Gutes Aussehen ist nicht alles!

Seit einiger Zeit gibt es viel Werbung für das Vanmoof S3. Das Elektrorad sieht sehr stylisch aus und ist mit einer integrierten Diebstahlsicherung ausgestattet. Ein befreundeter Blogger fragte mich nach meiner Meinung. Meine Antwort dazu lautete, dass ich mir kein Rad in dieser Preisklasse im Netz bestellen würde, ohne einmal damit Probe gefahren zu sein. Mittlerweile gibt es einen Pop-up-Store in Bremen, so dass ich mir das Rad in Echt angesehen habe.

Über einen Link kann man eine Probefahrt buchen, dieses ist aber auch spontan möglich, da mehrere Räder vorhanden sind. Der freundliche junge Mitarbeiter wies mich kurz und knapp ein. Ob frau schon mal mit einem Pedelec gefahren sei, wurde nicht abgefragt. Zum Glück bin ich das schon, denn als Elektroanfänger*in hätte mir diese Einweisung nicht ausgereicht. Einen Helm hatte ich nicht dabei (vorher Stadtbummel) und mir wurde auch keiner angeboten. Nach einer Viertelstunde sollte ich das Rad zurückbringen.

IMG_7307

Der Pop-up-Store liegt mitten in der Bremer Innenstadt, in der Langenstraße. Hier sind viele Fußgänger unterwegs und es empfiehlt sich nicht, dort Rad zu fahren. Ich bin dann in Richtung Schlachte. Doch auch hier war es gut besucht. Mit der sprichwörtlichen Uhr im Nacken konnte nicht zu einer günstigeren Strecke wechseln. „Full speed“ habe ich das Vanmoof somit nicht gefahren.

Stattdessen habe ich die Diebstahlsicherung ausprobiert. Um das Bike abzuschließen, genügt es, das Hinterrad in eine bestimmte Position zu bringen. Zwei Striche müssen zusammen eingestellt werden. Dann einen Knopf drücken (der Mitarbeiter hat es mit einem gezielten Tritt gezeigt) und fertig. Wenn ein Dieb das Rad wegtragen will, macht es sich akustisch und optisch bemerkbar. Das akustische Signal wird dabei immer lauter. Das Display im Oberrohr blendet dazu ein Totenkopfsymbol ein. Der Besitzer bekommt eine Nachricht auf das Smartphone und kann das Rad mittels GPS orten. Ein Dieb würde das Bike sicherlich in einen Transporter einladen, denn es ist ziemlich schwer (19 kg).

IMG_7308

Foto: die beiden oberen Pfeile zeigen die Striche, die zusammen gebracht werden müssen. Der untere Pfeil weist auf den Knopf.

Das Abgeben des Rades ging ebenso kurz und knapp. Die einzige Frage war, ob es Spaß gemacht hätte. Den Preis (1.998,- EUR) kenne ich nur aus dem Internet. Einem sich anbahnenden Verkaufsgespräch brauchte ich somit nicht aus dem Wege zu gehen. Meine Frage nach Leasingmodellen wurde verneint. Dafür sei Vanmoof zu neu am Markt, das sei noch nicht im Angebot. Auf der Website wird es allerdings angeboten.

Das Vanmoof S3 ist in zwei Farbvarianten, grau und schwarz, erhältlich. Es gibt nur eine Rahmengröße. Ich bin 1,75 m groß, mit eher längeren Beinen. Mir war es etwas zu groß. Für kleinere Menschen gibt es ein anderes Modell, das Vanmoof X3. Sieht allerdings anders aus. Die Sattelstütze ist verschraubt, es gibt keinen Schnellspanner. An den Testrädern war der Lack rund um die Verschraubung tüchtig verkratzt. Ich habe noch keinen Fahrradladen gesehen, wo man derart lieblos mit Fahrrädern umgeht!

Das Rad hat ein automatisches Vierganggetriebe. Die Unterstützung lässt sich per Knopfdruck am Lenker einstellen. Der Akku ist fest im Unterrohr verbaut. Ich habe keine Ahnung, wie lange er hält und wie man ihn nachlädt.

Fazit: Das Rad sieht chic aus und die Diebstahlsicherung ist praktisch. Im Fahrbetrieb konnte es mich aufgrund der Testkürze nicht überzeugen. Gerade ein Elektrorad muss man länger testen können, z. B. um zu sehen, wie lange der Akku auf dem Weg zur Arbeit hält. Wie fährt es sich auf verschiedenen Straßenbelägen und bei Steigungen? Die im Vergleich zum herkömmlichen Fahrrad veränderten Fahreigenschaften (Bremsweg, Kurvenlage) müssen eingeübt werden. Ich lege großen Wert auf eine kompetente Beratung durch Fahrradfachleute. Es gibt so viele gute Radläden. Einer ist bestimmt auch in Eurer Nähe. Abschließend noch dieses: Ich trete keine Fahrräder. Niemals!

Hinweis nach Bloggerkodex: Dieser Text enthält meine persönliche Meinung. Ich wurde nicht dafür bezahlt und habe auch keine geldwerte Leistung bekommen. Der Fahrradhersteller und die Typenbezeichnung werden im Rahmen eines Produkttests genannt.

Video: Die Diebstahlsicherung in Aktion. Video / Fotos: Christiane Seeger

 

Das Rad – Elektromobilität mal anders

Neongelb leuchtend steht es da; aufsteigen, einschalten und dann ein beherzter Tritt in die Pedale: Jippie! Ein Gefühl kommt auf, als wenn mich jemand anschiebt. So wie damals mein großer Bruder beim Radfahren lernen oder in der Radgruppe, wenn jemand merkt, dass man nicht recht mitkommt und ein bisschen Unterstützung gibt. Ein tolles Gefühl! Es mag Autos geben mit eingebauter Vorfahrt, aber dieses Rad hat den Rückenwind gleich eingebaut, definitiv! Gegenwind verliert jeglichen Schrecken, voller Rucksack nach dem Einkaufen? Pah – völlig egal! Das Fahren geht zügig und ist in keinster Weise anstrengend. Vier verschiedene Modi unterstützen beim Fahren: Tour (damit bin ich meistens unterwegs), Sport und Turbo, sowie Eco, um den Akku zu schonen.

Reichweitenangst, das Schlagwort zum Thema Elektromobilität ist auch hier zu beachten: Als ich das Pedelec in Empfang nehme, zeigt mir der Akkustand nur zwei Balken an. Die komplette Heimfahrt (ca. 20 km) erscheint mir zu risikoreich. Ich kürze ab mit der Straßenbahn. Ah, es ist nur die „Borgfeld-Vier“. Bis zur Endhaltestelle Lilienthal-Falkenberg weiter mit dem Rad. In der Fahrradbox, deren Mieterin ich bin, ist eine Ladesäule. Shit, hab ganz vergessen, dass man die Nutzung der Säule vorher beantragen (und zahlen) muss. Also nur das Rad angekettet, Akku ausgebaut und mit dem Auto nach Hause. So hatte ich mir das nicht vorgestellt. Im weiteren Verlauf des Testmonats relativiert sich das Ganze. Dann kann ich gut abschätzen, wann ich laden muss und wie weit ich damit komme. Nur mit Licht steigert sich der Verbrauch doch erheblich.

Für die Technikverliebten:

Kalkhoff Endeavour Move B9 (Hersteller: Derby Cycle)

Motor und Ladegerät: Bosch

9 Gang Shimano Alivio

hydraulische Scheibenbremsen Tektro T285

Alu-Rahmen

blockierbare Federgabel SR Suntour Nex E25

Sattel Selle Royal Essenza mit Concept Sattelstütze

Reichweite lt. Hersteller: bis 180 km

UVP: 2.699 EUR

Weitere Details auf der Herstellerseite.

Die auffällige Farbe mag nicht jedermann gefallen. Das Rad ist auch in dunklen Tönen erhältlich. Den Sattel finde ich furchtbar unbequem. Aber die wenigsten Menschen, die ich kenne, fahren mit dem Sattel, der vom Hersteller draufgeschraubt ist. Hintern und Sattel müssen einfach zusammen passen. Die Federgabel und Scheibenbremsen gefallen mir gut. Auch wo es mal etwas holperiger zugeht, wie auf Schotter, bleibt das Fahrgefühl angenehm. Die Bremsen sind griffig und verzögern sofort. Einziges No-Go am Rad: die Klingel. Gewöhnungsbedürftige Optik gepaart mit mangelnder Funktionalität: Wenn’s drauf ankommt, verweigert sie den Dienst und klingelt nicht. Hier sollte dringend durch den Hersteller nachgebessert werden! Ansonsten ist nichts auszusetzen am Pedelec.

Fotos: marcus schm!dt

Das Rad habe ich im Rahmen der Aktion „Pendler auf‘s Pedelec“ des Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) einen Monat lang gefahren. Mehr darüber ist hier nachzulesen.

Pendeln mit dem Pedelec

Anfang des Jahres las ich einen interessanten Aufruf in meinem Lokalblatt, der Wümme-Zeitung: Gesucht wurden Menschen, die einen Monat lang ihren Arbeitsweg (oder einen Teil davon) mit einem Pedelec zurücklegen wollten. Der BUND stellt dafür insgesamt sieben Pedelecs zur Verfügung. 70 glückliche Teilnehmer werden aus rund 120 Bewerbern ausgelöst, die Radheldin ist eine davon.

Ein Pedelec unterstützt nur die Tretbewegung, ganz ohne Pedalieren fährt es nicht! Dieses Fahrgefühl lässt sich am besten mit „eingebautem Rückenwind“ beschreiben. Auch Menschen, die sonst eher weniger Radfahren, können so ohne größere Kraftanstrengung weite Strecken zurückzulegen. Gegenwind und Steigungen verlieren ihren Schrecken. Auch für alle diejenigen, die zwar gerne mit dem Rad zur Arbeit fahren möchten, aber dort nicht verschwitzt ankommen wollen, ist es eine gute Lösung.

Ich fahre meist den kürzeren Teil meines Arbeitsweges mit dem Auto und steige dann in Lilienthal-Falkenberg in die Straßenbahn. Um vor Diebstahl und Vandalismus geschützt zu sein, habe ich einen Stellplatz in der abschließbaren Fahrradbox gemietet. Die Pendelfahrten zum Arbeitsplatz bin ich teils bis zur Haltestelle der Straßenbahn oder auch komplett mit dem Pedelec gefahren. Bei dem hochsommerlichen Wetter ist das Fahren auf dem Rad (Fahrtwind) wesentlich angenehmer als im ÖPNV (viele Menschen, denen heiß ist…). In meinen Testzeitraum fallen zwei Wochen Urlaub. Ich habe ersatzhalber versucht, die meisten Alltagswege mit dem Pedelec zu fahren. Beim Transport von Menschen oder sperrigen Sachen ging es leider nicht ohne Auto.

Für die Aktion des BUND muss ein Mobilitätskalender geführt werden. Kein großer Aufwand und die einzige Auflage, die zur Nutzung des Pedelec gemacht wird. Dabei erhält man einen Einblick in das eigene Mobilitätsverhalten. Viele PKW-Fahrten sind einem sonst im Alltag gar nicht recht bewusst. Nur mal eben schnell… Das eigene Verhalten zu reflektieren, ist der erste Schritt zur Änderung!

Foto: marcus schm!dt