Haben oder Teilen?

  Einige Gedanken zum sharen von Autos und anderem

Mittlerweile empfinde ich ein Auto nicht mehr als Statussymbol, sondern als Gebrauchsgegenstand. Es spricht nichts dagegen, ihn mit anderen zu teilen, solange er im Originalzustand, nicht kaputt oder verdreckt, zurückkommt. Bei anderen Gebrauchsgegenständen greift da manchmal der persönlichen Effekt, d. h. meine Zahnbürste teile ich mit absolut NIEMANDEN! Etwas wie ein Lastenrad würde ich allerdings teilen. Es ist ebenfalls zu teuer, um es ungenutzt herumstehen zu lassen. Gleichzeitig dient es als Multiplikator und kann man andere Menschen für das Radfahren begeistern!

Bei einem Elektrowagen herrscht übrigens auch „Arbeitsteilung„: Die beiden Pedale sharen sich die Aufgaben „bremsen“ und „beschleunigen“ (Strom geben). Denn es sind Automaticwagen, die vielleicht in Zukunft ganz autonom unterwegs sind. Strompedal – tolles Wort! 😃 Sich von einem Schaltgetriebe auf einen Automaticwagen umzustellen geht übrigens sehr leicht und schnell! Wenn man sich nicht mehr mit dem lästigen Schalten herumplagen muss (gerade beim stop and go im Stadtverkehr) kann man sich auch mehr auf das Verkehrsgeschehen konzentrieren. Indirekt dient es so der Verkehrssicherheit und minimiert das Unfallrisiko.

Die Rücksichtslosigkeit der stärkeren Verkehrsteilnehmer sehe ich auch als das größte Hindernis für den shared space. Die Schwächeren trauen sich nicht ihr Anrecht auf gemeinsam genutzten Platz durchzusetzen. Hier könnte das autonome Fahren regulierend eingreifen. Ein Roboter entwickelt keinen Egoismus, wenn er nicht entsprechend programmiert wurde. Und er fordert auch keine eingebaute Vorfahrt heraus, nur weil er am Kühler einen Stern trägt!

Ist es eigentlich sinnvoll, in einer Welt mit begrenzten Mitteln und endlichen Resourssen alle möglichen Dinge zu besitzen? Wäre es nicht besser, sie mit anderen zu teilen? Als Beispiel dient die berühmte Bohrmaschine, die ein Normalnutzer im Leben insgesamt nur 13 Minuten (Quelle: brandeins Magazin) lang in Betrieb hat. Dieses recht teure Gerät liegt also die meiste Zeit ungenutzt herum und verbraucht auch noch Platz. Warum also kaufen? Es ist absolut ausreichend, es für den Einsatz auszuleihen. 

Bei der Mobilität ist es ähnlich. Ein Auto steht ebenfalls viele Stunden am Tag ungenutzt herum. Es verkörpert dabei gerade das Gegenteil von Mobilität und stellt sich als Immobilie dar! So unglaublich viel Platz wird verschwendet an herumstehende Autos: Garagen und Carports auf den Grundstücken, Fuß- und Fahrradwege entlang der Straßen in den Städten. Aber auch auf den Dörfern wird der Wagen oft acht- und rücksichtslos gegenüber anderen Verkehrsteilnehmern irgendwo abgestellt.

Share & care – In einer Welt mit endlichen Ressourcen muss sich das Besitzdenken ändern. Man braucht nicht einfach alles kaufen, was zu haben ist. Wir müssen einfach weg vom Konsumismus, um unseren Kids noch eine Welt zu hinterlassen, in der man leben kann und möchte! Das „Sein“ ist wichtiger als „Haben“!

Ein paar Gedanken zu Pedelecs

  
Da liest man in der letzten Zeit immer öfter über die hohe Unfallgefahr für e-Bikes. Ist da was dran? Und woran liegt es? 

Eigentlich sind im Straßenverkehr viel mehr Pedelecs als e-Bikes unterwegs. Fahrräder mit elektrischer Unterstützung werden im Sprachgebrauch als e-Bikes bezeichnet, aber eigentlich handelt es sich um Pedelecs. Die Unterscheidung zwischen beiden besteht hauptsächlich in der erreichbaren Geschwindigkeit (Pedelec: Tretunterstützung bis max. 25 km/h, e-Bike: bis 45 km/h). Ein Pedelec ist also mit einem schnellen Radfahrer gleichzusetzen und ein e-Bike mit einem Moped. Das Fahrverhalten des Rades verändert sich natürlich mit der gefahrenen Geschwindigkeit. Beispielsweise die Fliehkraft beim Kurvenfahren oder der Bremsweg.

Aber liegt die Unfallhäufigkeit eher an den Pedelecnutzern oder an den anderen Verkehrsteilnehmern? Ich glaube nicht, dass mit Elektrounterstützung mehr Kamikazefahrer unterwegs sind. Ein gewisser Anteil von Verkehrsteilnehmern fährt unvorsichtig und rücksichtslos, egal ob mit dem Auto oder dem Rad. Das ist eher eine Problematik der Persönlichkeit und nicht des genutzten Verkehrsmittels (Idioten gibt es überall ;)).

Es den Pedelecfahrern anzukreiden, dass die Autofahrer deren Geschwindigkeit falsch einschätzen, macht mich echt wütend! 👿 Ein Autofahrer macht einen Fehler – und wer hat schuld: Der Radfahrer natürlich… Das kann ja wohl nicht sein! Wenn man etwas schlecht einschätzen kann, dann muss man halt warten und im Zweifelsfall zweimal gucken. Der Stärkere muss doch Rücksicht auf den Schwächeren nehmen und nicht etwa umgekehrt! Als Radfahrer habe ich nun mal nicht 2 t Stahl als Schutzpanzer um mich umzu, da bin ich eh in der Denfensive. Und mal ’ne andere Frage: die Geschwindigkeit von Mofas schätzen Autofahrer doch auch meistens korrekt ein, oder?

Das Problem mit der Rücksichtnahme sehe ich auch als Hindernis beim Shared Space. Von der Idee her finde ich es gut, die Straße unter allen Verkehrsteilnehmern gleichberechtigt zu teilen. Dann kommt auch z.B. nicht die Frage auf, für wen jetzt welche Ampel eigentlich gilt und für wen nicht… Andererseits würde ich mich von Autos oder mehr noch von LKW oder Bussen bedrängt fühlen. Oder Monstertreckern mit Arbeitsmaschinen hintendran… Ich bin schon relativ abgebrüht und fahre oft auf der Straße (weil kein Radweg oder nur ein sehr schlechter / schmaler zur Verfügung steht). Trotzdem gibt es da so gewisse Angstmomente. Menschen, die nicht oft mit dem Rad unterwegs sind oder Eltern mit Kindern können sich leicht überfordert fühlen und dann lieber gar nicht mit dem Rad fahren. Shared Space nur mit Tempolimit und genügend Abstand!

Ein Pedelec würde ich auf jeden Fall beim Fachhandel kaufen und nicht im Netz oder beim Baumarkt. Ganz wichtig ist es, damit Probe zufahren. Nicht nur eine kleine Runde im Kreis. Wenn Senioren sich eines anschaffen, um mobil zu bleiben, finde ich das generell gut. Von den Familienangehörigen würde ich mir wünschen, dass sie mal zu Anfang eine Tour begleiten, um sich ein Bild zu machen. Vielleicht können sie ja auch zur Benutzung eines Helmes gut zureden… Und wenn es mit der Reaktionsfähigkeit, der Seh- und / oder Hörstärke nicht mehr gut bestellt ist, dann ist das Fahren mit dem Pedelec vielleicht wirklich gefährlich. In diesem Falle ist gerade für Senioren davon abzuraten.

Wer jetzt einmal ganz in Ruhe ein Pedelec oder Liegefahrrad ausprobieren möchte, kann das im Rahmen der e-mobilen Landpartie, dem neuen Wellnesswochenende in Tarmstedt tun. Außerdem beinhaltet das Angebot noch einen eGolf zum ausgiebigen Testen.