es schon lange! Fahrradkuriere kommen in der Stadt schnell ans Ziel. Sie befördern nicht nur Briefe und Akten in Rucksackgröße, sondern sind auch für größere Packstücke ideal. Auch die Paketdienstleister satteln langsam um. Die Post gilt mit dem Streetscooter als Vorreiter in der Elektromobilität. UPS und andere testen erfolgreich die Auslieferung der letzten Meile mit Lastenrädern und -anhängern. Für richtig schwere Lasten dürfen die gerne elektrifiziert sein.

Koffie, please!

Die Lieferkette nachhaltig zu gestalten, ist auch das Anliegen von Slokoffie. Sie vertreiben fairen Kaffee aus Honduras, der mit einem Segelschiff den Atlantik überquert hat. Verarbeitet wird der Rohkaffee in der Kaffeerösterei „de koffiman“, gleich bei mir um die Ecke, in Lilienthal.

Die Lastenradtour

Die Macher von Slokoffie haben einen Lastenradausflug zu den Ölivenöl-Abholtagen nach Wilstedt organisiert, um im passenden Umfeld ihren Kaffee und die Idee dahinter zu präsentieren. Der Einladung bin ich gerne gefolgt, bestes Wetter gab es noch gratis dazu. Viele spannende Menschen aus der Radszene, die meisten davon mit Lastenrädern ausgestattet, machten sich auf den Weg. Beim Zwischenstopp an der Rösterei wurde der Kaffee verkostet. Sehr lecker, mild und bekömmlich. Es war eine schöne Ausfahrt mit netten Gesprächen. Eine tolle Idee, um zu nachhaltigen Transporten anzuregen.

Einen kostenlosen Nachhause-Lieferservice gab es auch!

Foto: marcus schm!dt, hamburg

Historie trifft Moderne: Dirk Wassermann (links) mit seinem historischen Lastenrad und Uwe Wöhlbrandt (rechts) vom Fahrrad-Express mit einem Bullitt.

Foto: marcus schm!dt, hamburg

Foto: marcus schm!dt, hamburg

Foto: Christiane Seeger

Es muss nicht immer Asphalt sein…

Eine Liebeserklärung an meinen Crosser

Heiss heute… Gestern hab ich mir die Sonne auf den Helm prasseln lassen. Darum wollte ich heute mal abseits der Straßen mit dem Crosser die Waldwege unsicher machen. Da ist es schattig, da ist es schön und es gibt ausgeschilderte Wanderwege, auf denen ich mich nicht verfahren kann. Einfach mal sehen, wohin die ganzen Seitenwege, an denen ich sonst immer vorbeifahre, so hinführen. Mit dem Renner kehre ich halt oft wieder um, weil es auf Schotter weitergeht. So war der Plan. Kurz nach dem Start kam mir dann die Idee für diesen Blogbeitrag. 

Ich wollte darüber schreiben, wie dieses Rad in mein Leben kam. Wie es mich mit Rennbereifung durch meine erste Saison getragen hat und durch einen Gutteil der zweiten. Wie es sich einen Platz in meinem Herzen eroberte und über meine ersten Crossversuche damit. Wie es (immer noch namenlos) sich zum Winter- und Alltagsrad wandelte, mit Klingel und Licht. Jetzt sind Bärentatzenpedale dran, damit ich auch mit Straßen- und Turnschuhen bequem damit fahren kann. Man muss nur beim Antreten etwas aufpassen, damit man nicht abrutscht… 

Allerdings fand diese Ausfahrt nach 7km ein abruptes Ende. Die Karkasse des Hinterreifens hatte sich gelöst, Sand und Steinchen waren drin. Denen setzt auch ein CX-Schlauch nichts entgegen. Im Notfallpaket nur ein dünner RR-Schlauch, wechseln also vergebliche Liebesmüh. Aber wer seinen Kumpel liebt, der schiebt…

So wandelte sich dann das Tempo der Tour und daraus wurde ein längerer Spaziergang mit Rad an der Hand. Aber was soll’s, Bewegung und draußen sein an der frischen Luft, nur ein bisschen anders als geplant. Ach und es heißt „Radschuhe“, weil sie zum Radfahren gemacht sind und nicht zum Laufen. 😉

Alles wird aus Holz gemacht…

  

Mal andere Räder zu fahren ist schon arg geil! Zum meinem Fuhrpark gehört ja ein Rennrad, ein Cyclecrosser und ein Trekkingrad. Die Chancen, dass ein Lastenrad dazu kommt, stehen recht hoch. Aber es gibt noch viele chice Räder, die ich noch gar nicht gefahren bin: ein Klapprad beispielsweise. Nun habe ich das hier im Netz entdeckt: ein super nachhaltiges Rad aus Holz. Ja, richtig gelesen: Holz! 

Von Rennrädern mit Rahmen aus Bambus hatte ich schon mal gehört; klar, der ist hohl und leicht, passt also. Aber ist Holz nicht viel zu schwer für so ein Rad? Oder nicht stabil, wenn es so ’ne Art Presspappe ist, wie wir es doch alle von Billigmöbeln her kennen? Das hier soll ein spezielles Eichenholz sein, welches auch beim Schiffsbau verwendet wird, weil es so leicht ist. 

  

Die Möglichkeit, so ein Rad mal zu testen, wird im Rahmen einer Charity-Tour angeboten. Das Ganze ist kostenlos und anmelden kann man sich hier